Wien(p.m./ag.). Der Streit zwischen Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer und der Belegschaft der Softwaretochter SIS könnte zum Konflikt in der Personalvertretung mutieren. Am Montag hatte das Unternehmen 600 der 2400 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet.
Während Siemens-Zentralbetriebsrat und Gewerkschaft am Dienstag gemeinsam mit Ederer verkündeten, es sei „nun Konsens über die weitere Vorgangsweise“ erzielt worden, drohte SIS-Betriebsratschef Ataollah Samadani weiterhin mit Streik. Er wolle noch ein Gespräch mit der Firmenleitung am nächsten Montag abwarten, von dem Kampfmaßnahmen abhängen, sagte Samadani.
Sprecher gegen Betriebsrat
Konzernsprecher Harald Stockbauer sieht das ganz anders: „Es gibt eine Lösung“, sagte er nach dem Gespräch zwischen Ederer, Vorstand Wolfgang Köppl und Zentralbetriebsratschef Fritz Hagl. Stockbauer meinte, für ihn zähle die Einigung mit Hagl und nicht die Drohung von Samadani, der „lediglich einen kleinen Teil der Mitarbeiter“ vertrete. Samadani war beim Gespräch nicht dabei.
Man habe sich darauf geeinigt, „mittels einer Taskforce unter Einbindung externer Experten und der Betriebsratskörperschaft“ alle Ansätze und Lösungsvarianten zu erarbeiten, „um Arbeitslosigkeit möglichst zu vermeiden“, hieß es in einer gemeinsamen Aussendung der Firmenleitung und des Zentralbetriebsrats. Das Expertenteam soll unter anderem Management-Buy-outs oder andere Teilausgliederungen und -verkäufe, die Weitervermittlung an IT-Unternehmen sowie „arbeitsmarktpolitische Innovationen“ erwägen. Ederer, Köppl und Hagl hoffen: „Hier soll die Expertise von außen vielleicht manch bestehende mentale Blockade lösen.“ Parallel dazu sollen Gespräche über einen Sozialplan fortgesetzt werden.
Der Konflikt bei der Siemens-Softwaretochter PSE – inzwischen durch Umstrukturierung zu SIS SDE geworden – hatte 2006 begonnen, als 200 Mitarbeiter in eine zu verkaufende Tochter ausgelagert werden sollten. Nach einem Warnstreik und einer Gesamtbetriebsversammlung wurde der Schritt ausgesetzt. Bis heuer herrschte Waffenstillstand – bis neue Gerüchte über Personalabbau auftauchten.
1500 deutsche Jobs offen
Siemens-Konzernchef Peter Löscher gab am Dienstag bekannt, dass er in Deutschland 1500 Jobs nicht besetzen kann. Rund 700 Stellen davon entfielen auf die Region Erlangen-Nürnberg.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)

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