Bratislava. Keine andere Fluglinie hat dem Flughafen Bratislava so einen Aufschwung beschert. Im Vorjahr lieferte SkyEurope 48Prozent des Passagieraufkommens von 2,2 Millionen. Jetzt ist die Billigfluglinie in Konkurs: ein schwerer Schlag für den 55 Kilometer von Wien entfernten Flughafen der slowakischen Hauptstadt. „Der Zusammenbruch wird unsere Planung für die Betriebsleistung für 2009 gefährden“, sagt Flughafen-Sprecherin Zuzana Hornanova, ohne Zahlen zu nennen.
Obwohl SkyEurope zuletzt Wien und Prag als Abflugbasis gegenüber Bratislava den Vorzug gab (von zehn Flugzeugen waren in diesem Sommer zwei aus Bratislava gestartet, je vier aus Wien und Prag), hielten die Slowaken der Airline die Treue. Es war hauptsächlich SkyEurope, die den Provinzflughafen aus dem Dornröschenschlaf geweckt und traumhafte Wachstumszahlen ermöglicht hat. Bis 2007 sind die Passagierzahlen in Bratislava vor allem dank SkyEurope jährlich um 20 bis 30 Prozent gestiegen.
„SkyEurope hat ab 2001 einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung der zivilen Luftfahrt auf dem Flughafen Bratislava und in der gesamten slowakischen Republik geliefert“, hieß es noch vor zwei Wochen in einer Aussendung des Airport Bratislava. Außerdem zahle die Firma pünktlich die fälligen Gebühren. Deshalb werde man weiterhin gerne mit SkyEurope zusammenarbeiten, solange das Unternehmen daran interessiert sei. Fast schüchtern fügte Airport-Sprecherin Dana Madunicka hinzu, dass man wie auch andere Gläubiger die offenen Altforderungen im Insolvenzverfahren angemeldet habe. Über die Höhe schweigt sich der Flughafen aus.
Als Mitte August der Wiener Flughafen die Schulden von SkyEurope nicht mehr akzeptierte und einen Abfertigungsstopp verhängte, glaubte man in Bratislava sogar neuerlich Grund zum Jubel zu haben. Die Verlegung der Flüge nach Bratislava hatte nämlich das Passagieraufkommen schlagartig um bis zu 40 Prozent in die Höhe schnellen lassen. Das war Balsam für den selbst unter Finanznot leidenden Flughafen, der sich vom Staat als Haupteigentümer unterstützen lassen muss, um seine längst unzureichende Infrastruktur ausbauen zu können.
Spärliche Informationen
Dafür ließ man sich in Bratislava auch gefallen, dass die Fluglinie mit wichtigen Informationen stets spärlich umging. Auch den Konkurs erfuhren die Kunden in der Slowakei erst aus zweiter Hand – aus österreichischen Quellen. Erst später stellte SkyEurope eine Verlautbarung über die Einstellung des Flugbetriebs ins Internet. Viele Passagiere reagierten am Dienstag wütend: „Am Flughafen Bratislava ist nicht einmal ein Firmenvertreter anwesend, der sich um ratlos wartende Kunden kümmert“, schimpften sie. Allerdings ist am 1.September in der Slowakei ein hoher Staatsfeiertag.
Schon die Airline-Gründer Christian Mandl und Alain Skowronek hatten mehr die österreichische als die bereitwillig nach Wien pendelnde slowakische Klientel im Auge. Bratislava war für sie jedoch wegen der viel niedrigeren Gebühren interessant. Außerdem mauserte sich die Slowakei dann auch zum Niedrigsteuerparadies.
Die irische Ryanair hat in Bratislava zuletzt größere Bedeutung gewonnen, sie dürfte aber den Verlust von SkyEurope nicht so schnell wettmachen können. Schon 2007 war der einstige Platzhirsch Slovak Airlines in den Konkurs geschlittert. Der zweite slowakische Anbieter, Air Slovakia, und die tschechische Fluglinie CSA sowie die Lufthansa haben bisher nur geringe Marktanteile.
Jetzt frohlocken neben Ryanair und CSA vor allem neue kleinere Airlines. Nicht alle machen dem Flughafen Bratislava Freude. WizzAir etwa will Kunden von SkyEurope auf die Heimbasis Budapest umleiten. Die CSA ist mehr an Prag interessiert. Trotz Ryanair wird Bratislava lange nicht mehr davon träumen können, „zu einer ernsthaften Konkurrenz für Wien heranwachsen zu können“. Mit dieser Fantasie hatten slowakische Regierungspolitiker 2006 ihre Entscheidung gerechtfertigt, „ihren“ Flughafen nicht vom Wiener Flughafen kaufen zu lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2009)
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