China: Konsum statt Kommunismus

05.03.2012 | 17:01 |   (Die Presse)

Die Krise in Europa schlägt auch auf die „Werkbank der Welt“ durch. Die chinesische Regierung senkt daher ihr jährliches Wachstumsziel und fordert die Bürger des Landes auf, mehr Waren selbst zu konsumieren.

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Wien/ag./jaz. Das „Geschäftsmodell“ Chinas war in den vergangenen 20 Jahren äußerst erfolgreich. Mittels günstiger Lohnkosten – die auch von einer künstlich weich gehaltenen Währung unterstützt wurden – zog das Land Industrieproduktion aus den USA und Europa ab und wurde zur „Werkbank der Welt“.

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Die westlichen Industrienationen hatten dadurch zwar den Zwang, die verlorenen Jobs durch Arbeitsplätze im Hochtechnologie- und Dienstleistungssektor zu ersetzen, erhielten im Gegenzug jedoch viele Produkte zu günstigeren Preisen, weshalb der Lebensstandard stieg.
Gleichzeitig schafften 600 Millionen Chinesen durch die neu gewonnenen Arbeitsplätze in der Industrie den Aufstieg aus der Armut, wie eine Studie der Weltbank einst zeigte. Alle waren also mehr oder weniger glücklich.

Eurokrise schwächt Exporte

Seit der Krise von 2008/09 gerät das chinesische Modell jedoch zusehends ins Wanken. So kämpft das Land, und vor allem die regionalen Provinzregierungen, wie der Rest der Welt mit steigenden Schulden. Zusätzlich trifft die Eurokrise die chinesische Wirtschaft schwer.
Denn die EU ist für China der wichtigste Exportmarkt. Und das Wachstum im chinesischen Außenhandel werde sich heuer auf zehn Prozent halbieren, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag zum Auftakt des Volkskongresses. Deswegen kürzt die chinesische Regierung auch das jährliche Wachstumsziel vom im Jahr 2005 festgelegten Wert von acht Prozent auf 7,5 Prozent. Im Jahr 2011 lag das chinesische Wirtschaftswachstum mit 9,2 Prozent zwar deutlich über der Acht-Prozent-Marke, weshalb auch das neue Ziel in der Realität übertroffen werden könnte. Dennoch gilt die Rücknahme der Wachstumserwartung als warnendes Signal der chinesischen Führung.

Zudem zeigte sich Wen Jiabao bei seiner Ansprache vor den 3000 Delegierten der kommunistischen Partei ungewohnt selbstkritisch. China stehe vor „großen Schwierigkeiten und Herausforderungen“. Eine Umstrukturierung der Wirtschaft werde „immer dringender, aber auch immer schwieriger“. Denn die bisherige Entwicklung mit rasantem zweistelligen Wachstum sei „unausgewogen und nicht aufrechtzuerhalten“, erklärte er.

Teil dieser Umstrukturierung der Wirtschaft sei auch der Aufbau eines stärkeren Binnenmarktes: Die Chinesen sollen also beispielsweise Handys nicht mehr nur herstellen, sondern auch kaufen. Denn nur durch einen stärkeren heimischen Konsum sei ein stabiles Wachstum langfristig sichergestellt. Nur so werde das Land unabhängiger von der Entwicklung auf den Exportmärkten USA und Europa.

Ein anderes großes Problem Chinas ist der überhitzte Immobilienmarkt – laut vielen Experten hat sich bereits eine gefährliche Blase gebildet. Sollte dieser Blase die Luft nicht langsam ausgehen, sondern sie mit einem lauten Knall platzen, könnte dies die Weltwirtschaft neuerlich in eine Krise stoßen. Diese Gefahr wird auch von Chinas Regierung gesehen. Die Kontrolle des Immobilienmarktes sei zur Zeit in einer „entscheidenden Phase“, sagte Wen Jiabao.

