Bei Pleite Ungarns wackelt Österreichs Spitzenbonität

06.01.2012 | 17:22 |   (Die Presse)

In Ungarn spitzt sich die Lage dramatisch zu. Alle großen Ratingagenturen bewerten die Bonität des Landes mit „Ramschniveau“. Die heimischen Institute haben in Ungarn Kredite von 31,85 Mrd. Euro ausständig.

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Wien/Höll. In Ungarn spitzt sich die Lage dramatisch zu. Am Freitag senkte auch die Agentur Fitch den Daumen. Nun bewerten alle großen Ratingagenturen die Bonität des Landes mit „Ramschniveau“. Premierminister Viktor Orban traf sich mit den Spitzen des Staates im Parlament zu einer Krisensitzung. Auch der Chef der Budapester Nationalbank, Andreas Simon, war gekommen.

Das osteuropäische Land ist dringend auf Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union angewiesen. Doch diese brachen die Verhandlungen ab, weil die Budapester Regierung zu Jahresbeginn ein Gesetz verabschiedete, das die Unabhängigkeit der Notenbank einschränkt. Die Landeswährung Forint stürzte auf ein Rekordtief. Gleichzeitig erreichten die Prämien für Kreditausfallsversicherungen auf Staatsanleihen Höchststände.

Rekordzinsen für Anleihen

Doch Orban bleibt stur: Nach der Krisensitzung erklärte er, die Regierung strebe eine rasche Einigung mit dem IWF und der EU an. Eine Änderung des umstrittenen Notenbank-Gesetzes komme für ihn aber nicht in Frage. Bei einer Auktion am Donnerstag konnte Ungarn nur einen Teil seiner einjährigen Anleihen verkaufen, obwohl der Zinssatz bei knapp zehn Prozent lag.

Griechenland, Irland und Portugal waren schon bei sieben Prozent gezwungen, unter den EU-Rettungsschirm zu schlüpfen. „Die Märkte sind ziemlich nervös. Sie preisen ein, dass Ungarn keine Finanzhilfen bekommen wird“, sagt Michal Dybula, Analyst von BNP Paribas. Seinen Berechnungen zufolge braucht das osteuropäische Land 15 bis 20 Mrd. Euro.

Sorge um Österreichs Banken

Auch Österreich gerät mittlerweile in den Sog der Ungarn-Krise. Die Renditen für kurzfristige Staatsanleihen stiegen am Donnerstag um zehn Prozent. Für zehnjährige Papiere muss Österreich 3,396 Prozent zahlen. Zum Vergleich: Deutsche  Anleihen notierten bei 1,879 Prozent.

Kommenden Dienstag will die Wiener Bundesfinanzierungsagentur rund 1,3 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen. Emittiert werden Anleihen mit einer Laufzeit von vier und zehn Jahren.

Österreichs Banken wie Erste Group, Bank Austria, Raiffeisen Bank International und Volksbanken AG haben in Ungarn Kredite von 41 Mrd. US-Dollar (31,85 Mrd. Euro) ausständig. Auf Platz zwei liegen italienische Finanzkonzerne mit 23,39 Mrd. Dollar, dann folgen deutsche Institute mit 21,39 Mrd. Dollar. Viele Ungarn können schon jetzt die Darlehen nicht mehr bedienen.
Die Berenberg-Bank meint, dass Österreich bei einer Pleite Ungarns die Topbonität verlieren könnte. Bei einer Verschlechterung des Ratings muss der Bund jährlich drei Mrd. Euro mehr an Zinsen zahlen, wie jüngst Außenminister und ÖVP-Chef Michael Spindelegger erklärte.

Spindelegger fordert, dass sich Ungarn im Streit um die Nationalbank an EU-Normen hält. Orban verbittet sich allerdings jede Einmischung von außen. Seinen Angaben zufolge garantiere das neue Gesetz die Unabhängigkeit des Instituts. Der IWF, die EU und die EZB sehen das anders. Denn die neuen Bestimmungen sehen vor, dass die Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht zu einer Behörde zusammengelegt und deren wichtigste Vertreter von der Regierung nominieren werden sollen. So kann sich Orban weitreichende Durchgriffsrechte auf die Notenbank sichern – und damit auf die Zinspolitik und die Währungsreserven. Laut EU-Vertrag müssen alle Mitgliedsländer die Unabhängigkeit der Notenbank gewährleisten. Orban hatte in der Vergangenheit mehrmals den Rücktritt von Bankchef Simor verlangt und dessen Zinspolitik scharf kritisiert.

