Ausblick: Osteuropa hat die Euro-Krankheit

15.03.2012 | 17:40 |   (Die Presse)

Die Erholung in den „neuen“ EU-Ländern lässt auf sich warten: Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche senkt ihre Wachstumsprognose für die Region erneut. Das größte Problem sei die Eurozone.

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Wien/hie. Die einstige Boomregion Zentral- und Osteuropa kommt aus ihrem Abwärtsstrudel nicht heraus. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) senkt seine Wachstumsprognose für die Region deutlich – und das schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. „Es wird irgendwann zu einer Erholung kommen. Aber das kann sich über eine längere Periode erstrecken“, sagte WIIW-Direktor Michael Landesmann am Donnerstag bei der Präsentation des Berichts.

Im November gingen die Analysten noch davon aus, dass die Wirtschaft der zehn EU-Mitglieder im Osten heuer um 2,4 Prozent zulegen werde. In der Juli-Prognose wurden sogar noch 3,7 Prozent vorhergesagt. Von solchen Zahlen kann heuer keine Rede mehr sein: Die Experten prognostizieren nur noch einen Zuwachs von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit kann sich der Osten seinen traditionellen Vorsprung gegenüber dem Westen noch sichern: Die EU-Volkswirtschaften werden heuer (im Durchschnitt) überhaupt nicht wachsen, so die Zahlen der Kommission.

Das ist aber kein Grund zur Freude. Die jungen Marktwirtschaften im Osten brauchen diesen Vorsprung, um zu den westlichen Volkswirtschaften aufzuschließen. Dieser Aufholprozess gerät nun ins Stocken. „Wir sehen nur drei Länder, in denen es weniger Probleme gibt“, so Landesmann. Die Tschechische Republik, die Slowakei und Polen würden es schaffen, „sich von dem Teufelskreis von niedrigem Wachstum, hoher Zinsbelastung und unhaltbarem Schuldenstand fernzuhalten“. Polen verzeichnete bereits während der Krise 2009 als einziges EU-Land ein Wirtschaftswachstum.

Exportschwach und verschuldet

Diese drei und die baltischen Staaten dürften in den kommenden Jahren ein Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent erreichen, so die Experten. Das ist zwar längst noch nicht das Vorkrisenniveau – aber mehr als in den Nachbarländern: Die übrigen „neuen“ EU-Mitglieder und die Westbalkanländer würden nur halb so stark wachsen. Die Türkei, Russland, die Ukraine und Kasachstan könnten mit Wachstumsraten von bis zu fünf Prozent rechnen.

Die schwächelnden Länder leiden zum einen unter dem Einbruch der Weltwirtschaft. Den „wirklichen Einbruch“ erwarten die Ökonomen aber in der Eurozone. Darüber hinaus sehen sie vor allem zwei Probleme: die Exportschwäche und die hohe Verschuldung des privaten Sektors (Unternehmen und Haushalte). Während Rumänien, Bulgarien und die baltischen Staaten ihre Ausfuhren verbesserten, blieben andere schwache Volkswirtschaften, wie die Westbalkanländer und die südlichen EU-Staaten, damit erfolglos.

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„Problematisch sind jene Länder, die auch in der Krise keine Anzeichen zeigen, sich über den Export zu erholen“, so Landesmann. Dazu zählen neben Ungarn und Slowenien auch die üblichen Verdächtigen an der südlichen Peripherie: Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. Andere, wie zum Beispiel Lettland, Slowenien und Ungarn, ächzen vor allem unter ihren hohen Auslandsschulden. Das schwache Wachstum fordert auch auf dem Arbeitsmarkt seine Opfer: Die Jugend- und Landzeitarbeitslosigkeit ist in den zehn jüngsten EU-Staaten in der Krise stark gestiegen. Und die prognostizierten Wachstumsraten werden nicht reichen, um die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken.

Auch die Finanzlage bleibt angespannt: „Wir sehen in vielen Ländern einen Anstieg von notleidenden Krediten. Die Schuldensituation ist prekär“, so Landesmann. In manchen Ländern, wie Bulgarien oder Ungarn, seien die Zinsen mit etwa zehn Prozent relativ hoch. Viele Banken hätten ihr Geschäft in Zentral- und Osteuropa zurückgefahren. Eine Ausnahme seien die österreichischen Institute: „Sie behalten ihre Position bei.“

Auf einen Blick
Das auf Osteuropa spezialisierte Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) senkt seine Wachstumsprognose für die zehn jüngsten EU-Länder von 2,4 auf 1,5 Prozent für 2012. Das größte Problem sei die Eurozone. Viele Länder litten auch unter der hohen Verschuldung des Privatsektors und ihrer Exportschwäche. Zudem sehen die Experten einen Anstieg der notleidenden Kredite. Die Schuldensituation sei prekär.

