Die Presse: In Zeiten wie diesen wird sogar bei der geliebten Feuerwehr gespart. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Dieter Siegel: Ich meine, wir dürfen die Freiwilligkeit nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Ich bin da sehr skeptisch, wenn es heißt, das ist alles zu teuer. In Österreich haben wir 4500 Feuerwehren. Bis zum Einsatzort brauchen sie im Schnitt 15 Minuten. Das ist weltweit unerreicht. Und bei den Freiwilligen fällt der größte Kostentreiber weg, nämlich die Personalkosten. Es ist das günstigste System. Bei den Berufsfeuerwehren macht das Personal 85 Prozent der Kosten aus.
Braucht jedes Dorf ein eigenes Feuerwehrauto?
Mir ist klar, dass man effizientere Lösungen anbietet. Aber im großen Stile Feuerwehren zusammenzulegen halte ich für falsch. Denn die Freiwilligkeit funktioniert nicht aus der Distanz.
Aber die funktioniert glücklicherweise noch sehr gut.
Die Demografie macht auch vor der Feuerwehr nicht halt. Menschen mit Migrationshintergrund haben nicht so einen Bezug zur Feuerwehr. In der Türkei ist die Feuerwehr eine paramilitärische Einheit, die nicht unbedingt ein positives Image genießt. In England etwa müssen Feuerwehrautos bruchfeste Scheiben haben, weil sie zum Teil vom Mob mit Steinen beworfen werden.
Weil sie so spät zum Einsatzort kommen?
Nein, weil sie als Staatsgewalt empfunden werden.
Und in Österreich gehen uns schön langsam die Feuerwehrmänner aus?
Deshalb werden die Frauen immer wichtiger. Auf dem Land verzeichnen die Feuerwehren schon jetzt wochentags akuten Personalmangel. Viele pendeln in die Stadt.
Und leider fahren Ihre Feuerwehrautos noch nicht von allein.
Aber wir reagieren auf diese Entwicklung. Etwa indem ein Feuerwehrauto, das für neun Mann ausgelegt ist, notfalls auch zu zweit bedient werden kann.
Auch von zwei Frauen? So eine Tragkraftspritze etwa ist ganz schön schwer.
Das lässt sich alles technisch lösen. Mit einer Absenkvorrichtung erspart man sich das Heben.
Wie viel verdient Rosenbauer an den österreichischen Feuerwehren?
Österreich macht sieben bis acht Prozent unseres Umsatzes aus.
Ihr Aushängeschild ist der Panther. Der ist wohl für eine Freiwillige Feuerwehr etwas zu speziell.
Spezialfahrgestell, Allradantrieb, 1260 PS, 50 Tonnen, geländetauglich. Der kommt vorwiegend bei Berufsfeuerwehren und Industriebetrieben zum Einsatz.
Wäre der Panther nicht rot, er könnte genauso für militärische Zwecke verwendet werden.
Alles, was über den Schutz hinausgeht, davon grenzen wir uns ganz klar ab.
Man kann aber ein Feuerwehrauto auch als Wasserwerfer verwenden.
Das wäre dann ein Deeskalationsfahrzeug, das würde ich noch in den schützenden Bereich ansiedeln.
Sie haben noch nie überlegt, Spezialfahrzeuge anderer Art zu bauen?
Wir haben öfter daran gedacht, aus dem Feuerwehrsegment auszubrechen. Etwa mit Straßen- und Tunnelreinigungsmaschinen, die ja auch mit Wasserdruck arbeiten. Aber wir haben uns entschlossen, uns auf Brandbekämpfung und Feuerwehren zu konzentrieren.
Also keine Veränderungen.
Doch. Wir entwickeln uns von einem Exportunternehmen zum internationalen Unternehmen. Das wird unsere Unternehmensstruktur mittelfristig verändern. Wir setzen auf lokale Standorte, auf Menschen, die die lokale Sprache sprechen. Das ist im kommunalen Bereich sehr wichtig. Eine Feuerwehr hat wenig Verständnis dafür, wenn ein englischsprechender Servicetechniker erst mit dem Flugzeug eingeflogen werden muss.
In welchen Ländern wollen Sie noch präsenter sein?
In England und Frankreich.
Bedeutet Internationalisierung weniger Produktion in Österreich?
Nicht notwendigerweise. Wir haben in Österreich die Produktion kontinuierlich erhöht – trotz Internationalisierung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)
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