Notenbank soll Anleihen kaufen

Am Freitag forderte der Regierungschef die Budapester Notenbank auf, jene Mittel zu aktivieren, die auch in den USA und in der EU zur Ankurbelung des Wachstums angewendet werden. Weitere Details verriet er nicht. Doch er dürfte gemeint haben, dass die Währungshüter ungarische Staatsanleihen aufkaufen sollen.

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321 Kommentare
 
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Gast: Wahrheit tut manchmal weh
09.01.2012 15:26
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Orban stört in der EU-Diktatur und wird zum Sündenbock gemacht

Die österreichischen Banken haben kassiert solange es ging und haben sich letztendlich durch ihre Unfähigkeit übernommen.
Jetzt brauchen sie einen Sündenbock.
Und Orban ist einfach böse: ist nicht einmal bei Goldman Sachs gewesen :-)

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vor den wahlen unterstützten raiffeisen und erste die

pro-orban medien mit werbung, während népszava und kleinere pro-demokratie zeitungen noch nie werbung durch öst. banken sahen. (eigentlich werben überhaupt keine konzerne bei den sozdem-nahen medien.)

ginge es nicht um österreich, käme bei mir echt ein wenig schadenfreude auf

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Banken

in einer Orgie, oft sehr dummer Gestalten, der sogenannten Projekt Entwickler, Möchte Gern Geschäftsleute aus Österreich, wurde jedes noch so unsinnige Projekt aufgeblasen und mit Betrugs Zahlen den Banken zur Finanzierung vorgelegt. Jedes Geschäft, wurde von immer von einer kriminellen Orgie der Bestechung begleitet in den ehemaligen Ost-Block Staaten. Natürlich sind praktisch diese Banken pleite, welche fleissig abschreiben, aber soviel Geld kann man nicht abschreiben. Vor allem hat man der Mafia auch noch mit gefälschten Unterlagen, gefälschten Grundstücks Papieren und Baugenehmigungen Milliarden Schrott Immobilien und Einkaufs Zentren finanziert.

Gast: schallab
08.01.2012 13:38
0 1

Tja, man soll nicht an dem Ast sägen, an dem man

zumindest mithängt. Etwas weniger linker Aufruhr gegen eine angeblich Aushebelung der Demokratie in Ungarn, denn vieles, was darüber geschrieben wird, findet sich auch hierzulande, nur dass das nicht offiziell gemacht wird, sondern der Einfluß mit "Freunden", die man in die richtigen Ämter hievt, gesichert wird. Nun aber hat man die Suppe in Ungarn miteingebrockt und wir alle dürfen uns bei unseren linken Schreihälsen bedanken, dass sie es geschafft haben, dass es mit den Ungarn nun auch bei uns bergab gehen wird.

Gast: Böse Wahrheit
08.01.2012 10:44
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BITTE NICHT STÖREN. DIE SPÖ IST BESCHÄFTIGT


Ihren ORF wieder aus den Medien zu bekommen

Viele ORF Beiträge mit Redakteuren zu besprechen. Wäre einfacher, wenn man die selben ZIB Beiträge die ganze Woche durchspielen könnte. So muss Fr. Rudas täglich mit den Redakteuren alles besprechen.

Die morgigen Inserate zu planen. Jeden Tag.

Bei Krone / Heute anzurufen, ob alles passt, Wünsche erfüllt wurden.

Bei Österreich vorbeigeschaut werden, ob es die noch gibt.

Für Parteifreunde in staatsnahen Betrieben Posten zu finden.

Ein neuer Verein unabhängiger Künstler & Prominenter zu gründen, damit die für SPÖ-Ziele demonstrieren und protestieren gehen.

Na ja, und da bleibt für eine Wirtschaftskrise keine Zeit mehr. Leider. Aber das Gute ist:
SO EINE WIRTSCHAFTSKRISE LÄUFT JA VON ALLEINE EH NICHT WEG.

Gast: bravv
08.01.2012 09:53
0 0

fuxi

ehem osten ist kein selbsbedinungladen.

Re: fuxi

Sehr richtig, der ehemalige Osten ist kein Selbstbedienungsladen. Nur die österreichischen Banken waren offensichtlich der Meinung, dass die Ungarn u.s.w. sich glücklich schätzen müssen, wenn die"reichen" Österreicher die Finanzgeschäfte in ihre Hand bringen. Und vermutlich ohne über entsprechende Eigenmittel zu verfügen
und ohne gewissenhafter Prüfung wurden Kredite vergeben, zum Teil in Fremdwährungen, deren Rückzahlung nunmehr in Frage steht.
Was würde die österreichische Bundesregierung sagen, wenn sich in unserem Land ausländische Banken hier niederlassen und auf Teufel komm raus Milliardenkredite ohne entsprechende Sicherheiten in Fremdwährung vergeben?
Die österreischen Banken konnten das nur machen, weil sie wussten, dass der Bund (d.h. der Steuerzahler) sie nicht in eine Insolvenz schicken kann

...das problem ist...

