Wien. Die meisten Problemkredite in Osteuropa hat die Hypo Alpe Adria Group. Zu diesem Ergebnis kommt die am Dienstag veröffentlichte CEE-Bankenstudie, die jährlich von der Raiffeisen Zentralbank herausgegeben wird. Die Experten haben die Geschäftsberichte aller großen in Osteuropa tätigen Banken verglichen. Demnach lag bei der Hypo Group der Anteil der sogenannten „Non-performing loans“ im Vergleich zum gesamten Osteuropa-Kreditvolumen bei 7,8 Prozent. Dabei handelt es sich um Kredite, bei denen der Schuldner mit der Erfüllung seiner Pflichten mindestens 90 Tage in Verzug bekommen ist.
Die Swedbank (Schweden) liegt bei notleidenden Krediten mit einem Anteil von 7,3 Prozent auf Platz zwei. Raiffeisen International und Erste Bank kommen mit 4,8 Prozent weg. Besser schneidet die Bank Austria mit 3,3 Prozent ab. Der Vergleich ist bemerkenswert, da die Zahlen aus dem ersten Quartal 2009 stammen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Situation im Zuge des Wirtschaftsabschwungs weiter verschärfen wird.
Österreicher sind Marktführer
Inklusive Bank Austria und Hypo Group haben Österreichs Banken im Osten ein Kreditvolumen von 300 Mrd. Euro ausständig. Die europäische Ratingagentur Fitch prognostiziert, dass die heimische Finanzwirtschaft in der Region bis zu 42 Mrd. Euro an Krediten abschreiben muss. Die Banken bestreiten dies. Sie beziffern das Gesamtrisiko von 15 Mrd. Euro bis 20 Mrd. Euro – allerdings über einen Zeitraum von drei Jahren.
Die CEE-Studie zeigt, dass Österreichs Banken in Osteuropa weiterhin den Ton angeben. Platzhirsch ist die Bank Austria-UniCredit-Gruppe, die in der Region eine Bilanzsumme von 108,7 Mrd. Euro erreicht, gefolgt von Raiffeisen International mit 85,4 Mrd. Euro. Auf Rang drei liegt die Erste Bank mit 79,2 Mrd. Euro. Im Vorjahr verzeichneten die im Osten tätigen Banken bei der Bilanzsumme ein Wachstum von durchschnittlich 25 Prozent.
Heuer dürfte das Geschäftsvolumen schrumpfen, 2010 soll es nach Ansicht der RZB aber wieder ein Plus von zehn Prozent geben.
Raiffeisen erwartet, dass der Finanzwirtschaft eine Konsolidierungsphase bevorsteht. Im Zuge der Krise dürften sich einige Player aus der Region zurückziehen. „In der nächsten Zukunft könnte es eine neue Welle an Bankübernahmen geben“, heißt es in der RZB-Studie. Als Übernahmekandidaten werden unter anderem einige Ost-Töchter der BayernLB beziehungsweise der Hypo Group Alpe Adria genannt.