Energiesparen wird Pflicht

30.06.2012 | 18:07 |  Von Matthias Auer (Die Presse)

Österreich soll ab 2014 jährlich 1,5 Prozent weniger Energie verbrauchen. Doch das Energieeffizienzgesetz sorgt nicht überall für Freude.

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Wer in Österreich auf Energieeffizienz setzt, tut dies bisher aus freien Stücken. Das wird sich in Zukunft ändern. Denn nach der jüngst beschlossenen Energieeffizienz-Richtlinie der EU verpflichten sich die Mitgliedstaaten, ihren gesamten Energieverbrauch ab 2014 jährlich um 1,5 Prozent zu senken. Verantwortlich für die Umsetzung sollen die Energieversorger sein. Bis 2020 soll es zu einer Erhöhung der Energieeffizienz um 20Prozent kommen.


Run auf Energieberater. In Österreich muss die Richtlinie noch durch ein entsprechendes Gesetz umgesetzt werden. Ein erster Arbeitsentwurf des zuständigen Wirtschaftsministeriums im März ließ die Wogen bei Wirtschaftsvertretern hochgehen. Er sah einerseits vor, die Unternehmen zu Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen zu verpflichten. Andererseits war ein 150 Millionen Euro großer Topf geplant, der durch eine neue Energiesteuer gefüllt werden sollte. Nichts davon sei in Stein gemeißelt, heißt es aus dem Ministerium. Derzeit werde das Gesetz noch verhandelt.

Bei Energieberatern sorgt das angekündigte Energieeffizienzgesetz allerdings jetzt schon für Aufbruchstimmung. „Das wird einen regelrechten Run auf die Branche auslösen“, hofft Willibald Kaltenbrunner, Energieverantwortlicher bei der Umwelt- und Nachhaltigkeitsberatung „Denkstatt“.

Er rechnet damit, dass mittlere und größere Unternehmen zu regelmäßigen externen Audits oder zur Einführung von Energiemanagementsystemen verpflichtet werden. Entscheidend sei in seinen Augen, dass die Betriebe auch dazu gezwungen würden, Energiesparprojekte umzusetzen, wenn sich diese innerhalb von fünf Jahren rechnen.


Sorgenkind Verkehr. Genau dagegen läuft aber die Wirtschaftskammer seit einigen Wochen Sturm. 100 Millionen Euro an zusätzlichen Kosten im Jahr würden den Unternehmen dadurch aufgehalst, argumentiert die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank. Und das, obwohl Österreichs Industrie in Sachen Energieeffizienz ohnedies weltweit Vorreiter sei. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat bereits angekündigt, diese Vorleistungen der Unternehmen im Gesetz honorieren zu wollen. Tatsächlich habe die Industrie bereits viel getan, bestätigt auch Energieberater Kaltenbrunner. Sie hätten damit aber auch enorme Kosten eingespart. Das größte Potenzial ortet er bei Banken und Handelsketten.

In Summe sind Österreichs Unternehmen aber nur für ein knappes Drittel des gesamten Energieverbrauchs im Land verantwortlich. Knapp zwei Drittel der Energie verbrauchen die Österreicher im Verkehr oder den eigenen vier Wänden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2012)

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