...das risikomanagement in den unternehmen nicht den stellenwert hat, den es benötigt. ich sehe in meinem beruflichen alltag recht häufig, dass gerade die kleinen und mittleren unternehmen in bestimmten bereichen sehr zögerlich agieren, aber dort wo es drauf ankommt, ein risiko als solches nicht oder erst sehr spät erkannt wird.

wenn unternehmertum als lebensphilosophie für sie ein thema ist, dann ist der blog genau das richtige...

http://www.diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com


Gast: Hardliner 1
07.01.2012 23:52
0 0

Einige leben auf Kosten anderer

Vergemeinschaftungen sind generell von Übel. Erst recht, wenn die Staats- odeer Bankenschulden vergemeinschaftet werden. Jeder schiebt die Schuld auf den anderen. Keiner der Übeltäter ist greifbar. Da halte ich es lieber mit einer alten Weisheit von Friedrich Schiller: "Der Stärkste ist am mächtigsten allein!"
Wir brauchen keine EU und keine Eurogruppe, in der einige auf Kosten anderer leben.

Re: Einige leben auf Kosten anderer

Wir heißen weder China noch UK.

Gast: rudi234
07.01.2012 22:50
1 0

gut so

viktor orban weis was er macht - dies ist deutlich zu erkennen- die bankster laufen sturm gegen ungarn !!!

Re: gut so

Ohne Hrn. Orban zu kennen behaupte ich doch, dass (auch) er nur die Hälfte der Realität wahrnimmt.
Harte Politik gegen den Finanzsektor kann man sich nur leisten, wenn man selbst nicht von ihm abhängig ist. Ist Ungarn aber. Genauso wie wir.
Durch permanente Höherverschuldung zur Begleichung der täglichen Kosten.
Also entweder Klappe halten und zahlen so lange es irgendwie geht (Standard-Nichtlösung) oder echte Reformen mit Schuldenabbau (SWE).

Gast: Zockende Häuslbauer
07.01.2012 19:28
2 0

Ich finds bedenklich

wenn in unseren Banken ein fahrlässiges Risikomanagement herrscht.

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Re: Ich finds bedenklich

Was heißt "unsere Banken". Die gehören den Aktionären, das sollte eigentlich deren Problem sein. Das dürfte Österreich nichts angehen.

Schwindelärger fordertt

dass die republik den ösi-banken die 31,85 Mrd. Euro bezahlt wenn die ungarn nix zurückzahlen.

dann ist die fpö bei über 35% und die övp unter 20%, die spö unter 25%

Re: Schwindelärger fordertt

statt "schwindelärger fordert"
sollte im titel stehen:
"SPÖVP sollen nur sagen, dass"


Schwindelärger fordertt

dass die republik den ösi-banken die 31,85 Mrd. Euro bezahlt wenn die ungarn nix zurückzahlen.

dann ist die fpö bei über 35% und die övp unter 20%, die spö unter 25%

Re: Schwindelärger fordertt

statt "schwindelärger fordertt"
sollte im titel stehen:
"SPÖVP sollen nur sagen, dass"

2 0

wozu

haben wir sie studieren lassen und wofür bezahlen wir ihre horrenden Einkünfte? Denn dass letztlich das alles und zukünftige Schäden wir finanzieren müssen ist unstrittig. Wer hat den Bankspekulanten gestattet, das Spareinlagengeschäft zu Gunsten unabgesicherter Auslandskreditvergaben zu verlassen?
Wer hat der Politik eingeräumt, Staatsverschuldungen zum Alltagsgebrauch verkommen zu lassen? Greisler würde man wegen fahrlässiger Krida verurteilen bei solcher Loch auf-Loch zu Manipulation. Schulden werden durch neue vordergründig bezahlt und de facto vermehrt.
Am Debakel verdienen am Ende nur die, welche es losgetreten haben und sich durch Anhäufung von Sachwerten abzusichern verstanden haben.
meint z.

Gast: Österreicher
07.01.2012 17:29
11 1

Haben sie auch schon?

Dosennahrung, Wasser und Munition gehortet?
Wenn man nämlich die ganzen aktuellen Nachrichten so in Summe liest...

Re: Haben sie auch schon?

Eh klar- eine offiziell beschaffte Glock 17 ist im Safe, ein paar Dosen Schmalzfleisch von Inzensdorfer (alte Bundesheerbestände noch nicht abgelaufen ..) und 2 Schachterl Muni für die Glock sind im Hause!

