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Ungarn: Aus für Glühbirne kostet Jobs

09.11.2009 | 18:54 |   (Die Presse)

Seit die EU verfügt hat, die Ära der Glühlampen zu beenden, schließt der weltgrößte Industriekonzern General Electric (GE) in Ungarn ein Werk nach dem anderen und baut 2700 Mitarbeiter ab. Die Wut darüber ist groß.

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BUDAPEST/WIEN(p.m.). Arthur Schnitzlers Vater Johann wurde in Nagykanizsa geboren. Dort kam auch der im Vorjahr verstorbene Historiker und Publizist François Fejtö zur Welt, ein überzeugter Europäer. Jetzt sind viele der rund 50.000 Einwohner der südwestungarischen Stadt nahe der Grenze zu Kroatien böse auf die Europäische Union: Sie sei schuld am sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Seit nämlich die EU verfügt hat, die Ära der Glühlampen zu beenden, schließt der weltgrößte Industriekonzern General Electric (GE) in Ungarn ein Werk nach dem anderen. Diesmal ist jenes in Nagykanizsa dran, die größte Fabrik des einstigen ungarischen Nationalstolzes Tungsram. Dieser wurde 1989 zu 51 Prozent von GE übernommen, als erster Industriekonzern des damals noch nicht zerfallenen Ostblocks.

Tungsram war 1883 als Filiale der Wiener Telefon- und Fernschreibfabrik Egger gegründet worden. Berühmt wurde die Niederlassung, weil sie 1903 die weltweit erste Lampe mit Wolfram-Glühfaden produzierte. Diese Technologie wurde bis zuletzt genutzt, daneben stellte Tungsram auch Leuchtstoffröhren, Kathodenstrahlröhren für TV-Geräte und Autohalogenlampen her.

Jetzt, da die Glühlampe zum Aussterben verurteilt ist, baut GE in Ungarn 2698Mitarbeiter ab. Einschließlich den Folgen für Zulieferer dürften 6000 bis 7000 Leute arbeitslos werden. Der größte Aderlass betrifft Nagykanizsa. Von den gegenwärtig noch 2500 Mitarbeitern des GE-Werkes sollen in den kommenden zwei Jahren 1419 verabschiedet werden, schrieb die Tageszeitung „Népszabadság“. Nur noch die Autolampen werden weiter produziert.

 

GE erhielt Staatshilfe

Angesichts der gedrechselten Formulierungen des Wirtschaftsministeriums packt manche GE-Mitarbeiter die kalte Wut. In Europa belasse GE nur in Ungarn „Aktivitäten zur Erzeugung von Lampenkörpern“, was „nach der völligen Umstrukturierung des Industriezweiges“ die Beschäftigung von nahezu 5000Arbeitnehmern sichern würde, hieß es.

Das Problem: „Nahezu 5000“ sind weniger als die Hälfte der heute 11.000GE-Beschäftigten. Immerhin: Das Ressort verspricht alles zu unternehmen, um einen möglichst großen Teil des Personalabbaus durch Schaffung neuer Arbeitsplätze zu kompensieren.

Ein anderer „Skandal“ hat sich hingegen als Sturm im Wasserglas erwiesen. In einem kommerziellen TV-Sender hieß es, GE habe erst vor Kurzem unter dem Titel Arbeitsplatzsicherung eine staatliche Zahlung von 650 Millionen Forint bekommen.

GE Hungary dementierte: Erstens sei es dabei um die Stützung von Kurzarbeit für die Monate April bis Juni gegangen. Zweitens hätten die betroffenen Arbeiter das Geld bekommen, und drittens habe es sich nur um 198 Mio. Forint gehandelt, da die Viertagewoche vorzeitig beendet worden sei.

 

Arbeitslosenrate steigt stark

Noch seien die Millionen nicht verloren, versuchte der ungarische Regierungssprecher Domokos Szollár zu beruhigen: Das Kabinett verhandle mit GE, ob der Konzern eine andere Aktivität nach Ungarn verlegen könnte, um die Glühlampenproduktion zu ersetzen.

Der Wirbel rund um GE fällt zeitlich mit dem Fallen einer psychologischen Barriere zusammen: Die Arbeitslosenrate stieg im dritten Quartal auf 10,3 Prozent, den höchsten Wert seit 1996. Experten erwarten, dass bis Jahresende bis zu 50.000Menschen den Job verlieren werden und die Arbeitslosenquote damit auf 11,5Prozent heben könnten. Besonders stark von der Krise betroffen ist laut Analysten das westliche und mittlere Transdanubien – genau jene Region, in der Nagykanizsa liegt.

