MOSKAU. Das Konkursverfahren über den einst größten russischen Erdölkonzern Yukos steht vor dem Abschluss. Konkursverwalter Eduard Rebgun sagte, Forderungen der Gläubiger in Höhe von 872 Mrd. Rubel (24,6 Mrd. Euro) konnten befriedigt werden. Auf Forderungen von 76 Mrd. Rubel (2,14 Mrd. Euro) blieb der Hauptgläubiger, die russischen Steuerbehörden, jedoch sitzen. Die Aktionäre gingen bei dem Konkursverfahren völlig leer aus.
Das Moskauer Arbitragegericht erwartet bis 4. November – solange läuft das Konkursverfahren – von Rebgun einen Abschlussbericht. Danach soll Yukos aus dem Firmenregister gestrichen werden. Yukos, einer der skandalträchtigsten Fälle der russischen Wirtschaft, ist dann Geschichte.
Das Arbitragericht hatte am 1. August 2006 über Yukos den Konkurs eröffnet. Den Antrag dafür stellte ein Konsortium ausländischer Banken. Während Rebgun den Wert der Masse anfangs auf 477 Mrd. Rubel taxierte, ergaben die Zwangsversteigerungen des Firmenvermögens Einnahmen in fast doppelter Höhe. Parallel dazu stiegen auch die Forderungen.
Rosneft ist Erbe
Den Löwenanteil erhielten die russischen Steuerbehörden (577 Mrd. Rubel) sowie der staatlich kontrollierte Erdölkonzern Rosneft (264 Mrd. Rubel), dessen Töchter Forderungen geltend gemacht hatten. Rosneft war auch der große Sieger bei den Yukos-Zwangsversteigerungen im Frühjahr – oft zu Preisen, die deutlich unter dem Marktwert lagen. Fast 20 Mrd. Euro ließ sich Rosneft den Kauf der Förderunternehmen Tomskneft und Samaraneftegaz sowie von fünf Großraffinerien kosten. Selbst die Yukos-Firmenzentrale ging an Rosneft.
Durch die Zukäufe wurde aus der mittelgroßen Ölgesellschaft der – gemessen an den Reserven, Fördermenge und den Raffineriekapazitäten – größte russische Ölkonzern. Rosneft konnte seine Ölproduktion verfünffachen und wird in diesem Jahr rund 100 Mio. Tonnen Erdöl, rund 20 Prozent der Gesamtproduktion Russlands, fördern. Rosneft ist an der Moskauer Börse 93 Mrd. Dollar wert.
Yukos, der einst größte Konzern Osteuropas, geriet erstmals im Jahr 2004 unter Druck, als der Fiskus Nachforderungen in Milliardenhöhe stellte. Parallel dazu begann die Strafverfolgung einer Reihe von Top-Managern und Großaktionären. So wurde Konzerngründer Michail Chodorkowskij von einem russischen Gericht zu acht Jahren Lagerhaft wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt. Chodorkowskij sitzt gegenwärtig in Untersuchungshaft in der ostsibirischen Stadt Tschita und wartet auf ein weiteres Verfahren wegen Geldwäsche.
Anleger gingen leer aus
Die Fälle Yukos und Chodorkowskij werden weithin als Rachefeldzug des russischen Präsidenten Wladimir Putin gewertet. Chodorkowskij ist ein erklärter politischer Gegner des Kremlchefs, er plante die Bildung einer liberalen Oppositionsbewegung. Seither gilt der Name „Yukos“ als Synonym für die Eingriffe des Kremls in die Wirtschaft.
Konkursverwalter Rebgun gab Minderheitsaktionären, die vor ausländischen Gerichten klagen, wenig Chancen, noch Geld aus dem Yukos-Konkurs zu erstreiten. Denn es gebe nichts mehr zu verteilen, sagte er.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2007)