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Gemeinden ertrinken in Schulden

27.06.2012 | 21:05 |   (Die Presse)

Die Kommunen häufen immer mehr Schulden an und haben trotzdem kaum Geld für Investitionen. Der Rechnungshof hat erstmals alle 2356 Gemeinden durchleuchtet und analysiert.

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Wien/Jil. Spanien ist weit weg von Knittelfeld und Griechenland von Bad Ischl. Und trotzdem haben die Euro-Problemländer und Österreichs Gemeinden eines gemeinsam: Schulden. Der Rechnungshof (RH) hat erstmals die Finanzen aller 2356 Gemeinden (ohne Wien) unter die Lupe genommen und analysiert. „Der Schuldenstand der Republik hat 2011 allein um zwölf Milliarden Euro zugenommen“, sagte RH-Präsident Josef Moser am Mittwoch. Und auch wenn der Schuldenstand der Gemeinden mit knapp zwölf Milliarden Euro insgesamt nur so viel ausmacht wie im Bund jährlich dazukommen: „Wir müssen etwas tun“, so Moser.

Wie stark die Wirtschaftskrise die Gemeinden getroffen hat, zeigt sich bei der „Quote freie Finanzspitze“. Die gibt an, wie viel Geld den Gemeinden nach der Bedienung der Verpflichtungen noch für Investitionen bleibt. Schon vor der Krise lag diese bei nur fünf Prozent– obwohl 15 Prozent als Idealwert gelten. 2009 und 2010 lag die Quote bei praktisch null Prozent. Heißt: „Für Investitionen ist nahezu nichts mehr vorhanden“, so Moser. Nur die mittelgroßen Gemeinden schaffen es, Geld für Investitionen beiseitezulegen. Die kleinen und großen nicht. In kleinen Gemeinden ist auch die Pro-Kopf-Verschuldung am höchsten.

RH darf mehr Gemeinden prüfen

Allerdings: Von insgesamt fast 13 Milliarden Euro Defizit im Jahr 2010 entfallen rund zehn Milliarden auf den Bund, 3,2 Milliarden auf die Länder und „nur“ 241 Millionen Euro auf die Gemeinden (ohne Wien). Die Kommunen treiben das staatliche Defizit also nicht sonderlich an – und ihr Anteil am Defizit ist zuletzt sogar gesunken. Was die Probleme für besonders stark verschuldete Gemeinden allerdings nicht lindert. Der Rechnungshof darf seit 2011 auch Gemeinden ab 10.000 Einwohnern prüfen – davor waren 20.000 Einwohner die Untergrenze. Und das ist auch der Hintergrund für das „Gemeinde-Monitoring“.

Das Tool fasst erstmals alle relevanten Daten zusammen und stellt sie sowohl der jeweiligen Gemeinde als auch dem Rechnungshof zur Verfügung. Zwar darf der RH auch jetzt nur 73 von mehr als 2000 Gemeinden prüfen – welche das sein sollten ist dank des Monitorings nun aber leichter festzustellen. Derzeit werden laut RH acht Gemeinden genauer geprüft: Stockerau, Mistelbach, Hall, Wörgl, Bludenz, Eisenstadt, Knittelfeld und St.Veit an der Glan. Allerdings: Dass geprüft wird, heißt nicht, dass es Probleme gibt. „Wir suchen auch nach Best-Practice-Beispielen“, so Moser.

