Positives Symbol für den Betriebsübergang bei der AUA war am Sonntag ein Baum vor der AUA-Zentrale am Flughafen Wien. Auf diesen hängten die Mitarbeiter ihre bisher blauen Halstücher und roten Krawatten (AUA) sowie ihre grünen Halstücher und grünen Krawatten (Tyrolean). Künftig werden alle Mitarbeiter der heimischen Fluglinie einheitlich rot-silberne Tücher und Krawatten tragen. Dadurch soll auch die bisher offen sichtbare Unterscheidbarkeit beendet werden.
Denn seit Sonntag ist nun in Kraft, was die AUA-Führung während der zähen und schlussendlich gescheiterten Verhandlungen mit dem Betriebsrat während des Frühjahrs als „Plan B“ angekündigt hatte. Der Flugbetrieb der AUA ist nun Teil der Tochter Tyrolean. Bei der AUA selbst ist nun nur mehr die Verwaltung und die Technik beheimatet.
Wie mehrfach berichtet, mussten die Mitarbeiter diesem Übergang zustimmen, ansonsten galten sie als gekündigt. 110 Piloten und 214 Flugbegleiter verließen daraufhin das Unternehmen – zum Teil mit Abfertigungen von bis zu 500.000 Euro.
Das befürchtete Chaos im Flugbetrieb blieb aber dennoch aus, da sich die AUA schon im Vorfeld Hilfe von ihrer Mutter Lufthansa und anderen Fluglinien organisiert hatte. So wurden fünf Flugzeuge von Lufthansa, Augsburg Airways, Contact Air und Welcome Air samt Personal angemietet, um auch im Sommer alle Flüge bedienen zu können. Zudem werden auch 30 der gekündigten Piloten als Freelancer bis November weiterhin eingesetzt.
Betriebsrat blitzt vor Gericht ab
Der Betriebsrat der AUA will den Betriebsübergang dennoch weiterhin zu Fall bringen und hat daher mehrere Klagen eingebracht. „Im schlimmsten Fall für das Unternehmen müsste er komplett zurückgenommen werden“, so AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard zur „Presse“. Am Wochenende war er jedoch mit einem ersten Antrag bei Gericht abgeblitzt. So wollte der Betriebsrat durch eine einstweilige Verfügung sichergestellt haben, dass er auch nach dem Betriebsübergang für das AUA-Personal zuständig ist. Laut AUA-Führung ist ab sofort nämlich nur mehr der Tyrolean-Betriebsrat zuständig. Dies bedeute auch, dass es keine temporären Freistellungen für Betriebsratstermine und Diensthandys gibt.
Minhard will daher am Mittwoch in einer Sitzung aus beiden Betriebsräten die Funktionen innerhalb des Betriebsrats neu verteilen lassen. Ob der Tyrolean-Betriebsrat dabei mitmacht, sei noch nicht klar, sagt deren Sprecherin Alexandra Patzal: „Zuerst müsste es genau abgesprochene Regeln für die Zukunft geben.“ Die ehemaligen Tiroler sind nämlich nummerisch sowohl beim Betriebsrat als auch bei der Belegschaft dem AUA-Personal unterlegen und befürchten, überstimmt zu werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2012)
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