Spatenstich für die „Energiesupermacht“ Albanien

26.05.2009 | 18:05 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Wo der albanische Ministerpräsident Sali Berisha dieser Tage auftaucht, da ist kurioser Wahlkampf. Und Österreichs Unternehmen sind manchmal mittendrin – so wie der Verbund, der in Ashta ein Wasserkraftwerk baut.

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Tirana. Coca-Cola und Sekt sind kalt gestellt, EU-Flaggen verteilt, die Schotterstraßen mit Wasser vom Staub befreit. Aus zwei Meter hohen Boxen tönt ohrenbetäubender Balkanpop. Die albanische Gemeinde Bushat nahe der mazedonischen Grenze ist gut vorbereitet für den Spatenstich zum Verbund-Wasserkraftwerk in Ashta– dem ersten seit Jahrzehnten, das von ausländischen Investoren in dem mit Strom chronisch unterversorgten Balkanland errichtet wird. Zu Hunderten sind junge und alte Albaner in Bussen aus der Hauptstadt Tirana hierher an den Fluss Drin gepilgert.

Vom Kraftwerk, das hier 2012 stehen soll, ist außer zwei einsamen Baggern zwar nichts zu sehen. Aber gekommen sind sie ohnedies wegen ihm: Sali Berisha, der 64-jährige Ministerpräsident, der bei den Wahlen am 28. Juni sein Amt verteidigt. Da kommt die Verkündung eines 160-Millionen-Euro-Projekts gerade recht.

Kaum fährt der grau melierte Langzeitpolitiker vor, verwandeln seine Anhänger die künftige Baustelle in ein Fußballstadion. „Berisha, Berisha“, skandieren hunderte Kehlen. Berisha weiß, was er seinem Publikum schuldig ist. „Arbeitsplätze, hunderte Arbeitsplätze“, verspricht er den Menschen in einem Land, in dem inoffiziell jeder Dritte nach Arbeit sucht. Damit nicht genug, das 48-KW-Kraftwerk, das etwa ein Viertel der Leistung des Kraftwerks Freudenau bringen soll, sei ein erster Schritt Albaniens zur „Energiesupermacht am Balkan“. Fahnen werden geschwungen, Spaten gestochen, dann ist Berisha wieder weg– und mit ihm der ganze Trubel.

 

Strom ist chronisch knapp

Für ihn sei es interessant zu sehen, „dass eine laute Menge nicht immer gegen Kraftwerksbauten protestiert“, sagt Verbund-Vorstand Christian Kern. Auch das Bemühen der albanischen Regierung, etwas gegen den herrschenden Energienotstand zu tun, nimmt er ernst. Umso besorgter blicken die Investoren auf den 28. Juni.

Vor allem nach den jüngsten Erlebnissen der heimischen EVN, Verbund-Partner bei Ashta, in Mazedonien. Dort hatte sich die Politik in Vorwahlzeiten plötzlich gegen den ausländischen Konzern gestellt und der EVN den Lizenzentzug angedroht. „In kleinen Ländern ist es immer gefährlich, weil ein Wahlsieg alles ändern kann“, warnt auch Willibald Plesser, Anwalt bei Freshfields Bruckhaus Deringer, der den Verbund bei dem Deal beraten hat.

Im Vergleich zu Mazedonien sieht Kern in Albanien wenig Anlass zur Sorge: „Die Regierung hat ein Umfeld geschaffen, in dem sich Investoren zu Hause fühlen“, lobt er. In nur sechs Monaten seien alle Genehmigungen auf dem Tisch gelegen. Schließlich kann das Land jedes zusätzliche Kraftwerk dringend brauchen.

Die Stromversorgung der 3,5 Millionen Albaner liegt hier seit Jahrzehnten im Argen. Das letzte große Blackout ist zwar schon zwei Jahre her, Strom bleibt aber ein knappes Gut. Selbst in Tirana gehen Straßenlaternen erst spät in der Nacht an. Knapp neunzig Prozent der eigenen Stromerzeugung basiert auf Wasserkraft.