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35 Kommentare
 
12
Gast: hauDrauf
17.03.2012 11:06
0

ohhhhhh

na hat die EU aua warten mal ab wenn die Türkei einseitig die Zollunion auflöst ..

ja die mächtige EU mit 27 mächtigen Staaten alle Pleite alles überschuldet ...

Nun Betteln wie Hunde das die Türkei ja nicht aus der Zollunion austritt ...

Schmarotzt an der Türkischen Wirtschaft und meint ihr könnt der Türkei was diktieren ...

Was kann die EU schon bitten einen Übersättigten Markt

Schrumpfende Bevölkerung


Antworten Gast: Be-obachter
17.03.2012 19:24
1

Re: ohhhhhh

Diesen überheblichen Ton haben nur Türken so gut drauf.

Gast: Be-obachter
16.03.2012 18:23
1

Einst und jetzt

Einst hatte Maria Theresia Österreicher in die unwirtlichsten Orte Tschechiens, Rumäniens, Ungarns verbracht, damit die dort mit Fleiss & Ausdauer den darniederliegenden Regionen zum Aufschwung verhelfen. Das hat etliche Generationen lang funktioniert, bis die Autochtonen schliesslich hoffärtig wurden und meinten, die wirtschaftliche Entwicklung sei nun derart stabil, dass man die Deutschösterreicher in den A.... treten könne. Zu Hunderttausenden wurden sie auf den Todesmarsch geschickt.

Nun sollen sie sehen, wie sie allein zurechtkommen. Sogar die Aufnahme in die EU war ein unverdientes Geschenk.

Antworten Gast: Sudetendeutscher
19.03.2012 12:11
0

Hauptschuldiger: Edvard Benes

ER hat den tschechischen Nationalismus erst so richtig angeheizt.

ER hat Stalin die Tschechoslowakei versprochen, um seine Ziele durchzusetzen.

Gast: Strachewähler
16.03.2012 12:14
2

Das wird ein "Riesen-Geschäft"!

Sind Österreichs Banken in einem schlechten Zustand?

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39969/

Gast: Pensador
16.03.2012 10:52
4

Boomen tun die, die auch schon vorher westlich waren.

"Aufschliessen" zu Westeuropa wird nach allen bisherigen Erfahrungen "der Osten" auch in den nächsten 100 Jahren nicht.
Es ist kein Zufall, dass jene Länder, wie Polen, Böhmen und Slowakei, die schon seit Jahrhunderten Teil Mitteleuropas bzw. katholisch und westslawisch geprägt sind, auch jetzt wieder an der Spitze stehen.
Die Geschichte Europas hat nicht erst mit dem EU-Beitritt begonnen.

Gast: Selbsternannter Wirtschaftsexperte
16.03.2012 10:13
3

Was oft untergeht:

Der Ostblock war anno dazumal wirtschaftlich sehr erfolgreich. Große Regionen haben schon einmal Industrien gehabt, die weltweit führend gewesen sind: Stahl, Kohle, Waffen,...

Zerstört worden ist das durch den slawischen Nationalismus. Man hat nach dem Ende der KuK Monarchie Millionen Menschen vertrieben (Sudeten, Deutsche) und die Zerstörung der eigenen Wirtschaft wissend in Kauf genommen.

Spätestens nach dem 2. WK mit dem Kommunismus ist Osteuropa zum Agrarland degradiert worden.

Die Vertreibungen im Osten haben erst das Wirtschaftswunder der BRD und Österreichs ermöglicht.

Re: Was oft untergeht:

"Die Vertreibungen im Osten haben erst das Wirtschaftswunder der BRD und Österreichs ermöglicht."

Das ist kompletter Blödsinn!

Antworten Antworten Gast: Selbsternannter Wirtschaftsexperte
19.03.2012 12:08
0

Sie widersprechen mir?

So flüstern Sie mir bitte, woher die Arbeitskräfte hergekommen sind?

Die Männer sind reihenweise im Krieg gefallen oder zumindest als Kriegsgefangene ausgefallen.

Nur die Frauen alleine werden auch nicht alles geschupft haben.

In der Tat sind zB ca. 13 Mio. Menschen unmittelbar nach Kriegsende nach Deutschland gekommen (=woanders vertrieben worden). Bayern ist innerhalb weniger Jahre vom Agrarland zum Industrieland geworden, die Einwanderer waren durch die Bank Facharbeiter.

Re: Sie widersprechen mir?

Ja natürlich widerspreche ich Ihnen!

Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass nur die Männer in Deutschland und Österreich im Krieg "reihenweise" gefallen sind und in den Ländern aus denen die Vertriebenen kamen, alle Männer und Jugendlichen den Krieg überlebt haben.
1948 war die Währungsreform mit Einführung der D-Mark und erst 1951/52 begann das "deutsche Wirtschaftswunder"!
In keinem einzigen Standardwerk über die Deutsche Geschichte nach 1945 gibt es eine derartige Feststellung, dass der wirtschaftliche Aufschwung durch die Vertriebenen aus dem Osten zustande kam!

Gast: Halbwissen
16.03.2012 09:52
2

Ist halt die Werkbank für Westeuropa !

Nur ist Westeuropa am crashen da die Arbeitsplätze in den Osten verlegt wurden.

Eine klassische Zwickmühle !

PS: Das selbe gilt auch für USA und Rest der Welt.

Und aus diesem Grund steht zuerst die USA auf, dann folgt Westeuropa und zum Schluss Osteuropa.

„Sie behalten ihre Position bei.“

..die österreichischen Institute. Ist es wirtschaftlicher Weitblick, Sachverstand, den andere nicht haben,
Spürnase für besonders margenreiche Nischenmärkte? Oder ausweglose Situation nach masslossem und unkontrolliertem Wachstum um jeden Preis mit unverantwortlichem Risikomanagement??

Re: „Sie behalten ihre Position bei.“

Das wird die Geschichte weisen. Noch tippe ich auf wirtschaftlichen Weitblick.

Gast: jennykl
16.03.2012 09:04
4

war absehbar

zur erinnerung: die ehemaligen eu-erweiterungskommissäre verheugen und rehn setzten alles daran um nur rasch die ehemaligen ostblockländer in die eu hinein zu drücken. beide kommissare sagten damals diese länder sind bestens vorbereitet und wären eine bereicherung für die eu. die wirklichkeit sehen wir jetzt was diese bonzen angerichtet haben. einer der kommissare ist schon in pension mit höchster pensionsabsicherung der andere fuhrwerkt noch in brüssel herum und weiß von nichts. so schaut die wirklichkeit aus. die zeche zahlen wir.

Gast: Heumilch
16.03.2012 08:39
2

Zuviel Kredite schaden dem Wachstum

Grundsätzlich sollten die Kreditgeber immer einen Beitrag leisten, wenn der Kreditnehmer die Schulden nicht zurückzahlen kann.
Auch bei uns erlebt man es immer wieder, dass die Banken finanzschwachen Familien einen Kredit aufschwatzen der sie bis zum äußersten mit Zahlungsverpflichtungen belastet. Der kleinste Einbruch führt dann zur Zahlungsunfähigkeit und die Familien stehen dann vor dem Nichts.
Genauso machen es die Banken mit den neuen Ländern und ruinieren dadurch dort das Wirtschaftswachstum, weil die vor lauter Zinsen kein Geld mehr für reales Wachstum haben.

Gast: Kaspar Hauser
16.03.2012 08:34
3

natürlich wachsen lassen - zu viel Dünger verursacht Umweltschäden ohne Nutzen für das Wachstum

Man kann das Wachstum nicht beschleunigen indem man viele Euros hineinpumpt und glaubt viele Zinsen herausholen zu können.
Die Menschen müssen mitwachsen. Das dauert einfach eine Generation.
Viel sinnvoller wäre es, mit vernünftigen Gesetzen die Korruption (auch im Westen) einzudämmen. Die Wirtschaft wächst dann von alleine - auch ohne Euro-Peitsche.
Die Wirtschaft muss nicht mit 5% und so wachsen. 0,5% sind viel gesünder und unschädlicher.