(c) DiePresse

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In den RH-Daten spiegeln sich auch die Unterschiede zwischen den Bundesländern wider. So erreichten Gemeinden in Salzburg, Burgenland und Tirol auch 2010 eine „Quote freie Finanzspitze“ von knapp mehr als fünf Prozent. Der Rest des Landes ist abgeschlagen: In Kärnten, der Steiermark, Vorarlberg und Oberösterreich ist diese Quote negativ – Investitionen sind nur durch neue Schulden möglich. Zählt man die Schulden der Länder und Gemeinden zusammen, dann ist Niederösterreich einsamer Spitzenreiter. Jeder Niederösterreicher hat seinen Lokalpolitikern 4806 Euro an Schulden zu verdanken. Tiroler kommen mit 1465 Euro pro Kopf relativ glimpflich davon. Die Ausgaben für „Soziales und Gesundheit“ pro Kopf sind in Oberösterreich mit 565 Euro im Jahr 2010 am höchsten. Im Burgenland lagen diese bei lediglich 198 Euro.

Die Ausweitung der Prüfkompetenzen des Rechnungshofs war dem Gemeindebund-Präsidenten Helmut Mödlhammer vor zwei Jahren gar nicht recht. Er nannte den Vorschlag damals einen „beispiellosen Anschlag auf die Gemeindeautonomie“. Inzwischen sieht er den RH als „Partner“, so Mödlhammer. Die erhobenen Daten wären für die Finanzausgleichsverhandlungen 2014 wichtig. Aber: „Gestärkt wurde die Gemeindeautonomie sicherlich nicht.“

Auf einen Blick

Der Rechnungshof darf seit 2011 auch Gemeinden ab 10.000 Einwohner prüfen. Nun hat er mit dem „Gemeinde-Monitoring“ ein Tool vorgestellt, um die Finanzen aller 2356 Gemeinden in Österreich zu überwachen. Das Ergebnis: Die Schuldenstände steigen weiter, gespart wird kaum, und den Gemeinden bleibt fast nichts für Investitionen, die über ihre Verpflichtungen hinausgehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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48 Kommentare
 
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Gast: biersauer
01.07.2012 10:45
0 0

Dummheit kostet Geld!

Auch der Hans im Glück war einmal Millionär.
Aber den Leuten gefällt es und sie wählen jedesmal wieder!

Mein Bürgermeister ist fremd gegangen und alle Medien berichteten

Was die Finanzen betrifft hat er es aber immer super gemacht.
Ich möchte keinen anderen.

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allein WIen nähert sich bereits der 4 Mrd Schuldengrenze

und prangert weiterhin Kärnten, welches wohl kein Vorzeigeland ist, an ?

Warum verschweigt man aber die Schulden in Nö welche jenen in Wien ja ebenbürtig sind ..... !?

>Von insgesamt fast 13 Milliarden Euro Defizit im Jahr 2010 entfallen rund zehn Milliarden auf den Bund, 3,2 Milliarden auf die Länder und „nur“ 241 Millionen Euro auf die Gemeinden (ohne Wien).<

Sind wir Griechenland denn nicht ähnlicher als viele Bürger ahnen, weshalb auch Aussagen von Cap und Kopf sat Glawi erklärbar sind ?!

0 0

Gemeinden ertrinken in Schulden

Ich denke eher sie laben sich daran, da sie so erst die Bevlökerungen einfacher versklaven können als bisher !

Siehe Wien; da werden Beauftragte erfunden welche einen Schweif von Sklaven unterschiedlicher Ränge hervorbringen, allein nur um sie allesamt bei Laune halten zu wolllen und können !

Diese bezahlen muss natürlich wie gehabt das einfache Violk, sofern es sich nicht einen teuren Steuerberater leisten kann welcher dann für sie trickst !

Wir Bürger und somit auch ich als Nichtbesitzer eines Automobils, befinden uns allesamt in der Stuerschraube ähnlich der welche es sogar lange vor Roms erfolgreicher Zeiten gegeben hat; allein zum Zweck, die Oligarchie am Leben erhalten zu müssen !

Den grünen ists scheinbar egal das damit Lebensmittel und das gesamte Leben (Transport und Herstellungskosten) sich ständig weiter verteuern, solange wenigstens wie sie selbst noch in dem Zirkus Regie (mit)führen dürfen !

Mal sehen wie sie danach darauf reagieren werden, falls es sie wie das Lif dann noch geben wird ?!