Dumm nur, wenn es wenig regnet – wie im Vorjahr, als 40 Prozent des Stroms importiert werden mussten. Die Nachfrage wird nicht geringer. Denn mit jedem Prozent Wirtschaftswachstum, schätzt Kern, steigt der Stromverbrauch um 1,3 bis 1,5 Prozentpunkte.

In Europa ist Albanien das einzige Land, dem auch für heuer ein (geringes) Wirtschaftswachstum bescheinigt wird. Für die albanische Durchschnittsfamilie macht die Stromrechnung einen Großteil der Ausgaben aus. Rund 80 Euro kostet Strom für sie im Monat, bei einem Durchschnittseinkommen von 150 bis 450 Euro.

 

Verbund stoppt Balkanpläne

Stromdiebstahl ist ein gängiges Problem. Allerdings nicht für den Verbund. Denn in den ersten 15 Jahren des Konzessionsvertrags für Ashta hat der Verbund einen garantierten Strompreis vom einzigen Abnehmer, dem staatlichen Energieversorger KESH. Nach sechs Jahren Betrieb sollte die Investition rückverdient sein. Nach 35 Jahren geht das Kraftwerk an die Republik Albanien über. Vom ursprünglichen Plan, bis 2015 in Südosteuropa 2,3 Mrd. Euro zu investieren, rückt der Verbund ab. Nur einzelne Projekte werden geprüft, etwa Windparks in Rumänien und Bulgarien.

Auch in Albanien stehen noch Kraftwerksbauten an. Von 104 Projekten, die das Ministerium ausgearbeitet hat, gelten nur drei als interessant. Zwei davon haben sich österreichische Unternehmen geschnappt. Der Verbund baut Ashta, die EVN errichtet am Devoli-Fluss gemeinsam mit der norwegischen Statkraft drei Speicherkraftwerke um 950 Mio. Euro.

Statkraft wird wohl beim dritten Projekt, Sekavica im Norden, zum Zug kommen. Auch der Verbund zeigte sich interessiert. Doch anders als bei Ashta stehen hier Umsiedlungen an. Vielleicht wäre es kein Schaden für den Verbund, hier leer auszugehen. Denn wer weiß, ob sich Christian Kern sonst wieder freuen würde, wenn er in Albanien einer lauten Menge gegenübersteht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2009)

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13 Kommentare
Gast: ET
16.06.2009 11:39
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Verlogene Politiker!

Hr. BM Mitterlehner hat erst kürzlich verlautbart, dass die Energiewirtschaft um >13 Mrd. Euro investieren wird, um die Konjunktur in Österreich zu beleben.

Nur wenige Wochen später müssen wir lernen, dass der Verbund in Bayern Miiliarden investiert, dann auch noch in Albanien. Auch die EVN ist in Albanien dabei. Die notwendigen Gelder für diese Investitionen kommen vvon defacto Monopolen der Unternehmen in Österreich. Am Ende also vom Ö Konsumenten.

Diese Politik der Staatsunternehmen ist falsch!

Die Darstellungen der Politiker stellen sich immer öfter als verdreht heraus oder auch als verlogen.

Diese Regierungen, mitsamt den Günstlingen, ist so zum Scheitern verurteilt.

Gast: Der Techniker
27.05.2009 10:07
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47 KW gibts nicht

Ich bin zwar nur ein Softwaretechniker aber 47 KW?? Beispiel: Ein Staubsauber hat 2000 Watt also 2 KW. Mit dem Kraftwerk kann man also wenns gut geht 23 Staubsauger betreiben. Da dürfte Die Presse gut recherchiert haben...

Antworten Gast: 123
28.05.2009 16:47
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Re: 47 KW gibts nicht

Ich denke auch dass hier 47 MW stehen sollte...

Gast: Albaner
27.05.2009 08:38
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Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

Es stimmt das Berisha diese Projekte auch für seine politishe Ziele benutzt aber das ist nichts neues. Wichtig ist, dass die Projekte realität werden und das pasiert gerade.

Die Italienische ENEL hat noch größere Projekte in Vizir. In Vlora (Südalbanien) haben die Italiener bereit Millionen investitionen betätigt in bereich Energie und es kommt noch viel mehr.

