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Neues Schutzsystem für Sparer: Regierung gegen Raiffeisen

26.06.2012 | 18:22 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Weil die Einlagensicherung wirkungslos ist, soll sie im Herbst geändert werden. Gegenwärtig sind pro Sparer und Institut Einlagen von bis zu 100.000 Euro abgesichert.

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Wien. Der Regierung steht eine Machtprobe mit Raiffeisen bevor. Als Folge der Finanzkrise soll nicht nur ein Insolvenzrecht für Banken eingeführt werden, sondern auch ein neues Schutzsystem für Spareinlagen. Der Präsident des österreichischen Bankenverbands und Bank-Austria-Chef Willibald Cernko erwartet darüber intensive Gespräche im Herbst. Cernko sagte am Dienstag, es sei eine rasche Einigung notwendig. Denn die derzeitigen sektoralen Lösungen würden nicht funktionieren. Cernko schlägt daher eine österreichweite Einlagensicherung vor. Ob ein solches Modell umgesetzt wird, ist allerdings fraglich. Denn Raiffeisen legt sich gegen eine Reform quer.

Gegenwärtig sind pro Sparer und Institut Einlagen von bis zu 100.000 Euro abgesichert. Für die Abwicklung sind fünf Einrichtungen zuständig: Es gibt die Sparkassen Haftungs AG, die Raiffeisen Einlagensicherung, die Hypo Haftungs Gesellschaft, die Schultze-Delitsch-Haftungs Genossenschaft (Volksbanken) und die Einlagensicherung der Banken und Bankiers. Geht ein Institut in Konkurs, sollen innerhalb des Verbunds die anderen Banken einspringen. Schaffen diese das nicht, kommen die anderen Haftungskreise in die Ziehung, wenn auch diese die Last nicht tragen können, muss der Staat herhalten.

„Das bestehende System hat sich bewährt und soll bleiben“, betont RZB-Chef Walter Rothensteiner, der Anfang Juli Nachfolger von Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad wird. Er, so Rothensteiner, sei dagegen, dass hier „herumgedoktert“ werde. Seit Jahren fordern aber internationale Institutionen wie der Währungsfonds, dass Österreich den Schutz für Spareinlagen verbessert. Auch Helmut Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht, hält das gegenwärtige System für wirkungslos und reformbedürftig: „Wir haben fünf Einlagensicherungskreise, wovon wir wissen, dass sie eigentlich nicht wirken können in dieser Form“, so Ettl. Doch bislang sind alle Bemühungen, hier Änderungen vorzunehmen, am Widerstand von Raiffeisen gescheitert.

 

EU drängt auf europäische Regelung

Bei der Hypo Alpe Adria und der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) stieß das bestehende Sicherungsmodell an seine Grenzen. Wäre die ÖVAG in die Pleite geschlittert, hätten die anderen Volksbanken für den Schaden aufkommen müssen. Dazu sind sie finanziell aber nicht in der Lage.

In der EU wird ebenfalls über eine Reform der Einlagensicherung diskutiert. Vorgesehen ist eine Vorabfinanzierung. Demnach sollen die Banken im Voraus zwischen 0,5 Prozent und 1,5 Prozent der Spareinlagen in einem Sicherungsfonds einzahlen. Österreichs Institute müssten dafür 1,8 Mrd. bis zwei Mrd. Euro aufbringen.

Kritiker bezweifeln allerdings, dass dieser Betrag ausreicht. Laut Regierungsangaben hätte man allein bei einer ÖVAG-Pleite im schlimmsten Fall von zehn Mrd. Euro an Leistungen aus der Einlagensicherung ausgehen müssen.

Die EU ist dafür, dass jedes Land zunächst nationale Sicherheitsfonds für Spareinlagen aufbaut. Später soll daraus eine europaweite Einlagensicherung und eine Bankenunion entstehen. Bei der Umsetzung haben die Regierungen freie Hand. Der EU ist es egal, ob es in Österreich einen einzigen Fonds für alle Banken gibt – oder fünf verschiedene (für Raiffeisen, Sparkassen, Hypos, Volksbanken und Aktienbanken). Raiffeisen hat von Anfang an klargestellt, dass sie für sektorinterne Lösungen ist.

Auch beim Bankeninsolvenzrecht zeichnet sich ein Streit über Genossenschaftsanteile ab. Die Regierung wollte ursprünglich, dass die Inhaber von Volksbanken-Genossenschaftsanteilen in Summe 220 Mio. Euro für die ÖVAG-Rettung aufbringen. Nach Protesten der Volks- und Raiffeisenbanken wurde dieser Plan fallen gelassen. Bank-Austria-Chef Cernko kritisiert, dass sich alle Institute über die erhöhte Bankensteuer an der ÖVAG-Sanierung beteiligen müssten, die Genossenschafter aber nicht. Beim Insolvenzrecht seien solche Ungleichbehandlungen zu beseitigen.

Auf einen Blick

Nach den Rettungsaktionen für die Österreichische Volksbanken AG und die Hypo Alpe Adria soll das Schutzsystem für Sparer verbessert werden. Der Präsident des österreichischen Bankenverbands und Bank-Austria-Chef Willibald Cernko erwartet darüber intensive Gespräche im Herbst. Laut Cernko würden die derzeitigen sektoralen Lösungen nicht funktionieren. Der Bankenverband verlangt daher eine österreichweite Einlagensicherung. Doch Raiffeisen legt sich dagegen quer. Laut RZB-Chef Walter Rothensteiner habe sich das bestehende System bewährt. Daher sollte hier nicht „herumgedoktert“ werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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24 Kommentare
Gast: 100.000.- Euro
27.06.2012 11:07
0 0

Für den einen ist es viel, für den anderen nicht mal Taschengeld.

Garantierte Einlagensicherung bis 5.000.- Euro, für alles was darüber hinausgeht, automatische Versicherung mit der Kontoführung.

Wobei mich aber wundert, das Bank so sehr in den Immobilienbereich sich versteift und nicht in die Förderung von Klein und Mittelbetriebe, immerhin kann es einer Bank nur so gut gehen wie es den Kunden geht, und gute Kunden brauchen gute Arbeitsplätze mit Innovation und Zukunft!

Der Alptraum jeder Bank ist die Arbeitslosigkeit eines auf Kredit finanzierten Häuselbauers, wie Spanien nur zu gut zeigt, dazu noch eine vollkommen Überbewertung der Immobilien, es gibt keine Garantie das Objekte in Zukunft noch mit 20.- Euro und mehr zu vermieten sind, vor allem dann wenn es keinen mehr gibt der dafür bereit ist auch zu zahlen!

Gast: Bürger01
27.06.2012 11:01
1 0

Schon wieder sollen die

verantwortungsvoll agierenden Banken die Hasardeure der Branche absichern - es gibt keinen Wirtschaftsbereich wo derartiger Unsinn verzapft wird - das kommt davon , wenn sich polit. Proporz und Versorgerjobler in Kontrollorganen wie OENB und FMA für Realwirtschaft interessieren dürfen.

Gast: kostolany
27.06.2012 07:38
10 0

Das ganze ist doch nur eine Täuschung, um das Volk zu beruhigen und einen Bankenrun zu verhindern

Die Sparer können noch(!) ihre sauer verdienten Euros abheben, und ihre Ersparnisse im Tausch gegen Schweizer Franken, Norwegerkronen oder CAN Dollar absichern. Goldmünzen oder Barren sind ebenfalls besser, als diese Papierfetzen, die bald wertlos sein werden.

100k / person? das bezweifle ich (theoretisch ist dieser betrag garantiert, praktisch jedoch nicht)

wenn die leute anfangen ihr geld von der bank zu holen, wird der staat oesterreich auch NICHT die erforderliche summe zur verfuegung haben, um das zuzulassen.
aber dem bank-run wird einfach ein riegel vorgeschoben durch abhebe-beschraenkungen, bargeld-abschaffung wo es nur geht, etc. und den glauben, dass das geld auf der bank sicher sei
lol

Antworten Gast: Joseph 74
27.06.2012 10:17
0 1

Es gibt in Österreich 862 Banken

und die gehen nicht alle zugleich in Konkurs. Und wenn doch (was einmalig in der Weltgeschichte wäre...) - dann passiert das vor einem totalen Zusammenbruch der Weltwirtschaft, nur sind dann auch 100.000 EUR wertlos.