Gast: Blankenstein Husar
28.06.2012 15:49
2 0

Die Politiker sollen für ihre sagenhafte Schuldenmacherei

endlich mit ihrem Privatvermögen haften!

Das ist es!


2 0

Re: Die Politiker sollen für ihre sagenhafte Schuldenmacherei

dafür bräuchte es aber Politiker welche dem zustimmen und echte Transparenzgesetze beschliessen, und genau solche gibt es unter rot grün und schwarz eben nicht !

Ja nicht einmal ein BP kann zur Verantwortung gezogen werden da er ja gar keine solche hat, dennoch aber weiterhin wie dafür bezahlt wird !!!?


Gast: pour le merite
28.06.2012 15:26
3 0

Verbietet den Politikern endlich das Schuldenmachen!

Was glaubt ihr, wie schnell uns dann die ganze Finanzkatastrophe, die wird den völlig unfähigen Politscheissern zu verdanken haben, vor Augen geführt wird!

Dann könnten wir endlich klipp und klar sehen, was wir uns tatsächlich noch leisten können und was nicht!

Dann würde sich zeigen, welche Gemeinde wirtschaften kann oder welche von nix Ahnung habende Bürgermeister öffentliches Geld beim Fenster hinauswixen...

Und dass wir schleunigst raus müssen aus diesem EU-und Eurowahnsinn versteht sich wohl von selbst....

Die Kommunen häufen immer mehr Schulden an und haben trotzdem kaum Geld für Investitionen

Wieso "trotzdem" ?
Gerade weil sie das Geld für Lfd. Aufwand (Gegenwart) plus Schuldendienst (Vergangenheit) ausgeben, bleibt nichts mehr für Investition (Zukunft).
Die Verschuldung ohne 1:1 gegenüberstellbarer Investition ist eine Vorgangsweise asozialer Elemente dieser Gesellschaft.
"Asozial" weil sie sich einen Dreck um unsere Kinder kümmern.

Gibt ESM und Fiskalpakt den Gemeinden den Todesstoß?

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/politik/entscheidungen-die-die-welt-veraendern-d210608.html

Artikel lesen, eigene Meinung bilden und bei Gefallen weiterempfehlen.

An all jene,

die immer behaupten, Gemeindefusionen funktionieren nicht, bringen nix usw.:

http://steiermark.orf.at/news/stories/2538991/

Lest euch diesen Artikel mal! In der Steiermark gehts nur mehr darum mit wem man fusioniert. Da gibts kein Blockieren und kein Nein-Sagen.

Die Steiermark wird durch ihren Reformwillen viele andere Bundesländer wirtschafts- und finanzpolitisch überholen!

Re: An all jene,

Ich finde ja dass das alles ein spitzen Anfang ist. Von unten, der kleinsten Ebene her, muss man das aufrollen.

Zuerst Gemeinden, dann Bezirke, dann Regionen und dann Bundesländer.

Mal ehrlich, was spräche dagegen nur noch 3 oder 4 große Bundesländer mit 20 "Bezirken" resp. "Regionen" zu haben? Allein die Politik.

Re: Re: An all jene,

Richtig, das wäre eine Möglichkeit.

ODER: man macht einfach die 9 Bundesländer zu "Bezirken" ohne gesetzgebende Möglichkeiten und schafft die bisherige Bezirksebene ab.

Gast: ganz einfach
28.06.2012 11:45
0 0

die alkoholsteuer verdoppeln.


Gast: Eleonora K.
28.06.2012 11:38
4 0

Kaum mehr Geld

So ist das eben, wenn man das Zuviel in der Kassa "anlegt". Ich werde nie verstehen, warum man Geld, dass man sozusagen zu treuen Handen vom Steuerzahler für die Öffentlichkeit erhält, ohne Konsequenzen verzocken darf.

