Online-Journalisten mit mehr Klicks erhalten Prämie

Beim Schweizer Verlag Tamedia wird ein neues Bezahlmodell für Onliner getestet. Journalisten, die Meldungen besonders leserfreundlich aufbereiten, bekommen einen Bonus.

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Neues Bezahlmodell für Onilne-Journalisten – (c) imago/Michael Weber (imago stock&people)

Ein neues Bezahlmodell der anderen Art ist im Anmarsch. Nicht die Leser zahlen für besondere Artikel im Internet, sondern der Arbeitgeber bezahlt seine Mitarbeiter nach Klicks. Es ist kein Geheimnis, dass Portale im Internet ihren Erfolg daran messen, wie oft ihre Artikel angeklickt werden. Der größte Schweizer Verlag Tamedia testet nun ein neues Modell: Journalisten, die Meldungen besonders leserfreundlich aufbereiten, bekommen einen Bonus, berichtet das Schweizer Fernsehen SRF auf seiner Online-Seite. Das Verlagshaus , das die Websiten «20 Minuten» und «Tages-Anzeiger» betreibt, erwartet sich attraktivere Texte und mehr Leser.

Bei dem Test geht es darum, Agenturmeldungen für die Leser attraktiv aufzubereiten. Wem dies gelingt, bekommt einen Bonus. «Die Mitarbeitenden, welche die besten Texte schreiben, die am meisten Publikum ansprechen, werden zusätzlich zum Lohn eine monatliche Prämie erhalten“, bestätigt Unternehmenssprecher Christoph Zimmer. Ebenso gebe es eine Prämie für das Team, wenn es ihm gelinge, eine Reichweitensteigerung gegenüber dem Vormonat zu erzielen. Was letzten Endes mehr Lesen bedeutet.

Seichte Themen im Vormarsch?

Experten wie Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich, reagieren skeptisch. Er befürchtet, dass vor allem der Anreiz darin besteht, die Titel zuzuspitzen und zu übertreiben. Eisenegger befürchtet, dass Geschichten, die vielleicht gar nicht so wahnsinnig dramatisch sind, effekthascherisch aufbereitet würden. Auch könnten sichte Themen könnten bevorzugt werden.

Patrik Müller, Chefredaktor der «Aargauer Zeitung» und der «Schweiz am Sonntag», findet den Ansatz interessant: «Grundsätzlich ist es richtig, dass man heutzutage experimentiert. Die Leute daran misst, wie gut sie arbeiten. Insofern bin ich gespannt auf die Ergebnisse dieses Versuchs.»
Gespannt sein dürfte auch Tamedia: In ein paar Monaten will der Verlag auswerten, ob tatsächlich neue Leser gewonnen wurden.

>>> Artikel im "SRF"

(red.)

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