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Banken: Aufsicht zieht Kreditbremse im Osten

21.11.2011 | 18:24 |   (Die Presse)

Oesterreichische Nationalbank und Finanzmarktaufsicht verordnen heimischen Banken neue Regeln für Geschäfte in Osteuropa. Sie müssen einen zusätzlichen Kapitalpuffer aufbauen, die Kreditvergabe wird gedrosselt.

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Wien/Auer. Nach Jahren des Goldrauschs der heimischen Banken in Mittelosteuropa ziehen die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Finanzmarktaufsicht FMA die Notbremse. Bis ins Jahr 2016 müssen österreichische Kreditinstitute, die in der Region tätig sind, bis zu drei Prozent zusätzliches Kernkapital als Risikopuffer aufbauen. Ihre zuvor teils exzessive Kreditvergabe will die Aufsicht in Zukunft stark drosseln.

 

Jeder fünfte Kredit aus Österreich

Nur wenige Tage nachdem Prüfer der Ratingagentur Moody's das Engagement der heimischen Finanzbranche im Osten als mögliches Risiko für Österreichs Top-Bonität unter die Lupe genommen haben, zaubert die Nationalbank neue Vorschriften aus dem Hut, mit denen die Situation unter Kontrolle gebracht werden soll.

Derzeit hält die heimische Finanzbranche rund 22 Prozent der Marktanteile in Osteuropa und hat dort rund 198 Mrd. Euro (ohne Bank Austria) an Krediten vergeben – mehr als jedes andere Land. Durch die Wirtschaftskrise können allerdings viele Schuldner ihre Raten nicht mehr begleichen, die Banken bleiben auf „faulen“ Krediten sitzen. Die Erste Bank hat bereits im Oktober 939 Mio. Euro für die Beteiligungen in Ungarn und Rumänien abgeschrieben.

 

Weniger Kredite, mehr Kapital

Die neuen Regeln sollen die Expansionslust der Banken auch in Zukunft dämpfen und sie besser gegen mögliche Spätfolgen wappnen. Konkret müssen die betroffenen Banken (Raiffeisenbank International, Erste Bank und die österreichische UniCredit-Tochter Bank Austria) nun bereits ab 2013 die strengeren Base-III-Regeln einhalten. Ursprünglich hätte die Finanzbranche bis 2018 Zeit gehabt, um die Kernkapitalquote wie gefordert auf sieben Prozent zu schrauben. Ab dem Jahr 2016 wird ein zusätzlicher Risikoaufschlag von zwei bis drei Prozent für das Osteuropageschäft fällig. 2013 können Erste Bank und Raiffeisenbank International das staatliche Partizipationskapital noch als Kernkapital anrechnen, müssen dieses danach allerdings schrittweise durch „echtes Eigenkapital“ ersetzen.

Diese Hürde sollte für die Banken nicht allzu überraschend kommen. Schließlich schreibt die Europäische Bankenaufsicht EBA den westeuropäischen Finanzkonzernen schon ab Mitte 2012 eine Kernkapitalquote von neun Prozent vor, damit diese vor einer Verschärfung der Krise gewappnet seien. Raiffeisen fehlen dafür rund 2,5 Mrd. Euro, gab das Institut kürzlich bekannt. Die Erste Bank muss sich noch 750 Mio. Euro an zusätzlichem Kapital sichern. Die Vorschriften der EBA sollen gelten, bis die Krise für beendet erklärt wird. Für die strengeren Anforderungen an Österreichs Banken in Osteuropa gibt es hingegen kein Ablaufdatum.

 

„Banken-Testament“ wird Pflicht

Zusätzlich zu den Kapitalvorschriften, wollen OeNB und FMA auch das Tempo der Kreditvergabe heimischer Banken in der Region stark drosseln und die lokale Refinanzierung stärken. Für 100 Euro an lokalen Spareinlagen dürfen in Hinkunft nur noch maximal 110 Euro Kredit vergeben werden. Im Moment ist das Verhältnis in manchen Ländern komplett aus dem Ruder gelaufen. Im Schnitt würden die Banken doppelt so viel Kredite vergeben, wie sie Spareinlagen haben, heißt es aus der Nationalbank. Die Bank Austria beziffert ihr Verhältnis mit 127, die Erste Bank mit 111 Prozent.

