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Russen kaufen OMV-Anteil an MOL

30.03.2009 | 18:18 |   (Die Presse)

Mit dem Verkauf an die russische Surgutneftegaz endet für die OMV das Abenteuer MOL. Aus dem geplanten Bollwerk gegen Russland wurde eine Einladung nach Mitteleuropa.

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Wien(mac). Lieber verkaufe er an jeden russischen Ölriesen als an die OMV, ließ der MOL-Chef Zsolt Hernadi den heimischen Mineralölkonzern schon im Sommer 2007 wissen. Neun Jahre, nachdem die OMV erstmals Interesse am ungarischen Mitbewerber gezeigt hat, erfüllt sie ihm diesen Wunsch. Ab Anfang April wird ihr 21,2-Prozent-Anteil an der MOL in den Händen des russischen Ölkonzerns Surgutneftegaz liegen.

Mit rund 1,4 Milliarden Euro bezahlen die Russen rund das Doppelte dessen, was die Aktien derzeit an der Börse wert wären. Ein gutes Geschäft war das ungarische Übernahme-Abenteuer für den den heimischen Mineralölkonzern damit aber noch lange nicht. Alleine die Erhöhung des MOL-Aktienpakets um 8,6 Prozent hat sich die OMV-Führung im Sommer 2007 rund eine Milliarde Euro kosten lassen. Im Schnitt habe man die Aktien „annähernd um denselben Preis“ verkaufen können, um den man sie selbst erworben hat, erklärt OMV-Sprecher Thomas Huemer. Zumindest auf den Beraterkosten bleibt das Unternehmen aber auf jeden Fall sitzen.

 

Ein guter Preis für OMV

Dennoch war das ein relativ glücklicher Ausstieg aus dem MOL-Dilemma, entschied die Börse. Die OMV-Aktien stiegen um rund drei Prozent. Sorgenfalten gibt es trotzdem. Der Grund dafür ist aber weniger der Kaufpreis als vielmehr der Umstand, wer ihn bezahlt hat.

Denn mit der geplanten Fusion mit der MOL verfolgte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer vor allem ein Ziel: gemeinsam ein europäisches Gegengewicht zur russischen Konkurrenz zu formen. Die MOL wehrte sich bekanntlich nach Kräften, auch die EU-Kommission hatte – letztlich entscheidende – Bedenken gegen den Deal. Jetzt verkauft die OMV ihren Anteil eben an die Russen.

An der damaligen Überzeugung habe sich aber nichts geändert, bekräftigt Huemer gegenüber der „Presse“: „Die Bewegung der Russen in Richtung Westen findet statt.“ In der jetzigen Situation müsse man aber auf das Wohl der Aktionäre schauen. Surgutneftegaz hat als einer der wenigen Ölkonzerne noch ausreichend Geld in der Kasse (siehe unten stehenden Artikel) und hat so den besten Preis bieten können. An der Strategie der OMV ändere sich dadurch nichts. Mit den 1,4 Milliarden Euro sollen geplante Investitionen fortgesetzt und die Liquidität des Unternehmens gestärkt werden.

 

Rückendeckung aus dem Kreml

Die Sorge, sich mit dem Verkauf der MOL-Anteile selbst einen starken Konkurrenten vor die Nase gesetzt zu haben, teilt man bei der OMV nicht. Bisher hat sich der russische Konzern nicht über die Landesgrenzen Russlands gewagt. Nun feiert er den Zukauf als „entscheidenden Schritt“ hin zu den in Russland so beliebten europäischen Endverbrauchern.

Schon spekulieren Beobachter, dass Surgutneftegaz „zumindest die Sperrminorität“ anstreben werde. Auch die komplette Übernahme würde nicht überraschen. Wie leicht sich die Russen da tun werden, bleibt abzuwarten. Denn das Abwehrbollwerk, an dem die MOL-Führung Österreichs Avancen abprallen ließ, ist immer noch intakt. Die „Lex MOL“, mit der die Stimmrechte einzelner Aktionäre stark beschränkt werden, ist in Kraft, einen Großteil der MOL-Aktien hat das Management bereits geschickt in die Hände verbündeter Unternehmen verteilt.