Höhere Einkommen für Bürger

Zu guter Letzt will Chinas Regierung die steigende soziale Kluft in der Bevölkerung verringern. Denn nur in wenigen Ländern ist der Unterschied zwischen der ärmsten und der reichsten Bevölkerungsschicht so groß wie im offiziell kommunistischen China. So sollen die Einkommen der „einfachen Bürger“ stärker vom Wirtschaftswachstum des Landes profitieren, versprach der Ministerpräsident.
Dass China sich ein neues „Geschäftsmodell“ überlegen muss, zeigen auch die Erwartungen internationaler Anleger. So glauben 95 Prozent der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Investoren, dass 2016 das chinesische Wachstum unter fünf Prozent liegen wird.

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12 Kommentare

Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Hoffentlich bleibt in China dann alles stabil.

Antworten Gast: ming
05.03.2012 18:54
0 0

Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

keine Sorge!
China ist die einzige Kultur, die 5000 Jahre überlebte. Alle anderen sind untergegangen.

Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Das Reich der Mitte ist stabil geblieben seit dem 1.Kaiser der Chin,über die Han,Tang,Tschou,Ming,Kublai-Kahn,Mandshu und hat sogar überlebt den roten Mao.

Keine Sorge!

Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Ob der Kommunistenstaat stabil bleibt oder nicht,ist meine 594 zigste Sorge!

Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Einbruch ist auch sehr Spitz formuliert. In der EU jubeln wir schon über 2 oder 3 Prozent Wachstum als würde uns Gott persönlich ein Wunder vermittelt haben. Also 7,5 Prozent ist mit Verlaub mehr als genug. Also keine Panik schieben liebe Leute. Macht euch lieber Gedanken wieviel China bei deren jährlichen Einkaufstouren so in Europa an sich reißt. Obwohl man Ihnen teilweise Dankbar sein muss weil Sie die EU in mancher Hinsicht mitfinanzieren.

Antworten Antworten Gast: Waschmachine69
05.03.2012 11:31
0 0

Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

das mit dem Wachstum von 7,5% mag zwar für uns spektakulär erscheinen aber der totale Anstieg im Verhältnis zu unseren 2% ist auch nicht so stark, rechnet man noch Inflation dazu kann man verstehen warum manche Ökonomen meinen in China braucht man 9% Wachstum damit es vorwärts geht und keine sozialen Unruhen gibt.

Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Und spätestens in 20 Jahren gehört das rohstoffreiche Sibieren wirtschaftlich den Chinesen,denn Russland bricht wirtschaftlich durch die Altersstruktur der Bevölkerung und dem bekannten Wodka-Problem ja eh bald wirtschaftlich zusammen.

Auch eine militärische Aufrüstung wird dem Putin nicht helfen,denn einen wirtschaftlichen 2 Frontenkrieg gegen den Westen und gegen China kann er nicht gewinnen,wie schon die Sowietunion den Kalten Krieg wirtschaftlich gegen den Westen verloren hat.

Also bleibt für Russland zum Überleben

nur die Koalition mit China und damit auch Sibirien an die Chinesen zu verkaufen

oder Sibirien an die Amis zu verkaufen,wie schon einmal Alaska.

Antworten Antworten Antworten Gast: winwin
05.03.2012 12:08
1 0

Re: Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Ja, Russland täte gut daran einige Millionen Chinesen in die menschenleere Gebiete von Sibirien anzusiedeln.

Zum Vorteil der Russen, denn die Chinesen würden wenigstens was Gescheites aus dem Land machen.

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
05.03.2012 11:13
0 0

Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Die Zahlen sehen besser aus als sie sind, glaube ich.
Das meiste Wachstum kommt von den stark steigenden Preisen.

Antworten Gast: Halbwissen
05.03.2012 09:57
1 1

Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Sollten Sie sich nicht mehr Sorgen um die Abnahmemärkte, speziell Österreich, machen ?

Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Ich nicht mehr - ausgewandert.
Sie?

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
05.03.2012 12:13
0 0

Re: Re: Re: Sehr schlecht, wenn die Abnahmemärkte einbrechen.

Ich ( Börsianer ) auch nicht wenn Sie es auf Österreich beziehen !


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