Russland macht 39 Männer zu neuen Milliardären

Zahl der russischen Milliardäre ist innerhalb eines Jahres von 62 auf 101 gestiegen. Ganz vorn stehen nach wie vor die Rohstoff- und Selfmade-Magnaten. Aber langsam holt die Internet- und Hightech-Branche auf.

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(c) APN (Thomas Kienzle)

Moskau. Legt man bei der am Freitag publizierten neuen „Forbes“-Liste der reichsten Russen das Augenmerk nicht auf die quantitativen, sondern die qualitativen Veränderungen, muss man sie von hinten lesen. Denn dort macht sich allmählich eine neue Generation von Unternehmern in der Internet- und Hightech-Branche bemerkbar.

Zwar hat kaum jemand von ihnen die Milliardengrenze erreicht. Bisher schaffte nur der 49-jährige Juri Milner mit seiner Mail.ru-Group, die auch an Facebook beteiligt ist, den Sprung auf Platz 99. Milner legte 2010 den erfolgreichsten russischen Börsengang in London hin und machte damit ein Vermögen von einer Mrd. Dollar. Aber immer mehr beginnen sich an den Klub der Top 100 heranzutasten.

„Modification, Version 3.0“ nennt „Forbes“ daher das neue Rating. Noch dominieren andere die russische Wirtschaft: die Rohstoff-Tycoons der ersten Generation etwa, die ihre Vermögen bei den Privatisierungen der 1990er-Jahre gemacht haben, und die zweite Generation, die ihr Unternehmen von null aufgebaut hat und beispielsweise in der Lebensmittelproduktion aktiv ist.

Die neuen Spieler, die nun auf den Plan treten, sind nicht unbedingt jung. Sie ernten aber mittlerweile den Erfolg ihrer Hartnäckigkeit in einer Übergangsökonomie, die erst vor Kurzem die Notwendigkeit von Modernisierung und Innovation zu thematisieren begonnen hat.

 

800 Mio. Dollar für Kaspersky

Der 47-jährige Arkadi Volosch etwa (mit 900 Mio. Dollar Platz 114), der gemeinsam mit seinem 46-jährigen Partner Ilja Segalovitsch (600 Mio. Dollar) 1997 die erfolgreichste russische Internetsuchmaschine Yandex.ru gegründet hat. Der 72-jährige Valentin Gaponzev ist mit seiner börsenotierten IPG Photonics weltweit führender Hersteller von Hochleistungsfaserlasern und verfügt über ein Vermögen von 800 Mio. Dollar. Ebenso viel nennt der 45-jährige Gründer des Antivirenprogramms Kaspersky, Jewgeni Kasperksy, sein eigen.

Gewiss, mit derartigem Know-how in die Topränge einzuziehen ist angesichts der russischen Wirtschaftsstruktur derzeit unmöglich. Die ersten Ränge sind in der Hand der Rohstoffmagnaten, wobei die Metallurgen aufgrund der günstigeren Besteuerung die Ölunternehmer überrunden.

Reichster Russe bleibt das zweite Jahr in Folge der 54-jährige Wladimir Lisin, Chef des Stahlkochers Novolipezk (NLMK). Lisins Vermögen stieg binnen eines Jahres um 52 Prozent auf 24 Mrd. Dollar und hat damit das Vorkrisenniveau überschritten. Auf Platz zwei (18,5 Mrd. Dollar) vorgerückt ist der 45-jährige Alexej Mordaschow, Chef des Stahlkonzerns Severstal und mit 15 Prozent am deutschen Reiseveranstalter TUI beteiligt. Platz drei nimmt der begehrteste Junggeselle Michail Prochorow ein, der über seine Gruppe Oneksim Beteiligungen in der Buntmetallindustrie und auf dem Finanzsektor hält. Als größter Gewinner gilt der 57-jährige Alischer Usmanow, der sein Metall- und Mobilfunkportfolio um Investitionen erweitert und sein Vermögen von 7,2 Mrd. Dollar auf 17,7 Mrd. Dollar (Platz fünf) gesteigert hat.

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Putins reiche Freunde

Auch einige Freunde von Premier Wladimir Putin aus dem Judoklub verzeichneten Höhenflüge, wie etwa der Ölhändler Gennadi Timtschenko (5,5 Mrd. Dollar). Als eine der größten Verliererinnen und dennoch einzige Milliardärin gilt Jelena Baturina, Immobilien-Investorin in Kitzbühel und Frau des Moskauer Ex-Bürgermeisters.

Nach den USA und China steht Russland mit der Anzahl der Milliardäre an weltweit dritter Stelle. Das Gesamtvermögen der 100 reichsten Russen beträgt 432 Milliarden Dollar gegenüber 297 Mrd. Dollar ein Jahr zuvor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2011)

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