Riga. Das von der Finanzkrise gebeutelte Lettland muss seine Ambitionen hinsichtlich einer baldigen Einführung des Euro weiter zurückstellen. „Frühestens 2014“ könnten die Bedingungen für die Aufnahme in die Eurozone erfüllt werden, erklärte die Zentralbank in Riga. Die bisher angestrebte Einführung 2012 sei angesichts des enormen Haushaltsdefizits „nicht realistisch“.
Lettlands Volkswirtschaft wird Prognosen zufolge im heurigen Jahr um bis zu zwanzig Prozent schrumpfen. Auch dramatische Budgetkürzungen, durch die die Ausgaben im Schul- und Gesundheitswesen radikal beschnitten und Löhne und Pensionen um bis zu 70 Prozent gesenkt werden, konnten nicht verhindern, dass das Haushaltsdefizit zehn Prozent des Bruttosozialprodukts überschreitet.
Im besten Fall wird das Budgetminus Ende 2012 auf die für die Euro-Einführung vorgeschriebenen maximal drei Prozent gedrosselt werden, meint die Zentralbank. Damit heißt es für das baltische Land weiter warten auf den Euro.
Bis 2008 hat die hohe Inflation den Umstieg auf die Gemeinschaftswährung verhindert. Jetzt steht Lettland noch in diesem Jahr eine Deflation ins Haus. Die große Herausforderung ist heuer das Budgetlimit.
„Gefühl der Unsicherheit“
Die Zentralbank fordert die Regierung auf, dennoch möglichst bald ein festes Datum für die Euro-Einführung festzusetzen, um dem „Gefühl der Unsicherheit“ bei Unternehmern und in der Bevölkerung vorzubeugen.
Noch als Lettland im Dezember mit dem Internationalen Währungsfonds und anderen Geldgebern über ein Rettungspaket verhandelte, war der geplanten Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 2012 vieles untergeordnet worden. Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrowskis hatte den Zeitplan zuletzt bereits auf 2013 ausgedehnt. Jetzt nennt die Zentralbank das Jahr 2014 als den frühestmöglichen Termin.
Eine Abwertung der Landeswährung Lat lehnen Zentralbank und Regierung weiterhin kategorisch ab. Sie würde die Euroträume der Letten auf Jahre hinaus zunichte machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Kreativ Die Welt der Werbung
Jobrochaden Karrieresprung: Die Aufsteiger
Autos Die Marken mit dem geringsten Wertverlust