Ist der russische Konzern aber ernsthaft an einer Übernahme interessiert, wird spannend, wie lange diese Abwehrtaktik aufrecht erhalten wird. Mit dem Kreml im Rücken hat Surgutneftegaz wohl leichteres Spiel als die OMV. Ob sich Zsolt Hernadi darüber wirklich freuen wird? Man wolle unabhängig bleiben, ließ die MOL am Montag wissen. Was die Russen wollen, wisse man nicht.

auf einen blick

Die heimische OMV verkauft ihre 21,2 Prozent MOL-Anteile um 1,4 Mrd. Euro an den russischen Ölkonzern Surgutneftegaz.

Die vereitelte Fusion soll der OMV damit unterm Strich de facto keine Kosten beschert haben.

Die Strategie, ein europäisches Gegengewicht zu Russland zu formen, ist jedoch gescheitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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20 Kommentare
toranaga
22.04.2009 09:10
0 0

"auch die EU-Kommission hatte – letztlich entscheidende – Bedenken..."


...ein herzliches dankeschön an die eurokraten !
wieder einmal wissen wir für was ihr gut seid.

würde mich keineswegs wundern wenn da millionen von russischen ölmafia-schmierdollars nach brüssel gewandert wären...

Gast: Anleger
01.04.2009 04:04
0 0

Fehlinformation

....Thomas Huemer. Zumindest auf den Beraterkosten bleibt das Unternehmen aber auf jeden Fall sitzen.

Plus den Verlusten aus dem völlig unsinnigen Kauf des zweiten 10 % Paktes aus 2007 im Ausmaß von knapp
€ 500 Millionen plus
den Kosten für die Investmentbanken in zweistelliger Millionenhöhe etc....

Das Statement "in der jetzigen Situation müsse man aber auf das Wohl der Aktionäre schauen" ist wohl Provokation und Verhöhnung der Anleger.
In der Ära Ruttenstorfer & Stellvertreter hat man gut € 16 Milliarden investiert, in den Ergebnisausweisen macht sich diese Investitionen nicht bemerkbar. Die geringe Wertschätzung des Kapitalmarktes der OMV zeigt dies mit einer Marktkapitalisierung von lächerlichen € 6 Mrd. deutlich.

Antworten Gast: gast
09.04.2009 10:27
0 0

Re: Fehlinformation

Ärger ist eine Sache, Logik eine andere ..
Also OMV halten, oder wenn noch Geld da ist, natürlich billig kaufen ...

Gast: pour le merite
31.03.2009 08:52
0 0

Bollwerk gegen Rußland?

Die Presse Journalisten sind komplett übergeschnappt!

Soviel Unsinn in drei Wörtern von sich zu geben, verdient wahrlich den Verdummungs-Pulitzerpreis.

Gast: MolLex
30.03.2009 21:41
0 0

nastrovje

Vielleicht sind Raika & Co schlau genug ganz schnell dasselbe zu tun! - frei nach dem Motto: Österreich ist anders!
Na, schön dumm schauen würden da eine Menge Bürokraten.

Ratio
30.03.2009 14:52
0 0

Warum verkauft man Anteile, die jährlich Geld bringen, ohne dass man viel dafür tun muß?


Antworten Gast: Eugen
30.03.2009 18:59
0 0

Re: Warum verkauft man Anteile, die jährlich Geld bringen, ohne dass man viel dafür tun muß?

Vielleicht weil MOL hohe Verluste schreibt und an einer strategischen Partnerschaft nicht interessiert ist?
Wenn Kapital unbegrenzt zur Verfügung stünde, könnte die OMV die Beteiligung an MOL halten.
Aber so ist es eben nicht, die OMV muss halt entscheiden, wie über die knappe Ressource Kapital eingesetzt wird.

durendal
30.03.2009 08:59
0 0

Rache, kalt genossen....

In Budapest ist wohl gerade Heulen und Zähneknirschen angesagt. Der Verkauf der MOL-Aktien an eine russische Ölfirma ist eine perfekte Retourkutsche an die arroganten MOL-Direktoen, die ja um keinen Preis mit der OMV zusammengehen wollten. Jetzt haben sie dafür die Russen am Hals und die OMV hat noch ordentlich abkassiert
Gratulation an "Macchiavelli" Ruttensdorfer!

