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Gazprom torpediert OMV-Projekt "Nabucco"

18.01.2008 | 14:20 |   (DiePresse.com)

Russland und Bulgarien haben sich auf den Bau einer Erdgas-Pipeline nach Europa geeinigt. Dass das milliardenschwere Vorhaben in direkter Konkurrenz zum EU-Projekt "Nabucco" steht, stört die beiden Länder wenig.

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Bulgarien wird sich an der milliardenschweren Erdgaspipeline "South Stream" beteiligen. Mit dieser Leitung will der russische Versorger Gazprom im großen Stil russisches Gas nach Europa bringen. Beim Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin in Sofia hätten sich die Regierungen Russlands und Bulgariens über das Projekt geeinigt. Der entsprechende Vertrag werde noch am Freitag unterzeichnet, sagte Bulgariens Ministerpräsident Sergej Stanischew am Freitag.

Bei dem Projekt, an dem auch das italienische Unternehmen Eni beteiligt ist, hat Gazprom die Federführung. An dem Energiekonzern hält der russische Staat die Aktienmehrheit.

Bis zuletzt gab es zwischen den Verhandlungspartnern Streit über den Anteil des bulgarischen Staates an der neuen Gesellschaft. Nach Angaben aus Sofia hatte die bulgarische Regierung demnach eine Mehrheitsbeteiligung gefordert, was Russland ablehnte. Nun habe sich Bulgarien mit einem 50-prozentigen Anteil einverstanden erklärt, sagte Stanischew. Ein Teil "South Stream"-Leitung mit einer Gesamtlänge von 900 Kilometern soll durch das Schwarze Meer und Bulgarien laufen.

Rückschlag für EU-Projekt "Nabucco"

"South Stream" steht damit in direkter Konkurrenz zum europäischen Gemeinschaftsprojekt "Nabucco". Diese Pipeline soll einst Erdgas von der Osttürkei direkt ins niederösterreichische Baumgarten leiten. Der Rohstoff dafür soll von den riesigen Gasfeldern in Zentralasien kommen.

An "Nabucco" sind fünf internationale Energieversorger beteiligt, der österreichische Konzern OMV hat die Federführung. Die EU unterstützt das Projekt und stuft es als "vorrangiges Vorhaben von europäischem Interesse" ein. Ein bereits 2002 gegründetes internationales Konsortium sollte das Projekt vorantreiben. Doch eine endgültige Entscheidung über den Bau steht bis heute aus.

Gazprom schafft vollendete Tatsachen

Dagegen schafft Gazprom mit "South Stream" vollendete Tatsachen. Damit nicht genug: Unter Ägide des Konzerns entsteht bereits die Pipeline "Nord Stream", die russisches Gas über die Ostsee direkt nach Deutschland leiten wird.

Zusätzlich betreibt Gazprom bereits seit 2003 zusammen mit dem italienischen Konzern ENI und dem türkischen Staat die Pipeline "Blue Stream" durch das Schwarze Meer in die Türkei. Im Frühjahr 2007 irritierte die ungarische Regierung mit der Ankündigung, die Beteiligung am EU-Projekt "Nabucco" fallen zu lassen und lieber zusammen mit Russland die "Blue Stream"-Pipeline bis nach Ungarn auszubauen. Damit wäre nicht mehr Österreich die entscheidende Verteilerstelle für das ankommende Erdgas, sondern Ungarn. Inzwischen erstellen Ungarn und Russland eine Machbarkeitsstudie zu dem Projekt.

Auch der Plan des "Nabucco"-Projekts, Europa mit den umfangreichen Gasvorkommen rund ums Kaspische Meer zu verbinden, hat jüngst einen weiteren Rückschlag erlitten: Kurz vor Weihnachten letzten Jahres sicherte sich Russland das Transport-Monopol für Erdgas aus der Region.

Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Kasachstan und Turkmenistan unterzeichnete Putin einen Vertrag über den Bau einer gemeinsamen Gas-Pipeline. Das bedeutet de facto nichts anderes, als dass kaspisches Erdgas ausschließlich über Russland die Region verlassen kann.

Putin sagte, der Vertrag sei ein wichtiger Beitrag zur europäischen Energiesicherheit. Nicht alle Europäer dürften diese Meinung teilen. (Ag./Red.)
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12 Kommentare
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EU hat nichts zu melden

Es scheint tatsächlich so, als ob man sich auf eine Zeit nach der EU vorbereitet. Und dann ist es sicherlich besser, Russland hält die Zügel der Energieversorgung in der Hand als eine dubiose Brüsseler Mafia.

