04.07.2009 17:58 | Meine Presse Merkliste0

Autoindustrie: Rumänien auf dem Weg zum Auto-Multi

06.03.2008 | 18:15 |   (Die Presse)

Nach Ford könnten auch Mercedes und General Motors zu Renault stoßen. Viele Zulieferer folgen den Autoherstellern, andere sind schon dort.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Budapest/Bukarest (pbo/p. m.). Rumänien mausert sich zur Automobil-Großmacht. Während der französische Konzern Renault mit dem 1999 übernommenen Dacia-Werk im südrumänischen Pitesti Produktionsrekorde erzielt, darf nach langer Durststrecke auch Konkurrent Automobile Craiova hoffen. Dieser hatte ab 1994 dem südkoreanischen Autohersteller Daewoo gehört und vegetierte seit dem Daewoo-Konkurs 2002 dahin.

Jetzt hat der US-Konzern Ford um 57 Mio. Euro die staatlichen Mehrheitsanteile am Craiova-Werk gekauft und will 675 Mio. Euro investieren. Die Belegschaft soll von 3900 auf 7800 Mitarbeiter verdoppelt werden. Im Endausbau sollen jährlich rund 300.000 Ford von den Bändern rollen.


Rückzahlung angeordnet

Die Transaktion spießt sich noch wegen einer Auflage der Europäischen Kommission. Diese entschied nämlich nach einer mehrmonatigen Prüfung, ob bei der Privatisierung von Automobile Craiova alles mit rechten Dingen zugegangen sei, dass Ford 27 Mio. Euro an den rumänischen Staat zurückzahlen müsse. Begründung: Ford habe für den 72,4prozentigen Staatsanteil 57 Mio. Euro gezahlt, obwohl dieser 84 Mio. Euro wert gewesen sei. Die Bukarester Regierung habe den niedrigeren Preis im Austausch gegen eine Produktions- und Beschäftigungsgarantie akzeptiert, und das sei „gesetzwidrige Staatsbeihilfe“.

Ford und Bukarest haben sich geeinigt, dass die 27 Mio. Euro von der Regionalförderung abgezogen werden. Die beträgt 675 Mio. Euro.

Seit Constantin Stroe, Vorsitzender der rumänischen Autohersteller-Vereinigung Acarom, im Fernsehen erklärt hat, dass Mercedes ebenfalls Rumänien als verlängerte Werkbank nutzen wolle, brodelt es in der Auto-Gerüchteküche. Das Wirtschaftsblatt „Business Standard“ will aus nicht genannten Quellen erfahren haben, dass General Motors 500 Mio. Euro in ein Werk in Rumänien investieren wolle, aus dem künftig 300.000 Fahrzeuge rollen sollen.

Tatsache hingegen ist, dass immer mehr Autozulieferer nach Rumänien gehen. Rund um Craiova wollen sich mindestens sechs Ford-Partner ansiedeln, sagte laut „Business Standard“ der Ratsvorsitzende des Bezirks Dolj, Ion Prioteasa. Da der Rat kein freies Land habe, sollen die Firmen auf einem 256 Hektar großen ehemaligen Militärgelände angesiedelt werden.

Das deutsche Zulieferer Kolbenschmidt Pierburg investiert nahe der Stadt Dej in Nordwestrumänien 100 Mio. Euro in eine Fabrik zur Herstellung von Motorblöcken. Der US-Riese Delphi wiederum, der bereits seit 1999 in Rumänien produziert, baut in Iasi um 120 Mio. Euro eine zweite Fabrik. Das österreichische Unternehmen Hirschmann Automotive, das Kabelsätze herstellt, will die Kapazität im Werk Târgu Mures erweitern und die Belegschaft von 140 auf 600 Mitarbeiter aufstocken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
    Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
  • Pflege: 22 Prozent mehr offene Stellen als 2008
    Während am allgemeinen Arbeitsmarkt um 38,2 Prozent weniger Menschen eine Beschäftigung haben, fehlen im Pflegebereich Arbeitskräfte.
    AUA: Streik liegt in der Luft
    Wegen des geplanten Stellenabbaus bei der AUA-Tochter könnte es zu Streiks kommen. Betriebsrat Junghans meint aber, dass man gegen die Kündigungen nicht viel tun könne. Sie sollen nur "sozial verträglich" sein.
    SPÖ: An der Peripherie der Macht
    Jetzt hat es die SPÖ quasi amtlich: Die Partei hat massiv an Macht und Einfluss in der Wirtschaft eingebüßt. In einem Ranking der hundert einflussreichsten Österreicher findet sich nur eine Handvoll SPÖler.
  • Skylink: Rechnungshof macht Druck
    Die Oppositionsparteien fordern eine Untersuchung des Finanzdebakels. Derzeit kann der RH ein Unternehmen nur prüfen, wenn die öffentliche Hand mindestens 50 Prozent der Anteile hält.
    Kroatien/Slowenien: Polemisch um Gäste buhlen
    Slowenien macht Kroatien die Urlauber aus Serbien abspenstig – mit einer Kampagne voller Spott und Ressentiments.
    Bau: Strabag: Zukunft ohne Cemex
    Kein Okay der Kartellhüter, Konzern zieht sich zurück. Cemex Austria und Cemex Hungaria betreiben zusammen 85 Betonmischanlagen und 38 Stein- und Kiesgruben.
  • Bahn: Steuernachzahlung für ÖBB
    Die Mitarbeitertickets wurden nicht versteuert. Der heimische Fiskus verlangt nun eine Steuernachzahlung von rund 80 Mio. Euro für die letzten fünf Jahre.
    Russland: Lenins Leuchte wird ausgedreht
    Auch Moskau verkündet ein Glühbirnenverbot. Medwedjew hat entschieden, dass ab 2011 herkömmliche Glühbirnen in Russland verboten werden.
    Telekom: Eine Milliarde fürs Glasfasernetz
    Konzern startet Pilotprojekte in Wien und Kärnten. Aktie reagiert mit Kursanstieg. Durch neue multimediale Anwendungen verdopple sich das Datenvolumen alle ein bis eineinhalb Jahre.