Das Rennen um die Wiener Köche

Das AMS will die im Westen fehlenden Fachkräfte noch stärker aus Ostösterreich anlocken. Der Wirtschaftskammer schwebt Kurzarbeit in der Nebensaison vor - zu 25 Prozent soll die der Staat finanzieren.

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Diese junge Köchin, Marion Hoellemann, stammt aus Tirol.
Diese junge Köchin, Marion Hoellemann, stammt aus Tirol. – (c) EPA (Waltraud Grubitzsch)

St. Johann im Pongau. Das Salzburger Pongau hat ein Problem. Zu Ferienspitzenzeiten sind zwanzig Prozent aller Berufstätigen im Tourismus beschäftigt. 1200 Unternehmen - ein Viertel der Betriebe in der Region - lebt direkt von den Urlaubern, indirekt profitieren viel mehr. Aber als das Arbeitsmarktservice Bischofshofen im November nach 580 Fachkräften für Service und Küche suchte, standen dem nur gut 30 arbeitslose Köche und Kellner ohne fixe Einstellungszusagen gegenüber.
Die Norddeutschen, früher stets willkommene Arbeitskräfte, bleiben seit dem neuen Wirtschaftswunder aus. Deutschland hat zurzeit die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 24 Jahren. Die osteuropäischen Mitarbeiter, vor allem aus Ungarn, füllen nur einen Bruchteil der in Spitzenzeiten zu besetzenden 7700 Stellen. Und Köche oder Kellner aus Wien bequemen sich selten ins Pongau. Die fehlenden Verkehrsverbindungen in Gegenden wie das Enns- oder das Großarltal und die mangelnde Kinderbetreuung stellen zusätzliche Barrieren dar. „Wir stoßen an unsere Grenzen, wir haben selbst als AMS vor Ort keine Lösungen mehr“, sagt Thomas Burgstaller, der die Zweigstelle in Bischofshofen leitet.

„Wir müssen uns noch intensiver mit der überregionalen Vermittlung beschäftigen“, konstatiert auch sein Chef, AMS-Leiter Johannes Kopf. Beide waren am Donnerstag auf Einladung der Bundessparte Tourismus der Wirtschaftskammer (WKO) in St. Johann im Pongau, um ihre regionale wie auch nationale Einschätzung des Arbeitsmarkts für den Tourismus zu präsentieren. Viel von dem Gesagten dürfte der Bundesspartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher gefallen haben. „Wir haben einen klaren Kochmangel in Österreich“, stellte sich Kopf auf die Seite der Wirtschaftskammer, die im Dezember mit ihrer Forderung nach eine Aufnahme der Köche und Kellner in die Mangelberufsliste scheiterte. Überregional betrachtet sei die Quote zwar nicht erfüllt. In Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Vorarlberg liege man aber das gesamte Jahr deutlich unter dem Richtwert. Und im Rest Österreichs in den Spitzenzeiten auch, so Kopf.

Selbsthilfe im Pongau 

Das Pongau hilft sich nun selbst. Man plant, gemeinsam mit den Wiener AMS-Kollegen die Köche Wiens bis zur kommenden Wintersaison mit einer Jobbörse in der Bundeshauptstadt und mit kurzen Schnuppertagen und Praktika für sich zu begeistern. Nachdem der Plan bekannt war, hätten sich in einem Tag dreißig Betriebe bei ihm angemeldet, erzählt Burgstaller.
AMS-Chef Kopf sieht in dem von der Regierung vereinbarten Mobilitätspaket mit der Ausweitung des Kombilohnmodells, bei dem das AMS eine Beihilfe zum Gehalt zuschießt, und der breiter angelegten Mobilitätsprämie einen richtigen Schritt auf nationaler Ebene. Daneben begrüßt er die neue Idee, Zweitwohnsitze für Arbeitnehmer im Tourismus zu fördern. Nocker-Schwarzenbacher geht weiter: Die Standesvertreterin fordert eine Garantie, dass den Saisonarbeitskräften während ihrer Abwesenheit der Hauptwohnsitz nicht aberkannt wird. Und sie will, dass die Betriebskosten in der Zeit von dem Vermieter - etwa bei einer Gemeindebauwohnung von der öffentlichen Hand - übernommen werden.

Geld ist „Willensfrage“

Mit den Bemühungen, den Fachkräftemangel in den von Saisonarbeit geprägten Tourismusregionen wie in Salzburg oder Tirol zu lösen, geht automatisch die Frage nach der möglichen Verlängerung der Saison einher. Hier gab es schon viele Versuche, keiner hatte nachhaltigen Erfolg. Am Donnerstag schlug Nocker-Schwarzenbacher einen neuen Plan vor: Ein Kurzarbeitszeitmodell, in dem die Mitarbeiter in der Nebensaison 20 Stunden arbeiten und für die halbe Zeit 75 Prozent verdienen. So könnten Unternehmer ihre Angestellten länger halten und das saisonal bedingte Auf und Ab am Arbeitsmarkt wäre gedämpft. 50 Prozent des Lohns zahle der Gastwirt, 25 Prozent die öffentliche Hand – wobei sie hier noch keine konkrete Stelle nennen wollte. „Es ist eine politische Frage und eine Willensfrage, das zu finanzieren“, sagte die Obfrau nur. Kopf meint, es sei zwar zu frisch für eine konkrete Bewertung, aber den Grundgedanken halte er für gescheit, betont der AMS-Chef.
Im Pongau konnten seit November dann doch rund zwei Drittel der Stellen besetzt werden. 250 sind aber nach wie vor vakant. Die Zahl der vermittelbaren Köche liegt während der laufenden Wintersaison mittlerweile bei Null.

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