Antworten Gast: Bärenfalle...
27.06.2012 06:48
4 0

Re: 100k / person? das bezweifle ich (theoretisch ist dieser betrag garantiert, praktisch jedoch nicht)

Korrekt.

Denn 100.000 Mindestsicherung pro Österreicher macht immerhin 800 Milliarden.

Der gesamte Bargeldumlauf in der EU betrug Ende 2010 gerade mal 817 Milliarden, davon 22 Milliarden in Münzen ;)

Wenn die Österreicher drauf kommen: ihr Geld ist auf der Bank nicht mehr sicher dann gibt es eben monatliche Abhebelimits oder Barzahllimits wie bereits in Spanien, Italien, etc. eingeführt.

Damit das Spiel "Arbeit gab ich für bedrucktes Papier" zumindest in papierloser Form noch ein wenig weiterläuft.

Antworten Antworten Gast: derGastMike
27.06.2012 08:46
1 0

Re: Re: 100k / person? das bezweifle ich (theoretisch ist dieser betrag garantiert, praktisch jedoch nicht)

Der einzige Fall wann die Einlagensicherung 800 Milliarden ausmachen müsste wäre, wenn JEDER einzelne Österreicher, inklusive Neugeborener, 100.000€ oder mehr am Sparbuch hat!

Nachdem das sicher NICHT der Fall ist, ist der abzusichernde Betrag auch wesentlich geringer. Denn immerhin wird nur abgesichert was auch als Guthaben vorhanden ist....

Antworten Antworten Antworten Gast: Joseph 74
27.06.2012 11:16
0 0

Außerdem müssten alle 862 heimischen Banken

zugleich zahlungsunfähig werden ...

Genossen müssen nicht unbedingt Bankiers spielen...

Besser Raiffeisen verkauft den Bankensektor und konzentriert sich auf den landwirtschaftlichen Bereich.

2 0

Was passiert

wenn fast alle Banken samt Staat in einer großen Finanzkrise demnächst pleite gehen?

Was nützt dann die Einlagensicherung?

Re: Was passiert

vielleicht bekommen die sparer dann 'iou's' von der republik - i owe you, zukuenftige steuereinnahmen von dir selbst. eine zirkulaere bedingung.

das ist in etwa so, als ob man in einer lineraren gleichung mit einer variable in der loesung die variable ausdrueckt und sie wieder in die selbe gleichung einsetzt und sich freut, weil man glaubt eine loesung zu haben

Re: Re: Was passiert

Nicht ganz. Sie gehen davon aus, dass jeder seine eigene Einlagensicherung bezahlt. Aber eigentlich zahlen *Alle* die Summe aller Einlagensicherungen.

Re: Re: Re: Was passiert

die summe aller einlagesicherungsgelder im verhaeltnis zu den tatsaechlichen einlagen liegt im unteren prozentbereich

wie auf der titatic - zu wenig rettungsboote fuer alle

Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
27.06.2012 06:49
0 0

Re: Re: Was passiert

Lustigerweise werden diese IOUs von den Emittenten (etwa Kalifornien) NICHT als Mittel zum Bezahlen von staatlichen Steuern und Abgaben akzeptiert.

Womit der "Wert" dieser IOUs schonmal feststeht: Null

Gast: Normalbürger
27.06.2012 00:16
4 0

Wer macht im Staat die Regeln?

"Doch bislang sind alle Bemühungen, hier Änderungen vorzunehmen, am Widerstand von Raiffeisen gescheitert."

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass gesetzliche Vorschriften durch den Gesetzgeber (sprich Nationalrat) beschlossen werden.
Wurde da die Verfassung zugunsten von Raiffeisen geändert?

Antworten Gast: Auslandsosterreicher
27.06.2012 05:08
6 0

Re: Wer macht im Staat die Regeln?