Den Rückzug der Banken aus dem Osten will Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny mit den neuen Regeln aber nicht einläuten. Vielmehr gehe es darum, das Geschäft der Finanzbranche in der Region langfristig auf sichere Beine zu stellen, sagte er am Montag am Rande einer Tagung in Wien.

Die neuen Vorschriften, die im Dezember vorgestellt werden sollen, sehen auch vor, dass die Banken eine Art „letzten Willen“ verfassen, in dem sie ausarbeiten, wie die Bank im Notfall zerschlagen, einzelne Teile in Konkurs geschickt und andere gerettet werden können. Die betroffenen Banken wollten die neuen Regeln nicht kommentieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2011)

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13 Kommentare
Gast: Mönch
22.11.2011 20:11
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Bankenrettung - die wievielte?

Ich rette, mit meinem Steuern, sehr gerne diese äußerst seriösen und konservativen österreichischen Banken.
Diese Maßnahmen kommen ein paar Jahre zu spät!!! Das ausgeliehene Geld ist leider verkonsumiert.

Aber was sagen unsere Eliten seit 2008?

Der Euro und unsere Sparguthaben sind sicher ................(im Süden und im Osten ausgegeben worden).

Bitte kann ich auch unter dem Rettungsschirm kommen, meine Steuern sind ja auch schon dort.

Aber ich rette ja sehr gerne, aber mit was noch??? Alles ist verkonsumiert, leider nicht durch mich.

Ah Idee, ein paar Steuererhöhung bei den Österreichern und die Party geht ein paar Wochen weiter.


0 0

Zum Fürchten wenn man diese Werbung sieht

Amerikanische Verhältinisse bei der Kreditvergabe einer österreichischen Bank in Ungarn

ANSCHAUEN

www.youtube.com/watch?v=OjXl61uKq8c&feature=player_embedded

CEE-Kredit-Bonanza Adé!

Und manch einer macht sich tatsächlich noch Sorgen um das Tripple-A...

http://www.edelman.at/2011/11/cee-kredit-bonanza-ade.html


Gast: pfandbrief
22.11.2011 10:45
2 0

na dann wird der Staat halt wieder einspringen

wenn die präpotenten Millionenbonibeziehrer und Maulhelden Treichl und Stepic ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Schön langsam bin ich auch der Meinung, daß man diese Zockerbuden verstaatlichen sollte.
Sie sind das lebende Beispiel, daß mehr Privat und weniger Staat auch desaströse Folgen haben kann.

breznkarli
21.11.2011 23:41
1 3

Danke Herr Nowotny!

Meine Firma hat in Osteuropa investiert, und dort auch Arbeitsplätze für Österreicher geschaffen. Finanziert wird die Firma durch österreichische Banken.

Jetzt müssen die den Hahn abdrehen. Wir sperren zu, Österreicher kommen als Arbeitslose zurück, und lokale Firmen und Politiker freuen sich, dass sie zum 0 Tarif unser Know How und die Anlagen bekommen.

Dazu muss man auch sagen, dass meine und andere Firmen bis heute schwarze Zahlen schreiben, aber auf Grund ihrer, und der Vorgaben von Herrn Orban für 2012 kein Budget mehr zusammen bringen, in Österreich Steuern gezahlt haben.

GAME OVER! Danke Herr Nowotny, und gratuliere Orban. Der hatte ein leichtes Spiel mit ihnen.


Antworten Gast: 1. Parteiloser
22.11.2011 11:03
1 0

Re: Danke Herr Nowotny!