Antworten chilly
20.01.2008 00:29
0 0

Re: EU hat nichts zu melden

tj wenn ein teil der eu langsam von den europäischen werten abdrifftet und sich an dem illegalen akt der umgehung der vetorechete zyperns ,griechenlands, rumäniens slowakeis und spaniens im falle kosovo erfreut
klar das es dann immer mehr staaten gibt die diese hegemonistische politische unterdrückung seitens GB,F ,D, nicht mehr mitmachen wollen.

wird einmal ein recht (auch das völkerrecht) einseitig gebrochen ist es ein prezedensfall wie mit der jungfräulichkeit

chilly
19.01.2008 12:07
0 0

naja

die russen forden nicht nur sondern beiten auch etwas an beim einstieg in den europäischen energiesektor, die omv und co knüpfen alles uber politker die dann eine eu scheinperspektive versprechen. das volk osteuropas findet anscheinend die russen edler, und das stinkt den wessis.

Gast: Voevoda
18.01.2008 18:58
0 0

Re: EU Mitgliedsländer arbeiten für und mit Russland und gegen EU Interessen

Sie vergessen, dass "South Stream" eine russisch-italienische Initiative ist. Wollen Sie Italien auch noch drohen? Deutschland baut mit Russland zusammen die Ostsee-Pipeline. Auch Deutschland sanktionieren?

Sie messen der EU eindeutig viel zu viel Bedeutung bei. Die EU ist Schall und Rauch.

Antworten chilly
19.01.2008 11:58
0 0

Re: Re: EU Mitgliedsländer arbeiten für und mit Russland und gegen EU Interessen

du meinst bestimmt mit eu interessen die omv

Gast: Kein Grüner
18.01.2008 16:44
0 0

EU Mitgliedsländer arbeiten für und mit Russland und gegen EU Interessen

Wozu hat man in diesem Fall eigentlich die EU, wenn EU Mitgliedsländer eben gegen EU Interessen und nur im Eigeninteresse und Interesse Russlands mit Russland kooperieren und eben KEINE Reduktion der Abhängigkeit von russischem Gas dadurch erreicht wird. Meines Erachtens müsste die Kommission Ungarn und Bulgarien ganz einfach zum europäischen Projekt Nabucco drängen und zwingen. Ansonsten keine EU-Fördermittel mehr etc.

Antworten Sisyphus
18.01.2008 17:50
0 0

Re: EU Mitgliedsländer arbeiten für und mit Russland und gegen EU Interessen

Nein. Es gibt jede Menge alternative Energieformen. Ganz einfach diese Aufbauen und benutzen. Putin findet sicher andere Abnehmer. Und die OPEC? Die finden auch andere oder muessen halt ihr Oel selber saufen. Mich wuerde es nicht sonderlich kratzen. Ich fahre mit Strom welcher in kalorischen Kraftwerken produziert wird.

panda82
18.01.2008 15:54
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Das eigentliche Ziel der NABUCCO war die Abhangigkeit vom russischen Gas zubrechen...

Ansonsten kann man russisches Gas auch über Ukraina oder Weissrussland bekommmen...

Ich glaube, hier hat der Statt Österreich mit seinen Vorurteilen versagt... Zu dem ist Österreich ein Würstchen um ein internationales Projekt zu leiten...

Es werden ja neue Projekte geben aber OMV wird nicht mehr eine wichtige Rolle spielen..

Antworten Gast: AEIOU
19.01.2008 08:04
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Re: Das eigentliche Ziel der NABUCCO war die Abhangigkeit vom russischen Gas zubrechen...

Ernüchternd, daß sich bereits Zuzügler-Analphabeten anmaßen über Österreich zu befinden. Weit hat unsere Ringstraßen-Nomenklatura uns gebracht.

Antworten Sisyphus
18.01.2008 17:47
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Re: Das eigentliche Ziel der NABUCCO war die Abhangigkeit vom russischen Gas zubrechen...

Ah GEH...Weshalb muessen dann genau die "Wuerstchen" in der Tuerkei einen Staudamm bauen??
Vielleicht deshalb weil die tuerkische Bevoelkerung Grossteils Ihren Intellekt und IQ besitzt?

Antworten Antworten panda82
18.01.2008 18:18
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Re: Re: Pardon.. Lieber Ex..

Welche Firma denn*

Ophicus
18.01.2008 15:42
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Überraschung

Russland hat damit wieder einmal alle Energiehebel in der Hand. Aber wirklich überraschend ist das nicht. Die europäische Eigenart alles so lange zu bereden bis sich die Sache erledigt hat funktioniert halt nur dort, wo man ein Machtmonopol hat - also im eigenen Haus (und selbst dort nur wenn keiner aufmuckt).
Russland hat hier einen klaren Vorteil. Putin handelt. Was auch immer man inhaltlich von seinen Handlungen halten will - er tut wenigstens was. Wir stehen nur rum und jammern.

Allerdings gibt diese Entwicklung dem OMV-Engagement im Iran eine ganz neue Bedeutung. Wobei auch an diesem Schauplatz die europäische Politik zu keiner klaren Entscheidung findet.