Durch die "Energiewende" wird der Strompreis in den nächsten Jahren um 25 Prozent steigen, schätzt E-Control-Vorstand Walter Boltz. "Da addieren sich viele Einzelkomponenten auf", so Boltz im Interview mit dem "WirtschaftsBlatt". Als Kostenfaktoren verweist er auf das Ökostrom-Förderregime in Österreich mit etwa 350 bis 400 Millionen Euro im Jahr, ferner den Netzausbau und die Reservekraftwerke. "Das wird für alle eine teure Sache", so der Vorstandsdirektor.
Allein der deutsche Atomausstieg verursache für Österreich Mehrkosten von rund 150 bis 200 Millionen Euro, "wenn die Deutschen ihre Energiewende-Maßnahmen so weiterziehen". Die "beträchtlichen Extrakosten" für den massiven Netzausbau aufgrund der Erneuerbaren Energien würden natürlich auf die Kunden umgewälzt werden. "Die Netze zahlen immer die Stromkunden", ist Boltz überzeugt.
Kampf gegen Betrug im Stromhandel
Zur geplanten Bekämpfung von Betrug im Stromhandel in der EU verweist Boltz auf die EU-"Remit"-Verordnung "über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarktes". In Österreich solle die Umsetzung noch vor dem Sommer durchs Parlament, vorgesehen seien als effektive Sanktionen voraussichtlich Geldstrafen. Wer dagegen verstoße, werde potenziell aber auch strafrechtlich verfolgt wie im Handels- und Finanzbereich - und bei wiederholten, großen Verstößen seien Haftstrafen nicht ausgeschlossen.
Als Beispiel für früher mögliche Praktiken im Energiehandel führt Boltz an: "Beim Insiderhandel konnte man binnen Stunden 500.000 Euro verdienen, und das war in Deutschland ohne Remit nicht illegal. Wenn Sie wussten, dass Sie morgen ein großes Kraftwerk abschalten, kauften Sie die Megawattstunde zum Beispiel um 20 Euro ein. Am nächsten Tag stieg der Preis wie das Amen im Gebet auf 60 und sie verkauften wieder."
Künftig wird es ein EU-weit einheitliches Reporting-System zur Energieregulierungsagentur Acer geben. "Alle Geschäfte müssen vorab dort angemeldet werden. Damit wird Marktmanipulation und Insiderhandel unmöglich", so Boltz.
(Ag.)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet

