Budapest/Bukarest (pbo/p. m.). Rumänien mausert sich zur Automobil-Großmacht. Während der französische Konzern Renault mit dem 1999 übernommenen Dacia-Werk im südrumänischen Pitesti Produktionsrekorde erzielt, darf nach langer Durststrecke auch Konkurrent Automobile Craiova hoffen. Dieser hatte ab 1994 dem südkoreanischen Autohersteller Daewoo gehört und vegetierte seit dem Daewoo-Konkurs 2002 dahin.
Jetzt hat der US-Konzern Ford um 57 Mio. Euro die staatlichen Mehrheitsanteile am Craiova-Werk gekauft und will 675 Mio. Euro investieren. Die Belegschaft soll von 3900 auf 7800 Mitarbeiter verdoppelt werden. Im Endausbau sollen jährlich rund 300.000 Ford von den Bändern rollen.
Rückzahlung angeordnet
Die Transaktion spießt sich noch wegen einer Auflage der Europäischen Kommission. Diese entschied nämlich nach einer mehrmonatigen Prüfung, ob bei der Privatisierung von Automobile Craiova alles mit rechten Dingen zugegangen sei, dass Ford 27 Mio. Euro an den rumänischen Staat zurückzahlen müsse. Begründung: Ford habe für den 72,4prozentigen Staatsanteil 57 Mio. Euro gezahlt, obwohl dieser 84 Mio. Euro wert gewesen sei. Die Bukarester Regierung habe den niedrigeren Preis im Austausch gegen eine Produktions- und Beschäftigungsgarantie akzeptiert, und das sei „gesetzwidrige Staatsbeihilfe“.
Ford und Bukarest haben sich geeinigt, dass die 27 Mio. Euro von der Regionalförderung abgezogen werden. Die beträgt 675 Mio. Euro.
Seit Constantin Stroe, Vorsitzender der rumänischen Autohersteller-Vereinigung Acarom, im Fernsehen erklärt hat, dass Mercedes ebenfalls Rumänien als verlängerte Werkbank nutzen wolle, brodelt es in der Auto-Gerüchteküche. Das Wirtschaftsblatt „Business Standard“ will aus nicht genannten Quellen erfahren haben, dass General Motors 500 Mio. Euro in ein Werk in Rumänien investieren wolle, aus dem künftig 300.000 Fahrzeuge rollen sollen.
Tatsache hingegen ist, dass immer mehr Autozulieferer nach Rumänien gehen. Rund um Craiova wollen sich mindestens sechs Ford-Partner ansiedeln, sagte laut „Business Standard“ der Ratsvorsitzende des Bezirks Dolj, Ion Prioteasa. Da der Rat kein freies Land habe, sollen die Firmen auf einem 256 Hektar großen ehemaligen Militärgelände angesiedelt werden.
Das deutsche Zulieferer Kolbenschmidt Pierburg investiert nahe der Stadt Dej in Nordwestrumänien 100 Mio. Euro in eine Fabrik zur Herstellung von Motorblöcken. Der US-Riese Delphi wiederum, der bereits seit 1999 in Rumänien produziert, baut in Iasi um 120 Mio. Euro eine zweite Fabrik. Das österreichische Unternehmen Hirschmann Automotive, das Kabelsätze herstellt, will die Kapazität im Werk Târgu Mures erweitern und die Belegschaft von 140 auf 600 Mitarbeiter aufstocken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2008)

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