Ich als Albaner bin auch sehr Froh, dass die Österreicher in Albanien investieren denn die Österreicher gelten in Albanien als Kompetent, Verläslich und Ehrlich, also habt ihr die besten Karten und ein leichtes Spiel in Albanien. Profitieren werden natürlich beide seiten und das ist gut so.

Beste Grüße an alle
ein Albaner aus Tirana

Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

ich denk da kommentiert hr. auer seinen eigenen artikel.... das trau ich dem berisha schon zu.... warum steht das dann aber nicht im text... ich denke der artikel trägt nicht unbedingt dazu bei den guten ruf österreichs in albanien zu bewahren.... schöne tage :-) ..... und hoffen wir alle auf -100% der fpö bei den europawahlen... damit europa sozialer und nicht faschistischer wird.... schöne Tage :-) an alle .... ein österreicher aus tirana

Antworten Antworten Gast: Albaner
27.05.2009 13:14
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Re: Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

Es gibt nichts leichteres als andere zu kritisiren.

Ich bin nicht Herr Auer sondern aus Tirana "Lagjia 4 afer ministrise se dretesise,aty ku ka qene hotel Arberia me par".

Pershendetje

Re: Re: Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

entschuldige mich hiermit beim herrn auer... das war eine fehleinschätzung von mir.... wir sind wohl unterschiedlicher meinung.... jemi komshinj banoj ne ndertesen e ish ambulances nr.4.... bei einem cafe können wir unsere unterhaltung gerne fortsetzen, wann hast du zeit...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Albaner
27.05.2009 15:01
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Re: Re: Re: Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

@grawien

Ich würde gerne mit dir eine Cafe trinken aber ich glaube nicht, dass das so leicht ist.

Gib mir eine anonyme E- Mailadresse wenn du möchtest.

Mirupafshim

Re: Re: Re: Re: Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

@gast: albaner

meine mail adresse lautet c.raffer@gmx.at

ciao

Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

und was hat das deiner meinung nach mit energiesupermacht zu tun... das mit den stromausfällen zb. stimmt nun nicht mehr.... in tirana ist die stromversorgung sehr stabil....

Antworten Antworten Gast: Albaner
27.05.2009 09:39
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Re: Re: Ich finde diesen Bericht gut weil es die Realität entspricht.

Ich weis, dass die stromversorgung in Tirana stabil ist aber von einen Energiesupermacht zu reden, ist übertrieben aber auch das ist nicht neues denn die Retohrik von unseren Ministerpresidenten ist bekannt für Superlativen.

Diesen Bericht so streng zu Überprüfen so als wäre ein juristischer Text ist auch nicht richtig.

Albanien hat einen gewaltigen Potenzial in Energiebereich und das ist bei den Fachleuten auch bekannt darüber brauchen wir keine Sorgen zu machen. Wichtig ist das unsere Regierugen (egal ob links oder rechts) diese Projekte unterstützen.

Die größte Problematik jetzt ist die Verteilung der Energie, denn das System ist veraltet aber auch das wird bereits in Angriff genommen denn die Ceken und Slowenen haben bereits Investitionen betätigt um das Verteilungsystem zu erneuern. Die Privatisierung dieser Bereich ist derzeit die einzige Lösung und das hat Berisha nich mal so schlecht gemacht.

Besten Gruß,


energiesupermacht

hallo herr Auer, finde den titel schon sehr anmaßend und es auch nicht in ordnung die dinge so von oben herab zu betrachten und vieles negativ zu sehen....... wir waren auch mal arm und das ist nicht all zu lange her... außerdem glaube ich nicht das es in österreich möglich wäre den bau nach 6 monaten genehmigt zu bekommen... sie handeln verantwortungslos und rücken die dinge ins falsche licht... steinzeitsupermacht ist dann genau das kommentar welches sie provozieren... sie sollten für "heute" schreiben und nicht das profil dieser traditionszeitung entwürdigen... ihr vorgesetzter sollte mal ein ernsthaftes wort mit ihnen sprechen... baldige genäßung ihres größenwahns...

Gast: Der oberste Sozialist
26.05.2009 22:53
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Ehrlicher wäre: Steinzeitsupermacht


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