Der Schwerpunkt der Neuinvestitionen österreichischer Unternehmen in Osteuropa verlagert sich von den Nachbarländern weiter nach Osten. Bulgarien und Rumänien sowie die GUS-Länder Russland und Ukraine lösen Tschechien und Ungarn als Schwerpunkte sukzessive ab. Die meisten österreichischen Direktinvestitionen im Ausland sind marktorientiert, zielen also auf den Absatz auf dem lokalen Markt der Empfängerländer ab. Das geht aus einer Studie des Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervor. Sie wurde von Gabor Hunya vom WIIW heute, Mittwoch, vorgestellt. Die Studie wurde im Auftrag des Wirtschaftsministeriums im Rahmen des Kompetenzzentrums FIW (Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft) erstellt.
Lohnkosten sind nicht entscheidend
Dies sei besonders bei Immobilien und Finanzdienstleistungen der Fall. Eine untergeordnete Rolle spielten Investitionen wegen niedrigerer Lohnkosten, die zu einer Verlagerung der Produktion von Österreich ins jeweilige Empfängerland führten. Selbst in Tschechien, Ungarn und der Slowakei war dies nur bei fünf bis sieben Prozent aller Investitionsprojekte der Fall.
Rumänien holt auf
In jüngster Zeit spielt dies auch in Rumänien ein gewisse Rolle. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass andere Länder, etwa im Westbalkan, wie Kroatien oder Serbien, als Ziel für die Verlagerung der Produktion wegen der niedrigeren Lohnkosten gewählt würden. In Sektoren der arbeitsintensiven verarbeitenden Industrie wird in jüngster Zeit vermehrt in Asien investiert. Aber auch dort nur mit dem Ziel, auf dem lokalen Markt zu verkaufen.
Verlierer Deutschland und Ungarn
Nachbarländer wie Ungarn oder Deutschland hätten seit 2000 einen sinkenden Anteil am gesamten Nominalkapital der Direktinvestitionsunternehmen, dagegen stiegen die Anteile für Rumänien, Bulgarien, Polen und Kroatien, verwies der WIIW-Experte auf wesentliche Veränderungen. Diese gingen aus Firmenbefragungen hervor, die in den Datenbanken der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und internationaler Institutionen ihren Niederschlag finden.
Heimische Unternehmen zu klein
Es ist laut Hunya noch nicht entschieden, ob Österreichs Direktinvestitionen (FDI) auf die Länder Ostmitteleuropas beschränkt bleiben. Österreichische Investoren seien zu 60 bis 70 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese kontrollierten jedoch nur einen relativ geringen Teil des im Ausland investierten Kapitals. Da die rentabelsten Investitionsziele jenseits von Österreichs Nachbarländern liegen, könnte die geringe Firmengröße ein Hindernis für künftiges FDI-Wachstum darstellen.
Kleinbetriebe brauchen mehr Geld
Die Politik sei daher aufgerufen, insbesondere das Wachstum der Firmen zu fördern. Vor allem Hightech-Branchen benötigten mehr Risikokapital und Beratung. Österreich gehört nicht zur Liga der wichtigsten globalen Investoren, ist jedoch ein bedeutender regionaler Akteur in Mittel- und Südosteuropa. Die gute Ertragslage der Tochtergesellschaften erklärt den rapiden Anstieg österreichischer Investitionen vor allem in Polen und in letzter Zeit auch in den GUS-Ländern.
Politik soll ermutigen und fördern
Für die Politik ergeben sich der Studie zufolge zwei große Aufgaben: Erstens jene Unternehmen, die bisher international nicht aktiv sind, zu ermutigen, im Ausland zu investieren. Man könne allerdings kaum erwarten, dass kleinere Unternehmen jenseits der benachbarten Länder aktiv werden. Deshalb wäre es zweitens wichtig, Unternehmen dabei zu unterstützen, sich zu vergrößern, da entsprechendes Kapital bei Investitionen in weiter entfernten Zielen auch innerhalb Europas notwendig sei.
(APA/Red.)

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