Ich kann Ihre Aussagen nicht nachvollziehen. Die Finanzierung von gesunden Unternehmen ist doch überhaupt nicht gefährdet. Im Gegenteil, die Realzinsen sind so niedrig wie noch nie zuvor, so billig gab es Finanzierungen noch nie! Die Finanzierungen zu bekommen ist für gesunde Unternehmen überhaupt kein Problem. Die Banken suchen gerade heute Kreditnehmer, welche über eine gute Bonität Verfügen und bieten bessere Konditionen als jemals zuvor. Das gilt auch für die Ö Banken in den CEE Ländern.

Sollte Ihr Unternehmen in Ungarn sein, dann müssen Sie aber erwarten, dass die Banken die Zusatzkosten durch die Bankenabgaben an Sie als Kunden weiterverrechnen. Das hat aber mit dem Nowotny kaum was tun (was soll der auch schon tun?), das liegt alleine an der ungarischen Gesetzgebung.

Übrigens, schwarze Zahlen in der Bilanz zu zeigen reicht heute eher nicht mehr. Wichtiger wurde es den Banken die notwendigen Sicherheiten zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie ein Eigenkapital von 30% zur Verfügung stellen können und auch die notwendigen Sicherheiten, dann werden Sie Null Probleme mit der Finanzierung haben.

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Re: Re: Danke Herr Nowotny!

Ungarn finanziert sich derzeit bei ca. 7%. Bei Aufschlägen von 3% bis 4% sind wir bei 10% bis 11%.

Auf Grund des Verfall der Immobilienpreise sinken auch die Eigenkapitalquoten.

Die Kommunen sind pleite, und können ziemlich frei Steuern festsetzen, und tun das auch. Ausländische Unternehmen sind ihr Lieblingsziel.

Antworten Gast: Analyst 829
22.11.2011 09:04
4 0

Re: Danke Herr Nowotny!

Nehmen sie sich ein Beispiel an deutschen Konzernen, diese haben das Keinen-Kredit-bekommen-weil-die-Staaten-für-ihre-Defizite-den-EURO-Kreditmarkt-leer-saugen-und-die-EZB-nun-mal-die-Eurozone-zur-Schweiz-Europas-machen-will-was-nicht-möglich-ist-wenn-man-den-Euro-abwertet-Problem gelöst, indem sie sich eben US-Dollarkredite nehmen.

Für US-Dollarkredite braucht man keine Basel II und schon gar keine Basel III Sicherheiten in doppeltem Ausmaß! In den USA gibt es sogar für Staatsanleihen die eine von einem Neger geführte Regierung ausgibt 100 % bar auf die Hand - allerdings nur in der Junkwährung US-Dollar.

Ein weiterer Vorteil von US-Dollarkrediten sind die niedrigeren Zinsen bei niedrigeren Anforderungen an Sicherheiten und das Faktum, dass Europa ohnedies ständig mit US-Dollar überschwemmt wird.

Verschuldet man sich nicht im US-Dollar muss man den Export in die Dollarzone laufend weiter abschreiben. Nimmt man aber billige US-Dollarkredite, dann hat man einen Ausgleichsposten dazu, da die Schulden weniger wert werden, wenn so eine Junkwährung wie der US-Dollar weiter gegenüber dem Euro fallen gelassen wird.

Ganz nebenbei ist es ein schwerer Managementfehler nur mit einer Bank zusammenzuarbeiten. Taktisch klüger sind mindestens 2. Bei 2 Banken lässt man einer 80 % des Geschäftes der anderen 20 % abwickeln und die die 20 % macht, macht dann Angebote um 80 % zu machen und dann wieder umgekehrt.

Ganz nebenbei: Raiffeisen und Erste sind pleite, die können nichts herborgen!

Antworten Gast: radius
22.11.2011 08:28
5 0

Investieren sollte man mit möglichst wenig Fremdgeld, egal ob in Ungarn oder Österreich.

Mit Krediten macht man sich abhängig, Investitionen müssen sich nach 2 bis 4 Jahren amortisieren.
Sie sind offenbar ein zu hohes Risiko eingegangen.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
22.11.2011 10:55
0 0

Re: Investieren sollte man mit möglichst wenig Fremdgeld, egal ob in Ungarn oder Österreich.

