Bulgarien wird sich an der milliardenschweren Erdgaspipeline "South Stream" beteiligen. Mit dieser Leitung will der russische Versorger Gazprom im großen Stil russisches Gas nach Europa bringen. Beim Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin in Sofia hätten sich die Regierungen Russlands und Bulgariens über das Projekt geeinigt. Der entsprechende Vertrag werde noch am Freitag unterzeichnet, sagte Bulgariens Ministerpräsident Sergej Stanischew am Freitag.
Bei dem Projekt, an dem auch das italienische Unternehmen Eni beteiligt ist, hat Gazprom die Federführung. An dem Energiekonzern hält der russische Staat die Aktienmehrheit.
Bis zuletzt gab es zwischen den Verhandlungspartnern Streit über den Anteil des bulgarischen Staates an der neuen Gesellschaft. Nach Angaben aus Sofia hatte die bulgarische Regierung demnach eine Mehrheitsbeteiligung gefordert, was Russland ablehnte. Nun habe sich Bulgarien mit einem 50-prozentigen Anteil einverstanden erklärt, sagte Stanischew. Ein Teil "South Stream"-Leitung mit einer Gesamtlänge von 900 Kilometern soll durch das Schwarze Meer und Bulgarien laufen.
Rückschlag für EU-Projekt "Nabucco"
"South Stream" steht damit in direkter Konkurrenz zum europäischen Gemeinschaftsprojekt "Nabucco". Diese Pipeline soll einst Erdgas von der Osttürkei direkt ins niederösterreichische Baumgarten leiten. Der Rohstoff dafür soll von den riesigen Gasfeldern in Zentralasien kommen.
An "Nabucco" sind fünf internationale Energieversorger beteiligt, der österreichische Konzern OMV hat die Federführung. Die EU unterstützt das Projekt und stuft es als "vorrangiges Vorhaben von europäischem Interesse" ein. Ein bereits 2002 gegründetes internationales Konsortium sollte das Projekt vorantreiben. Doch eine endgültige Entscheidung über den Bau steht bis heute aus.
Gazprom schafft vollendete Tatsachen
Dagegen schafft Gazprom mit "South Stream" vollendete Tatsachen. Damit nicht genug: Unter Ägide des Konzerns entsteht bereits die Pipeline "Nord Stream", die russisches Gas über die Ostsee direkt nach Deutschland leiten wird.
Zusätzlich betreibt Gazprom bereits seit 2003 zusammen mit dem italienischen Konzern ENI und dem türkischen Staat die Pipeline "Blue Stream" durch das Schwarze Meer in die Türkei. Im Frühjahr 2007 irritierte die ungarische Regierung mit der Ankündigung, die Beteiligung am EU-Projekt "Nabucco" fallen zu lassen und lieber zusammen mit Russland die "Blue Stream"-Pipeline bis nach Ungarn auszubauen. Damit wäre nicht mehr Österreich die entscheidende Verteilerstelle für das ankommende Erdgas, sondern Ungarn. Inzwischen erstellen Ungarn und Russland eine Machbarkeitsstudie zu dem Projekt.Auch der Plan des "Nabucco"-Projekts, Europa mit den umfangreichen Gasvorkommen rund ums Kaspische Meer zu verbinden, hat jüngst einen weiteren Rückschlag erlitten: Kurz vor Weihnachten letzten Jahres sicherte sich Russland das Transport-Monopol für Erdgas aus der Region.
Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Kasachstan und Turkmenistan unterzeichnete Putin einen Vertrag über den Bau einer gemeinsamen Gas-Pipeline. Das bedeutet de facto nichts anderes, als dass kaspisches Erdgas ausschließlich über Russland die Region verlassen kann.
Putin sagte, der Vertrag sei ein wichtiger Beitrag zur europäischen Energiesicherheit. Nicht alle Europäer dürften diese Meinung teilen. (Ag./Red.)
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