05.07.2009 03:24 | Meine Presse Merkliste0

Gazprom: „Ölpreis steigt auf 250 Dollar“

10.06.2008 | 20:01 |   (Die Presse)

Der russische Energie-Konzern droht Europa vor einer Abkehr von Gazprom. Das Warten auf ein wachsendes Angebot sei eine Illusion: "Europa sägt am eigenen Ast".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Deauville (est). Ins französischen Deauville lud die Gazprom-Führung, um dem Westen sich selbst und seine Sicht der Dinge auf dem angespannten Energiemarkt zu erklären. Weil die Nachfrage wachse und ein Wettbewerb um Ressourcen ausgebrochen sei, „erwarten wir schon in absehbarer Zukunft 250 Dollar pro Barrel“, meinte der ansonsten medienscheue Gazprom-Chef Alexej Miller am Dienstag vor Journalisten.

Da der Gaspreis an den Preis von Ölprodukte gebunden ist, stehe Europa auch vor einem weiteren Anstieg der Gaspreise. Miller gesteht ein, dass selbst Gazprom mit seinen vielen Informationen die Preisentwicklung unterschätzt und ursprünglich auf 400 Dollar (257 Euro) je 1000 Kubikmeter veranschlagt habe. Weil Europa schon etwa 410 Dollar zahlt, wurde zuletzt Kritik an der Preiskoppelung von Öl und Gas laut.

An der Koppelung zu rütteln sei ein Fehler, betont Gazprom-Vizechef Alexander Medvedev, schließlich sei der Preis so kalkulierbarer als beim Spotpreismechanismus: Der Vorteil der vorgeschlagenen Spotpreisbildung sei nur gegeben, wenn das Angebot dauerhaft die Nachfrage übersteigt; darauf in Europa zu warten, sei „eine völlige Illusion“. Schon zuvor schob er im Interview mit unserer Zeitung die Schuld für den Preis auf die europäischen Regierungen: „60 Prozent des Preises kommen von den Steuern.“

Seit 35 Jahren beliefert Gazprom Europa mit Gas und deckt derzeit ein Viertel des Bedarfs. Seit dem Gaskrieg mit der Ukraine hängt der Haussegen schief. Während Gazprom seinen Marktanteil in Europa bis 2020 auf ein Drittel erhöhen will, sucht Europa mehr Unabhängigkeit und alternative Quellen. „Das ist völlig verständlich“, meint Miller, gründe aber auf der seltsamen Vorstellung, dass alles, was nicht aus Russland komme, gleich besser sei. Miller geißelte die diplomatischen Anstrengungen des Westens, direkten Zugang zu den zentralasiatischen Ressourcen zu erhalten: „Das führt zum gegenteiligen Effekt, dem Kaspischen Paradox“, meint Miller: Einerseits gewinne Europa kein Gas dazu, andererseits treibe es aber mit der Konkurrenz den Preis.


„Europa sägt am eigenen Ast“

Derzeit sitzt Russland auf dem Monopol des zentralasiatischen Gasexports und kompensiert mit dem billigen Zukauf auch versäumte Investitionen in die eigene Förderung. Die vom Westen und von China umworbenen Kasachstan und Turkmenistan erhöhten zuletzt den Preis.

Gazprom selbst will laut Miller neben Europa auch den asiatischen und mittels Flüssiggas den US-Markt erobern. Unabhängig vom künftigen prioritären russischen Markt „bleibt Europa die Nummer eins“. Der Bau neuer Pipelines stehe in Gazproms Businessplan ganz oben. Mit den protektionistischen Vorhaben aber behindere die EU russische Investitionen: „Europa sägt am Ast, auf dem es sitzt“, droht Miller und empfiehlt die langfristigen Lieferverträge beizubehalten. Europa müsse kapieren, dass nur drei Länder derzeit die steigende Nachfrage bedienen können: Russland, Katar und der Iran.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Gast: Beobachter
11.06.2008 01:52

Das Gaskraftwerk Zwentendorf

Die unsaegliche Dummheit von damals holt uns immer wieder ein. Gasprom geht uebrigens das Gas aus. Seit weit mehr als einem Jahrzehnt haben die nichts in neue Gasfelder investiert. Nur kassieren. Typisch Staatsbetrieb.

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Flughafen Wien: Die vorprogrammierte Schlammschlacht
    Das Finanzdebakel am Flughafen Wien ist noch lange nicht aufgeklärt. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass in den rot-schwarz dominierten Führungsgremien kein Stein auf dem anderen bleiben wird.
    Österreichische Schrottautos für Afrika
    Jedes Jahr werden 180.000 gebrauchte Autos mehr oder weniger legal aus Österreich vor allem nach Afrika exportiert. Doch jetzt droht der Markt wegen der Verschrottungsprämie einzubrechen.
    Quelle-Katalog: Bibel der Kleinbürger droht das Ende
    Der Versandhändler Quelle braucht staatliches Geld, um doch noch einen Katalog zu drucken. Seit Jahren spekuliert man über das Ablaufdatum der dicken Universal-Kataloge.
  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Traden mit dem Momentum
    Wie man Trendwendenmithilfe von technischen Indikatoren rechtzeitig erkennt. Unter den zahlreichen Momentum-Varianten hat sich der sogenannte „Williams %R Momentum“-Indikator bewährt.
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
  • Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
    Pflege: 22 Prozent mehr offene Stellen als 2008
    Während am allgemeinen Arbeitsmarkt um 38,2 Prozent weniger Menschen eine Beschäftigung haben, fehlen im Pflegebereich Arbeitskräfte.
    AUA: Streik liegt in der Luft
    Wegen des geplanten Stellenabbaus bei der AUA-Tochter könnte es zu Streiks kommen. Betriebsrat Junghans meint aber, dass man gegen die Kündigungen nicht viel tun könne. Sie sollen nur "sozial verträglich" sein.
  • SPÖ: An der Peripherie der Macht
    Jetzt hat es die SPÖ quasi amtlich: Die Partei hat massiv an Macht und Einfluss in der Wirtschaft eingebüßt. In einem Ranking der hundert einflussreichsten Österreicher findet sich nur eine Handvoll SPÖler.
    Skylink: Rechnungshof macht Druck
    Die Oppositionsparteien fordern eine Untersuchung des Finanzdebakels. Derzeit kann der RH ein Unternehmen nur prüfen, wenn die öffentliche Hand mindestens 50 Prozent der Anteile hält.
    Kroatien/Slowenien: Polemisch um Gäste buhlen
    Slowenien macht Kroatien die Urlauber aus Serbien abspenstig – mit einer Kampagne voller Spott und Ressentiments.