Mit Sicherheit müssen sich Investitionen amortisieren. Das bedeutet nichts anderes als dass die Verbindlichkeiten für schon investierte Sachen laufend sinken müssen. Steigerungen des Schuldenstandes müssten dann auch mit Neuinvestitionen Hand in Hand gehen.

Die Amortisationszeiten können niemals auf einen Zeitraum von 2 - 4 Jahren fixiert werden. Das hängt wohl in 1. Linie von der Investition selbst ab. Bei Immobilien wird das wohl unmöglich sein, bei langfristigen Produktionsanlagen auch, bei EDV Ausstattung passt Ihr Zeitraum aber gut. Es ist auch so, dass die Gesetzgeber schnelleren Amortisationen einen Riegel vorsetzen und lange Abschreibungen vorschreiben.

Nicht zu verachten ist auch der Druck durch den Wettbewerb, welcher in vielen Fällen eine Amortisation innerhalb von 2-4 Jahren unmöglich macht.

Sicher ist, dass Kredite abhängig machen und die Schuldenhöhe vieler Unternehmen sehr ungesund ist. Da wird es bei einem längeren Wirtschaftswachstum dann wohl auch zu Insolvenzen kommen, welche aber nur die notwendige Heilung darstellen werden.

Gerne vergessen wird auch die goldene Finanzierungsregel. Die bedeutet nichts anderes, als dass langfristige Investitionen auch langfristig finanziert werden sollen. Dann erübrigt sich die Frage nach Refinanzierungen und "das Risiko" ist nur die Geschäftsentwicklung um die notwendigen Deckungsbeiträge auch erwirtschaften zu können.

freddy
21.11.2011 19:26
2 1

daß man ihnen das erst anschaffen muß

diese A..löcher, wozu die diese hohen Gehälter sich auszahlen, ungeheuerlich

3 0

mit der Fusion von RZB und Raiffeiseninternational


wird die ganze Raiffeisengruppe zur gefährdeten Ostbank.

Haften die Mitglieder/Genossen bei einem Zusammenbruch?

Antworten Gast: Analyst 829
21.11.2011 18:02
1 0

Genossen mit Draht zur Regierung haften natürlich wieder nicht

Genossen haften uneingeschränkt und solidarisch, aber schon bei der Konsumpleite galt das doch nicht. Schon vor der Konsumpleite sagte ich dies mal einem überzeugten Konsumgenossen, doch der war ein Erzroter und hatte im Endeffekt recht, dass Genossen doch nicht haften.

Beim Konsum gab es 1 % Rückvergütung. Banken zahlen 0,x %. Das Beste wären derzeit diebstahlsichere Banknoten, die es zwar gibt, die die EZB aber nicht rausrückt. Diese sind einfach aus 2 Schichten Kletthaftpapier aufgebaut und ergeben nur gemeinsam den Schein. Getrennt aufbewahrt, wird es für einen Dieb aussichtslos über seinen Weg zu Geld zu kommen.

Bargeld greift sofort und wenn nach den in Wahrheit nicht mehr ohne neuerliche hohe staatliche Stütze abwendbaren Zusammenbrüchen von Erste Bank und Raiffeisengruppe, die Schalter dieser Banken und natürlich auch das Internetportal einige Tage geschlossen sind, verliert man ohne hohe Bargeldreserven die perfekt Einstiegschance bei in Wien notierenden Aktien.

Womit sollen die Maroden Banken denn ihre Osttöchter noch stützen? Beide Banken haben massiv solide Kunden im Westen verloren und sind im Osten überschuldet. Treichl sagte ja schon vor Jahren STOLZ (!) - nach einer Forintabwertung - dass die Erste Bank in Ungarn mehr Spareinlagen habe als sie Kredite vergeben hat. Das liegt daran, da die Ungarn in Forint borgten und im Euro sparten und nach der Abwertung des Forint warn die Spareinlagen höher als die Ausleihungen, was kein Rumesblatt für eine Bank ist.