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Komarov: "Das Atomgeschäft ist kein einfaches"

18.12.2011 | 18:29 |  UNSEREM KORRESPONDENTEN EDUARD STEINER (Die Presse)

Der Vizechef des russischen Atommonopolisten Rosatom erzählt im Gespräch mit der "Presse", warum ihn die Abkehr Europas von der Atomkraft wenig beeindruckt und wie er den Weltmarkt erobern will.

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Die Presse:In Europa hat nach Fukushima ein Umdenken eingesetzt. In Russland haben Sie gerade einen neuen Atommeiler gestartet, im September im iranischen Bushehr...

Kirill Komarov: Wir gehen in einen Rhythmus von zwei neuen Meilern pro Jahr über. In Russland bauen wir zehn weitere Meiler und wollen den Anteil der Kernenergie bis 2030 von 16 auf 25Prozent steigern. Inklusive Ausland hat sich das Auftragsportfolio von zwölf Meilern im Jahr 2010 auf 21Meiler erhöht.

 

Was sind die Lehren aus Fukushima?

Die Rechte internationaler Organisationen wie der Atomenergiebehörde (IAEA) bei der Regulierung sind auszubauen. Heute sind die Sicherheitsstandards weitgehend national geregelt.

Warum setzt Russland mit seinem vielen Gas nicht auf diese billigere und relativ saubere Energieform?

Sie fragen ja auch nicht die Arabischen Emirate, warum sie AKW bauen. Russland will weniger Gas und Kohle verbrauchen. Mit der seriellen Produktion verbilligt sich der Atomstrom. Und die Atomtechnologie ist ein riesiger Motor der Ökonomie und Wissenschaft.

Russen bezeichnen die Deutschen mit ihrem Ausstieg aus der Atomenergie gern als Romantiker. Sie auch?

Ich respektiere die deutsche Entscheidung. Als reiches Land kann es den Ausstieg wahrscheinlich verwinden. Aber ich denke nicht, dass es ökonomisch vernünftig ist, denn viele Betriebe wollen so nicht in Deutschland produzieren.

In Westeuropa könnte der Ausstieg aber Schule machen.

Bisher sehen wir das nicht. Deutschland hatte ja vor Fukushima die Atomenergie nicht entwickeln, sondern nur die Laufzeiten verlängern wollen. Bei den Ländern, die diesem Beispiel folgen, war es ähnlich. Derzeit herrscht Aufregung. Aber wenn die Leute zwischen billigem Atomstrom und teuren Alternativen wählen können, ist die Antwort nicht mehr eindeutig. Frankreich und Großbritannien bleiben bei der Atomenergie. Spanien und Osteuropa auch.

Offenbar. Vor zwei Wochen haben Sie in Tschechien ein Joint Venture gegründet. Erhöht das Ihre Chancen auf den Zuschlag zum Ausbau des grenznahen AKW Temelín?

Wahrscheinlich ja. Aber die Kooperation mit der dortigen Industrie passiert nicht mit Blick auf Temelín, wir haben einfach technologisch die gleiche Basis. Baubeginn in Temelín ist frühestens 2017. Bis dahin werden wir viele andere Meiler bauen. Tschechische Betriebe könnten mitarbeiten.

Russische AKW im Herzen Europas? Das macht Anrainer hellhörig.

Wir haben eines der sichersten Modelle, die heute auf dem Markt sind, nämlich die „Generation3+“, die auch Schutz bei einer Extremsituation wie in Japan bietet. Solche AKW bauen wir in Russland und im Ausland.

Nun hat aber Siemens wegen Fukushima die geplante Allianz mit Rosatom abgesagt. Waren Sie enttäuscht?

Technologisch verliert Rosatom nichts, denn es beherrscht selbst die ganze Wertschöpfungskette. Siemens hätte anderes einbringen können: europäische Produktionskultur, gute Vernetzung weltweit, ein anderes Geschäftsgebaren.

Hätte man mit Siemens im Boot nicht an Image gewonnen und die Anrainer im Fall Temelín eher beruhigt?

Eine interessante Frage, die ich Ihnen stellen müsste. Man kann viel über Psychologie reden. Aber ich arbeite lieber mit konkreten Geschäftsparametern. Unser Auftragsportfolio im Ausland belegt den Erfolg.

Experten sagen, Korea und China werden bald zu starken Spielern.

Denke ich eher nicht. Heute können nur Russland, Frankreich und die USA die Generation3+ anbieten. Das Atomgeschäft ist kein einfaches. Fukushima hat zu höheren Sicherheitsanforderungen geführt.

Aber die Ostasiaten bauen billiger.

Warum vergleichen Sie das nur mit den Russen und nicht auch mit der (französischen, Anm.)Areva und der (US-amerikanischen) Westinghouse, die noch teurer sind? Zweitens: Mercedes gilt als Auto, ein Volga aber auch. Und doch sind Welten dazwischen. Aber zugegeben: In China ist heute noch vieles billiger.

Könnte der Preiskampf auf Kosten der Sicherheit gehen?