Auf einen Blick

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) kündigt in Ungarn tausende Mitarbeiter. Grund ist das Glühbirnenverbot in der EU. Besonders stark betroffen ist das Tungsram-Werk in Nagykanizsa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2009)

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8 Kommentare
Gast: Eurotiker
10.11.2009 07:05
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Grün graues

Licht haben wir für diese überstürzte Aktion vom Politbüro bekommen.
Im Ausgleich dazu gibt es aber Autos im Normalverkehr mit 300 ps.
Ein "Dank" an das Politbüro.

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Lampen braucht man weiterhin, warum bauens nicht die Neuen?

Tungsram war weltweit die erste Firma mit Wolfram Glühfäden. Bravo! Und warum fällt den Ungarn heute nichts neues ein? Wir wollen ja alle nicht im Finstern sitzen.

Damit gebe ich der EU keine Schuld sondern nur innovationsunlustigen denkfaulen Ungarn. Könnten ja auch auf dem Halbleitersektor die LED von morgen erfinden.

Kommt natürlich auch davon, sich einem US-Konzern anzuvertrauen, man wird zur verlängerten Werkbank und gibts ein Problem, gibts das Werk nicht mehr. Amen

Antworten Gast: Presseleser
10.11.2009 22:54
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Re: Lampen braucht man weiterhin, warum bauens nicht die Neuen?

Ich gebe Ihnen vollkommen recht, seit 125 Jahren werden nun diese Stromfressenden
Lampen erzeugt. Die Ing. in Ungarn haetten genug Zeit gehabt etwas zu verbessern. Ich begruesse die Massnahmen der EU, nur durch radikale
Entscheidungen kann die Europaeische Wirtschaft gezwungen werden sich zu entwickeln. Als naechstes Ziel sollten Benzin Autos verboten werden, auch diese haben sich seit 150 Jahren nicht weiterentwickelt. Bald werden wir kein Oel mehr haben, die Autos werden aber immer noch mit Benzin fahren. Schon beim Kaiser Franz Josef I wurde die Eisenbahn ueber den Semmering abgelehnt, diese Haltung der Oesterr. gegen alles Neue hat sich bis heute erhalten.

Re: Lampen braucht man weiterhin, warum bauens nicht die Neuen?

du übersiehst, daß tungsram zu mehr als der hälfte den amis gehört. und die haben mittlerweile nur mehr die rendite im auge. und die ungarn können minderheitsbedingt gar nichts mehr bestimmen.

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nicht zuende gelesen, steht im letzten Satz!

Umso wichtiger wäre, was ich österreichischen Politikern so ankreide, die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf das Spinoffs wiederum zu neuen innovativen Firmen führen.

Bei uns gehen fast alle Steuereinnahmen nur in total überbordende Verwaltung, Versorgungsposten für Parteifreunderln. Würde man (geht leider nur mittelfristig) Gelder und Personen ( z.B. Steuerberater, die vielen Verwaltungsjuristen, also alles Akademiker) endlich in die Forschung umschichten, dann stünde Österreich als innovativer Staat ganz anders da, hätte mittelfristig auch wesentlich mehr Geldmittel zur Verfügung. Und wenn wir uns nicht bald dazu aufraffen werden wir für die Chinesen barabern.

Aber das kümmert die jetzigen Politker einen Schmarrn, die lassen sich dann an der Algarve die Sonne auf den mit über €100.000 pensionsverwöhnten Bauch scheinen. Politikerpensionen gehören gedeckelt (ASVG) und an das Sozialprodukt und die Staatsverschuldung gekuppelt

Gast: Gast
09.11.2009 23:22
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EU-Idiot.en

Das kommt davon, wenn dumme Politiker (die Parteien entsorgen die Allerdümmsten in die EU) über Sachen entscheiden die sie selber nicht verstehen.

Jetzt bekommen wir dafür mit Quecksilber (und anderen Giften) verseuchte Energiesparlampen aus China.

Eine ganz spezielle Intelligenzbe.stie war die grüne Lunatic. Sie hat doch tatsächlich während der EU-Wahl gemeint, daß das CO2 schlimmer als das Quecksilber sei.

romolaner
09.11.2009 21:37
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Bravo EU

ist schon toll das jetzt die dreckslampen(sparlampen) von China kommen.............

wahrscheinlich subventioniert die Eu das noch...!!

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macht nichts

Hab ich doch eben im Artikel oben gelesen, dass die EU gar nicht weiß, wie sie die vielen Arbeitslosen erhalten will, die sich in Europa so häufen.
Na ja, wenn die Ansager in der Kommission weiterhin lauter arbeitsplatzfeindliche Entscheidungen für Europäer treffen, brauchen sie sich keine Sorgen mehr machen, weil eine französische Revolution vor der Tür steht und ihre Köpfe rollen werden. Freu mich schon...
Ich verstehe das nicht: die EU in Brüssel ist das einzige Gebilde das ich kenne, das permanent gegen seine eigenen Bürger handelt. Das gibt es in der USA und Australien nicht - die tun alles für Amerikaner oder Australier, die EU tut alles gegen normale Europäer. Wie kann es das geben?