Antworten nomane
30.03.2009 10:42
0 0

Re: Rache, kalt genossen....

Warum sagst du nicht, dass die OMV klaglich versagt hat...

Übrigens, die MOL hat mit den Russen den besseren Partner... Bei einer Energiefirma muss der Partner Energieresoursen haben!!!

Antworten Antworten WINMAN
30.03.2009 12:48
0 0

Re: Re: Rache, kalt genossen....

also wenn hier jemand kläglich versagt hat, dann ja wohl die EU! schließlich wurde durch deren unsinnige Beschlüsse mal wieder ein Stück Tafelsilber aus der EU nach Russland verkauft...
und warum die Russen für die MOL ein Segen sein sollen, das müssten sie aber schon mal näher erläutern!

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
01.04.2009 03:41
0 0

Re: Re: Re: Rache, kalt genossen....

OMV produziert etwa 300.000 bbl/day Öl und Gas, die Raffineriekapazität
beträgt ca. 500.000 bbl/day. OMV muß daher in Analogie zur MOL Rohöl zukaufen.
MOLs Öl & Gasproduktion beträgt ca. 80.000 bbl/day bei einer Raffineriekapazität von 336.000 bbls/day und wird mit Rohöl über die Druschba Pipeline aus Russland versorgt.
Surgutneftegas (SNG) produziert etwa 63 mio mt Rohöl bei einer Raffineriekapazität von ca. 17 mio mt.
Damit ist auch allemal für MOL eine Beteiligung von SNG strategisch sinnvoller als eine Fusion mit OMV, dies auch unter dem Aspekt Versorgungssicherheit und Wettbewerb.
Für nationale Egoismen und persönliche Befindlichkeiten ist kein Platz.

Antworten Antworten Antworten nomane
30.03.2009 15:44
0 0

Re: Re: Re: Rache, kalt genossen....

In deinem Kopf zwar noch nicht aber Ungarn ist auch EU-Mitglied. Warum sollte die EU die Österreicher bevorteilen?
Ausserdem haben die Ungarn eine eigene Identitat, was man bei den Österreichern nicht unbedingt behaupten kann...

Antworten Antworten Antworten Antworten durendal
01.04.2009 12:12
0 0

Re: Re: Re: Re: Rache, kalt genossen....

Und welche Identität sollte das sein? Nach der jahrhundertelangen türkischen Herrschaft über Ungarn, die erst von den Habsburgern beendet wurde, ist von einer Identität dieses zugewanderten asiatischen Steppenreitervolkes nicht mehr wirklich viel übrig ausser eine Mischkulanz aus Kroaten, Slowaken, Rumänen und Zigeunern, die Deutschen wurden ja nach dem Krieg aus dem Land geworfen.
Also, lernen Sie Geschichte!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Eugen
30.03.2009 18:56
0 0

Re: Re: Re: Re: Rache, kalt genossen....

Also wenn Sie weiter nichts als Vorurteile gegenüber Österreich loswerden wollen, dann seien Sie versichert: Alle haben Ihre Meinung wahrgenommen. Geht's jetzt besser? Aber bitte nicht mehr posten. Vorurteile sind einfach nur - fad. Und fad mag keiner.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten nomane
30.03.2009 20:41
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Re: Re: Re: Re: Re: Rache, kalt genossen....

Wenn die Wahrheit für manche fas ist, juckt es mich kaum...

Hafner
30.03.2009 08:12
0 0

Jetzt haben die Ungarn ...

... die Russen drin.
Hoffe, das ist ihnen lieber.

Antworten Paige
30.03.2009 08:19
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Re:

Ja, das war gemein...

Paco
30.03.2009 08:08
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Was heißt "wurde ein guter Preis erzielt"?

Das was unterm Strich steht wäre interessant!


Antworten LUPO
30.03.2009 10:40
0 0

Re: Was heißt

Ja, das würde mich auch interessieren.

Nachdem die Mol Aktie lang so um die 80Euro (ab2005) war, dürfte wohl ein Minus davor stehen und wir werden dafür an der Tanke zur Kasse gebeten.

Re: Re: Was heißt/LUPO

Mensch, was'n det für'n Jequassel! An der "Tanke"! Einfach Scheutsch, wa?