Natürlich. Sicherheit kostet Geld.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2011)

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8 Kommentare
Gast: Beno
19.12.2011 14:27
1 1

was machen ???

Die Sicherheit kann sicherlich noch erhöht werden mit verschiedenen Maßnahmen. Mehrfache Redundanzen mit verschiedenen Techniken und Fabrikaten. Kompletter Schutz der Elektroanlagen mit mindestens Schutzgrad IP67 und maximaler Ausfallsicherheit durch höchste SIL-Kategorien und besser. Mehrfache autonome Notversorgung aller Hilfsenergien. Die redundanten Anlagen deutlich getrennt voneinander aufstellen. Getrennte Rohr- und Leitungsführung der redundanten Anlagen. Schutz gegen externe Elektromagnetische Felder in allen Frequenzen. Deutlich überhöhte Druckfestigkeit aller Leitungen und Behälter. Umfangreicher mehrfacher Feuerschutz und Explosionsschutz passiv und aktiv. Das Fundament so gestallten das es auf dem Untergrund „schwimmt“ und dadurch Erdstöße „elastisch „ auffängt. Materialien suchen die mehr Hitze vertragen.
Kleinste Wahrscheinlichkeiten von Störungen auch beachten wenn deren Folgen katastrophal sein können. Auch wichtige Nebengebäude vor Flugzeugabsturz, Raketen und Fliegerbomben schützen.
Aber was wird mit dem Abfall?
Gibt es den keine Idee der Wiederverwendung oder der deutlichen Herabsetzung der Halbwertzeiten des Abfalls.
So das waren die schnellen Brain-Storming Ergüsse eines Atom-Leien aber Technikers. Wahrscheinlich sind diese für Fachleute nicht wirklich etwas Neues. Es wird noch eine ganze Menge fehlen. Vieles gilt auch in Chemieanlagen.

Antworten Gast: nix fier unguad
19.12.2011 19:25
1 0

Re: was machen ???

DerAtommüll ist kein Problem.Selbst mit der derzeitigen(und veralteten) Wiederaufarbeitung ist dieLagerung kein Problem.Aber dieAnwender der Atomkraft geben sich nicht zufrieden damit.
Bisher wird nur das Plutonium herausgetrennt und wieder verbrannt.In Zukunft wird dies auch mit allen anderen Transuranen und problematischen Spaltprodukten geschehen.Mehrere Verfahren haben sich in Frankreich im Labor als brauchbar erwiesen. Nächste Jahr wird entschieden welches zur industriellen Reife entwickelt werden soll. Die Russen habe schon mehrere hundert m3 erfolgreich getrennt.
Zur Verbrennung braucht es entweder Schnelle Neutronen Reaktoren oder ein Accelerator Driven Device (ADS). Die Brüter funktionieren obwohl noch Verbesserungsbedarf besteht. Ein ADS wird in Kürze in Belgien gebaut.
Die Radioaktivität des resultierenden Mülles sinkt dann innerhalb von ein paar hundert Jahren unter die des ursprünglich abgebauten Uranerzes. Eine Lagerung dessen sollte keine besonderen Herausforderungen darstellen.
Für die derzeitige Methode der Verglasung des Atommülles gibt es ebenfalls eine viel bessere Alternatieve. Die heisst Synrock und wurde ursprünglich für die Lagerung von Plutonium entwickelt.
Die derzeitigen AKWs sind eine Brückentechnologie bis AKWs der Generation IV entwickelt sind und zur Serienreife gebracht werden.
Die Probleme die die Kernkraftgegner ansprechen haben Gehör und es wird daran gearbeitet die gerechtfertigten Bedenken zu eliminieren. Ein Forschungsstop ist Unsinn.

Antworten Gast: Certha
19.12.2011 15:32
0 2

Atomsotrm ist schon jetzt so teuer

dass er nur mit staatlichen Subventionen vgerkauft werden kann. Setzt man Ihre Ideen um, kann ihn sich keiner mehr leisten ...

Mail sehen ob sich Deutschland

den Ausstieg auch leisten wird können.

Antworten Gast: VVH4230598
19.12.2011 15:33
0 2

Deutschland zahlt pro Jahr 8 Mrd. EUR

Förderungen an die Atomindustrie. Den Wegfall dieser Ausgaben kann sich Deutschland sogar sehr gut leisten.

Kurinsk
18.12.2011 23:31
1 4

Wortwahl

Und welche Märchen hat Komarov sonst noch "erzählt"? Werden in den Medien keine Tatsachen mehr BERICHTET?

J. E.
18.12.2011 22:31
4 0

Billiger Atomstrom

In Bezug auf die "alternativen" Energien wie Windradeln in der Nordsee mit völligem Neubau des Leitungssystems hat er jedenfalls recht.

1 2

Re: Billiger Atomstrom

rechnen wir mal die lagerkosten des Mülls und den Rückbau dazu dann schaun wir mal wie billig der Strom noch ist - dazu kommt das sich kein Kraftwerk versichern lassen muss - weil diese kosten gar nicht mehr zu berechnen sind - das alles müssen Windräder