In Osistan beschliesst der NR nur die dann eingereichten Gesetze, die vorher in quasi-kriminellen Vorfeldorganisationen (meiner Meinung nach: Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Raiffeisenbank, OGB und anderen Mafia-Sozialpartnerorganisationen) beschlossen worden waren!!

Der mundige Burger hat kein Recht etwas mitzubestimmen, schon gar nicht uber Volksabstimmungen (im grossen Unterschied zur Schweiz).
So einfach ist das in der Volksidiotendemokratie Osistan!

...ein Auslandsoesterreicher

Gast: Der grosse Grieche!
26.06.2012 23:30
2 0

Neues Schutzsystem für Sparer: Regierung gegen Raiffeisen.....

....gibts auch ein Schutzsystem für Schuldner???....WIE kann ich sicher sein, dass meine Schulden auf der Bank sicher sind, was ist wenn sie plötzlich weg sind, an wenn kann man sich da wenden???.....gibts einen Fond, aus dem unschuldige Schuldner Frisches speisen können, wenn man als unschuldiger Schuldner zum Handkuss gekommen ist???

6 2

Haftung

warum muss der Staat für Privateinlagen haften?

Re: Haftung

weil es im euro-raum eine mindestreserve-vorschrift fuer geschaeftsbanken gibt von 1%, was einen theoretischen giralgeldschoepfungs-kredithebel von 99 bedingt, in relation zu den kundeneinlagen, die als basis zur kreditvergabe herangezogen werden.

bei 100% mindestreservevorschrift braeuchte der staat keinen cent den banken geben

es gibt aber auch eine alternative: ein freier markt, wo sparern sich des risiko's der banken bewusst sind und banken sich der flexibilitaet der kunden bewusst sind und fuer deren risiko deutlich hoehere zinsen bieten muessen um an kundeneinlagen zu kommen.
alle marktteilnehmer (kreditangebot, kreditvermittler und kreditnachfrage) sind sich des vollen marktrisikos bewusst, dass banken pleite gehen koennen wenn sie ihr risko zu sehr hebeln, dass kundeneinlagen einfach weg sind, wenn die banken pleite geht (und es daher im ureigenen interesse der sparer ist, sich das geschaeftsmodell der banken genau anzusehen, bevor man denen sein geld anvertraut) - das waere der idealste weg, wo aber auch ab und zu kunden und banken ins gras beissen - dieser prozess heisst dann konkurs / lerneffekt und ist eine ganz normale marktbereinigung, den die interventionisten & keynesianer unbedingt verhindern wollen, weil "banken duerfen ja nicht pleite gehen" und so wird aus too big to fail => too big to bail


Re: Haftung

Weil der Staat sich das Geld der Sparer geliehen hat. Zahlt der Staat das Geld den Banken nicht zurück, geht die Bank pleite und somit ist das Geld der Sparer weg.

1 0

Re: Haftung

Es geht hier um die psychologische Beruhigung der Sparer, damit ein Bankrun vermieden wird, den wir anders schon längst hätten.

Re: Haftung

Grade von mir werden Sie da auch keine Antwort bekommen;-) Wohin das führt, wenn eine bestimmte Branche anders behandelt wird als der Rest der "Wirtschaftswelt", lässt sich im Moment ganz gut verfolgen.

Gast: die kommunalkredit kostet ein vielfaches ..
26.06.2012 21:23
3 0

gehts bitte ..

was sind den 2 mrd euro .. alleine anfang der woche sind einfach so in einer stunde 3 mrd (100 mrd nur für die spanischen banken, und davon unsere üblichen 3% dazugekommen) .., die kommunalkredit wird uns noch viel mehr kosten und jedesmal wenn der faymann über die spekulanten schimpft, und die unterrichtsministerin , die die kommunalkredit mit zu verantworten hat, neben ihm von der regierungsbank grinst, denke ich mir .. wie kann jemand diese leute noch ernstnehmen und wählen ?

gegen Raiffeisen ...

.. gegen den Konrad hätte sich das die Regierung niemals getraut...

Hobbyökonom