Warum,

-darf der RH nicht einfach ALLE Gemeinden prüfen? Weil der Pröll dagegen ist?

-behauptet Pröll immer noch sein Bundesland stehe so gut da, obwohl immer offensichtlicher wird, dass NÖ und seine Gemeinden praktisch pleite sind und damit Schlusslicht in Ö.

-kann man nicht endlich sinnvolle Gemeindefusionen in ganz Ö angehen?


6 0

Interessant....

daß NÖ Spitzenreiter ist, hätte eher auf Kärnten getippt....

eigentlich muß man daraus schließen, daß Pröll und seine Truppe schlechter wirtschaftete als Haider und Co.

Seltsam, daß der NÖ - LH offenbar Realitätsverweigerung betreibt, sieht er doch sein Bundesland als österr. Ausgabe des Erfolgmodells Bayern....

Gast: Das Double vom Schulmeister
28.06.2012 10:42
2 0

Was wir brauchen

ist mehr Wachstum, damit wir aus den Schulden heraus wachsen. Also: ab 1.000 Einwohner ist ein öffentliches Schwimmbad P F L I C H T !!!!

Gast: Humberto E.
28.06.2012 09:22
8 0

Komische Finanzwelt

Eine kalifornische Stadt geht in Konkurs weil sie pro Bürger 70 $ Schulden hat.
Niederösterreich hat pro Bürger 4806€ Schulden, hab noch nichts von Konkursplänen gehört.

Warum muss die amerikanische Stadt in Konkurs gehen, aber in Europa häuft man Schuldenberg auf Schuldenberg?

Antworten Gast: Huberbub 1
28.06.2012 12:29
0 0

Re: Komische Finanzwelt

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, nämlich eine Kommune mit einem Bundesland.

Kalifornien ist nämlich auch massiv verschuldet.
Zudem ist Ihre Rechnung grundfalsch, als Sie nur das heurige Defizit von Stockton berücksichtigen. Die Schulden sind ja viel höher.

Antworten Gast: gast1984
28.06.2012 10:25
1 0

Re: Komische Finanzwelt

Solange die Gläubiger noch Kredite geben läufts wie geschmiert!

sehr interessant

sehr erhellend zu diesem thema sind da die diversen aussendungen der gemeinden, teilweise in degoutant parteipolitisch gefärbtem lobhudeleiformat, in welchen die überaus erfolgereich finanzpolitik der gemeinde des jahres 20.. gelobt und blumigst beschrieben , und nebenbei der warnende politische gegner untergriffig lächerlich gemacht wird

Gast: Bürger01
28.06.2012 07:34
0 1

Haushalten

Es ist schon erstaunlich , dass schon in der kleinsten politischen Struktur Schulden angehäuft werden . Gemeinden können ja einige Steuern anheben und somit ihre finanziellen Schieflagen korrigieren .

Gast: Jodlersepp
28.06.2012 06:51
7 1

Problem ist recht einfach zu beheben!

Zuerst die 9 überflüssigen Landesregierungen abschaffen und dann die Gemeinden zusammenlegen das spart Geld und dieses ist für Investitionen vorhanden!

Mir machen reine Selbstverwaltung!

Massive Zusammenlegung der Gemeinden

und das Problem ist gelöst!

Antworten Gast: Fprester
28.06.2012 13:44
0 0

Re: Massive Zusammenlegung der Gemeinden

Nein! so einfach ist das! Gemeinden zusammenlegen und schon winken Überschüsse und wir sind alle Finanzsorgen los.

Der Rechnungshof hat doch unlängst eine Aufstellung publiziert, wonach Gemeinden mit etwa 5000 Einwohnern die geringsten Verwaltungskosten pro Kopf aufweisen. Grösse scheint also auch nicht das Allheilmittel zu sein.

Gast: Kanalist
28.06.2012 04:44
4 0

no Problem,

einfach wieder die Kanalgebühren erhöhen....

 
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