Der Schärdinger

Schön langsam muss man wirklich erkennen, dass das so, einfach nicht weitergehen kann,
GR, I, E, jetzt H, was kommt dann,?
Wir sollten laut unseren obergescheiten Parlamentariern die Bildung erhöhen, wozu?
Dass wir erkennen, wir haben am allermeisten von diesem Wahnsinn gewonnen oder Profit gemacht!?
Auch ich erkenne dass die Erde eine Scheibe ist! Muss ich deshalb die Bildung erhöhen?

Gast: ADVOCATUS DI
07.01.2012 17:23
2 0

SYMPTOMATISCH

1.Zu Zeiten, als der Zinssatz für Giro-Kredite in Österreich mit Zinssätzen von 4 bis 6% Zinsen beaufschlagt wurden, haben die Österr. Banken, wie BA/Uni Credit und RAIKA z.B., die "dummen Ex-Kommunisten", wie Ungarn und Tschechenn, mit 12-15% ausgenommen!!
Die Eigenmittelquoten der West-Banken waren damals wie heute rund um die 5%!
Eigene Risikodeckung daher-AUSGESCHLOSSEN!!
2. Jetzt, wo diese Wahnsinnsblase zu platzen droht, werden Österr. Banken von Trivialmedien, wie Krone, Heute, und Österreich als-"Quasi-Opfer dargestellt!!
Meine Empfehlung: Den Herrn Karl von und mit H.Qualtinger anschauen, und analysieren!!
3. Frage: Waren Österr. Institutionen jemals, zu irgendeiner Zeit für EIGENE HANDLUNGEN AUCH VERANTWORTLICH?!!

Gast: Oesterreicherrrr
07.01.2012 17:15
1 0

haltet den Dieb

Was ist die wichtigste Aufgabe einer Bank! Schuldner zu produzieren, für den Zinseszins in z.B. Oasen. Geschäfte sind nur Mittel zum Zweck um sich auszubreiten und in Regionen festzusetzen, wie dem neuen Europa und dem Bankenplayer Pröll. Ein Schuldner ist eine Person, die wie ferngesteuert vollkommen abhängig ist von den Gläubigern. Es gibt keine größere Macht gegenüber seinen Mitmenschen die man erlangen kann. Man kann es vergleichen mit Feymann, Pröll, Spindelegger gegenüber von Ratingagenturen, die die Musik spielen, oder einen Spieler der sich Geld von der Mafia ausleiht und dort ins Casino geht. Geldgeber sind aber auch keine Wohltäter und alle Gesellschaftskreise wollten das schnelle Geld. Es war ein Zweikampf zwischen Rot und Schwarz. Die Schwarzen haben sich durch Buchhaltungstricks in Oasen das Geld geholt und die Roten wollten reich werden durch dämlichste Aktienkäufe und Spekulationen von Politikerbonzen, was eine zeitlang gut geklappt hat. Jetzt sind die andern schuld, dabei sind Rot/Schwarz ein Teil der Krise und nicht Opfer! Sie haben immer mehr Geld gebraucht, um Ihre Unzulänglichkeiten zu finanzieren.

Antworten Gast: Oesterreicherrrr
07.01.2012 17:42
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Re: haltet den Dieb

das selbe Spiel haben die Banken vor 30 Jahren mit Afrika gemacht. Damals wie Kreisky Österreich hoch verschuldet hat und im Aufschwung dies keine Rolle zu spielen schien (es wurde ja immerhin die Infrastruktur trotz etlicher Skandale die es auch gab, mit aufgebaut, da war er ja ein Engel gegenüber Feymann) waren die braven Österreicher als Schuldner ersteinmal bedient und haben die Ärmel aufgekrempelt. Also war für die Banken nichts mehr zu holen und man hat billigste Kredite nach Afrika gegeben. So wie jetzt wieder in der EU in den Osten und den neuen EU-Bürgern. In Afrika sind die Häuptlinge damit gegangen und haben Kindersoldaten finanziert und in Europa ist durch die schlechte Infrastruktur und mangels Demokratie das Geld versickert und verspekuliert worden. Afrika muss seither die Rohstoffe hergeben, aber was haben wir jetzt an Leistungen gegenüber unseren Gläubigern zu bieten, im rohstoffarmen Europa??? Da hat mal einer gesagt, zuerst müssen die Hausaufgaben gemacht werden und jetzt werden wir die dementsprechende Ernte einfahren.

Solidarität bis zum Tode

Das macht nichts, jemand trägt doch dafür Verantwortung und der wird es auch regeln, wenn private Banken den eigenen Staat an Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Das ist doch nicht erste Mal.

 
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