Wie sagte schon Sitting Bull als er mit dem Bus durch Amerika fuhr: Ich muss jetzt aussteigen und ein Stück zu Fuß gehen, damit auch meine Seele mitkommen kann.

Lasst doch den Menschen in Ost- und Südeuropa Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Hört auf, sie mit Krediten einzumüllen, um sie dann unter Druck zu setzen, damit sie euch die Zinsen zahlen.

Wachstum braucht seine Zeit.

Die deutsche-mittelstands-nachrichten schreiben:

Die Verbindlichkeiten der Österreichischen Nationalbank aus Target 2 sind Ende vergangenen Jahres sprunghaft angestiegen. Von November auf Dezember 2011 sind die Verbindlichkeiten um über 24 Milliarden Euro gestiegen. Seit Juni 2009 lag der negative Saldo Österreichs bei Target 2 konstant um die 30 Milliarden Euro. Im November 2011 überschritt er erstmals die 40 Milliarden Euro Marke. Am Ende des Jahres lagen die Verbindlichkeiten dann bereits auf fast 69 Milliarden Euro.

Das Downgrade Österreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor’s und das Risiko durch die Kreditvolumina in Osteuropa, deren Ausmaß Ende vergangenen Jahres verstärkt ans Licht kamen, haben offenbar das Vertrauen beschädigt und könnten nun für einen weiteren Anstieg des negativen Saldos Österreichs im Target 2 System führen – was ein Hinweis auf den schlechten Zustand der österreichischen Banken sein könnte. Sie sind nun dankbar, dass sie das billige EZB-Geld nehmen können, weil sie sich sonst vermutlich mit teureren Finanzierungen herumschlagen müssten.
----
Urschitz von der Presse schrieb dazu:
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/diebilanz/736302/Eurokrise_Die-Lunte-glimmt-und-keiner-tritt-sie-aus?from=suche.intern.portal

Re: Die deutsche-mittelstands-nachrichten schreiben:

wieviele Experten warnten davor, überhaupt dieser Union beizutreten ?

Nun solte man das beste daraus machen und austreten, denn das würde die Allmacht in Brüssel erheblich schwächen, und das wissen die Leute dort auch sehr wohl- weshalb sie ja auch bereits im 6 Stundentakt versuchen, allerhand Gefahren aufzuzählen, die Vorteile daraus aber weiterhin verschweigen !

Ich war von Beginn an skeptisch und sehe mich in der sichtbaren Entwicklung erneut überzeugt, dagegen gewesen zzu sein.

Gast: smilefile
16.03.2012 07:07
3

Tja,.....



wird wie in Griechenland, nicht als "Pleite" sondern als "Kreditangelegenheit" eingestuft,..

Bravo "Europa",....

Der EU-Virus ruinirt Europa - die dämlichen

Europäer applaudieren dazu.

serbien

serbien steht eh schon in den startlöchern zum beitritt.
die juwelen und kupferkabel haben sie bald monopolisiert.
die holen sicher dann die kohlen aus dem feuer.
wenn die nicht, dann wirtschaftsmacht kosovo und albanien.
also: alle rein in die EU!

Gast: Schuldenunion
15.03.2012 22:21
4

Seit wir ÄhUh haben

geht es nur noch um OIRO.
(Mit möglichst vielen Nullen - davor oder auch dahinter).

Re: Seit wir ÄhUh haben

Mit möglichst vielen Nullen - davor oder auch dahinter
und vor allem hier im PRESSE-Forum, wie beispielsweise SIE !

Gast: Gast Kurt
15.03.2012 22:09
1

wunsche wirts nix erfühlt

Die Türkei, Russland, die Ukraine und Kasachstan könnten mit Wachstumsraten von bis zu fünf Prozent rechnen.
Die arme Ossi warten wie geier und hoffen,des die Tr, Wachstumsraten zurük gehts.. aber nestle jahre halt gel..

Antworten Gast: freund?
16.03.2012 00:43
6

Re: wunsche wirts nix erfühlt



PUTZIG !

wir wollen euch trotzdem nicht .

Antworten Antworten Gast: Gast Kurt
16.03.2012 23:00
0

Re: Re: wunsche wirts nix erfühlt

Das würde ich mir VON ganz herzen wunschen aber invesment daten die Össi Firmen, ganz andre meinung und bettelen an geschäfter!!! komm mal runter du klein lauz..

 
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