Wien. Die Pressekonferenz der russischen Straßenbaubehörde Rosavtodor in Moskau sorgte für großes Aufsehen. Etliche Journalisten waren gekommen, drei TV-Kamerateams waren dort. Immerhin gab es Bahnbrechendes zu vermelden: Das erste, 18,5 Kilometer lange Teilstück der geplanten Autobahn M1 von Moskau nach Minsk soll Mitte nächsten Jahres gebaut werden. Streckenweise sechs Spuren soll die neue Autobahn haben, nicht schlecht. Jedenfalls sollen dank der neuen Trasse die Verkehrsleistung zwischen Moskau und Minsk verdoppelt und das akute Stauproblem gelöst werden.
Vor allem aber: Es handelt sich um das erste „Public-Private-Partnership“-Projekt Russlands. Ein Modell, in dem Private öffentliche Infrastruktur betreiben. Und es wird mit tatkräftiger Unterstützung von österreichischer Seite durchgeführt.
Seit 2007 um Auftrag gekämpft
Der österreichische Baukonzern Alpine ist bei dem PPP-Projekt mit im Boot. Seit November 2007 hatten die Österreicher – damals noch unter der Führung von Dietmar Aluta-Oltyan – um den Zuschlag für den M1-Bau gekämpft. Jetzt konnte Alpine-Geschäftsführer Christian Trattner die Sache endgültig finalisieren.
Die Österreicher sind die einzigen Nicht-Russen im Baukonsortium „Main Road“: Die Alpine hält 14,5 Prozent der Anteile, 10,01 Prozent entfallen auf den russischen Konzern Stroygazconsulting, knapp ein Prozent hält die Gazprombank. Führend in dem Konsortium, mit knapp 75 Prozent, ist die russische Asset-Management-Gesellschaft „Leader“.
Laut „Leader“ läuft der nun unterzeichnete Konzessionsvertrag für 30 Jahre. Demnach wird das Konsortium die Autobahnteilstrecke innerhalb von zwei Jahren finanzieren und errichten, später betreiben und bemauten.
Derzeit sind die Kosten für die M1-Teilstrecke mit 21,7 Mrd. Rubel (rund 550 Mio. Euro) veranschlagt. Davon wird ein Viertel bis ein Drittel durch staatliche Zuschüsse finanziert, der überwiegende Teil soll aber durch die Mauteinnahmen hereinkommen. Der genaue Finanzierungsschlüssel soll in den nächsten Monaten noch ausverhandelt werden.
Herausforderung Finanzierung
Die Finanzierungsfrage bezeichnete Trattner im Gespräch mit der „Presse“ denn auch als „große Herausforderung“. PPP-Modelle seien in Russland noch völliges Neuland. Es müssten dort erstmals entsprechende Strukturen geschaffen werden – und die Finanzierung des Projekts sei angesichts der derzeitigen Situation auf den Finanzmärkten alles andere als einfach.
Mit PPP-Projekten hat Trattner jedenfalls Erfahrung. Gut fünf Jahre lang war er Vorstand der staatlichen österreichischen Straßenbaugesellschaft Asfinag – ehe sein Vertrag im Jahre 2007 auf Betreiben des damaligen Infrastrukturministers Werner Faymann (SPÖ) vorzeitig aufgelöst wurde. Die Asfinag errichtet seit einigen Jahren Strecken in der Ostregion Österreichs im Rahmen von PPP-Modellen. Dies wurde aus den Einnahmen aus der Lkw-Maut möglich.
■Die Autobahn M1 von Moskau nach Minsk soll erstmals für das Land im Rahmen einer Public-Private-Partnership (PPP) gebaut werden. Der Konzessionsvertrag wurde nun unterzeichnet, mit im Boot ist die österreichische Alpine.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Chrysler, Dodge, Jeep Das Sterben der US-Kultmodelle
Buwog-Affäre Das Who is Who der Akteure
Kreativ Die Welt der Werbung











