22.05.2013 09:56 Merkliste 0

Länderbericht: IWF fordert Bankenbereinigung

02.07.2012 | 17:13 |   (Die Presse)

Österreich sei "overbanked", sagt der Internationale Währungsfonds im neuen Länderbericht. Daher sollen Teile der maroden Staatsbanken ersatzlos vom Markt genommen werden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Höll. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt dem österreichischen Finanzsektor kein allzu gutes Zeugnis aus. Im neuen Länderbericht heißt es, Österreich sei „overbanked“. Im Vergleich zu anderen Ländern gebe es zu viele Bankfilialen und Bankmitarbeiter. „Die Profitabilität der österreichischen Bankgeschäfte war in den letzten paar Jahren ziemlich niedrig“, sagte IWF-Chefprüferin Enrica Detragiache.

Es sei möglich, dass auf den Staat weitere Kosten durch die Restrukturierung des Finanzsektors hinzukommen. Daher rät der IWF der Regierung, eine Strategie zu entwickeln, wie man die Anteile an den im Zuge der Finanzkrise übernommenen Banken wieder los wird. Dabei soll grundsätzlich eine Beseitigung von Banken-Assets in Betracht gezogen werden. Dadurch würde der Staat jedoch auch die für die Rettung aufgewendeten Milliarden verlieren.

 

Wer soll die Staatsbanken kaufen?

Die Regierung fährt daher noch einen anderen Kurs: Sie hofft, für die maroden Staatsbanken (Kommunalkredit, Volksbanken AG und Hypo Alpe Adria) einen Käufer zu finden. Beobachter bezweifeln allerdings, dass es dafür Interessenten gibt. Schon vor einem Monat erklärte der Chef des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, dass die Zuschüsse für die Problembanken möglicherweise verloren sind. Bislang steckte der Steuerzahler 4,5 Mrd. Euro in die Rettung der Kommunalkredit (inklusive deren Bad Bank), die Hypo Alpe Adria und die Volksbanken AG. Auch die IWF-Empfehlung ist so zu verstehen, dass Teile der maroden Institute vom Markt genommen werden sollen.

Nicht nur die Regierung, auch die Banken wehren sich gegen eine Strukturbereinigung. Erst vor Kurzem hat RZB-Chef Walter Rothensteiner bestritten, dass Österreich overbanked ist.

Die Experten des Währungsfonds verlangen außerdem, dass Österreichs Finanzaufsicht mehr Macht bekommt, um bei angeschlagenen Instituten früher eingreifen zu können. Die Regierung hat nach der ÖVAG-Rettung angekündigt, dass es bis Sommer ein Banken-Insolvenzrecht geben soll. Doch Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) will hier zunächst die EU-Entwicklung abwarten.

Unterschiedliche Ansichten gibt es zwischen Österreich und dem IWF über die Risken der Banken in Osteuropa. Detragiache erklärte, dass Österreichs Institute in Osteuropa „übermäßig ehrgeizig“ vorgegangen seien. Die Ostexpansion sei grundsätzlich eine gute Strategie gewesen, aber man hätte es lieber gesehen, wenn sie in einigen Fällen langsamer erfolgt wäre.

Die Nationalbank (OeNB) sehe das „sehr viel positiver“, konterte OeNB-Chef Ewald Nowotny. „Wir betrachten die Expansion der österreichischen Banken nach Mittel- und Osteuropa als eine Erfolgsgeschichte.“ Allerdings räumt auch der IWF ein, dass die größte Bedrohung für Österreichs Wirtschaft derzeit nicht von Osteuropa, sondern von der Finanzkrise in der Eurozone ausgeht.

Denn Österreichs Wirtschaft sei mit der Eurozone eng verflochten. Österreich würde viel verlieren, falls die Anstrengungen, die Krise unter Kontrolle zu bringen, ins Stocken geraten.

Der IWF–Bericht enthält auch Lob: Österreichs Wirtschaft sei „in guter Verfassung“. Begrüßt werden die von der Regierung eingeleiteten Schritte zur Budgetkonsolidierung. Allerdings betont der IWF, dass diese Maßnahmen langfristig nicht ausreichen. So müsse mehr unternommen werden, um das Pensionsalter anzuheben. Handlungsbedarf besteht auch beim Gesundheitswesen.

 

Steuern auf Arbeit sind zu hoch

Weiters fordert der Währungsfonds Änderungen im Steuersystem: Die Steuern und Abgaben für Löhne sollen gesenkt werden. Vor allem die Sozialversicherungsabgaben werden als zu hoch angesehen. Die Entlastung des Faktors Arbeit könnte durch höhere Umwelt-, Verbraucher- oder Immobiliensteuern ausgeglichen werden.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

36 Kommentare
 
12
Gast: Bürger01
03.07.2012 10:23
1 0

ja ja , dieseTips brauch ma .....

Die HGAA will sich ja eh auf Kosten des Steuerzahlers gewinnbringend restrukturieren . Die Kommunalkredit zu zerschlagen bedeutet den Ruin etlicher Städte und Gemeinden . Das Geschäft der RBI und Ersten in Osteuropa würde amerikanischen Instituten gefallen , aber da wird der IMF weiterhin ohne Erfolg lobbyieren . Wir hätten aber ein paar Vifzacks für den IMF , die bräuchten wohl bald einen Job zur kollektiven Treibjagd auf gesunde Volkswirtschaften ......

Gast: anderswo
03.07.2012 10:00
1 0

IWF "fordert"


http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/751791/IWFAufstockung-kostet-Oesterreich-sechs-Mrd-Euro-

4,5 Milliarden da, 6 Milliarden dort, 2 Milliarden für ESM..... plus die Zinsen für die Staatsschulden...

und die Mitzi erzählt was vom Sparen...

gibt's eigentlich Provisionen, wenn man Geld, das andere erarbeitet haben, einfach weiter reicht?


0 1

Bessere Idee

Die guten Banken unter ESM/Bankenaufsicht, die Bad Banks in Österreich lassen.

Moment

Josef "der Tronfolger" Pröll, hatte uns doch eindeutig erklärt, dass es sich bei der Not verstaatlichung um ein gutes Geschäft handle. Ausserdem sind diese Banken doch systemrelevant.

Irgendwer hat wohl einen Fehler gemacht. Aber Genosse Nowotny ist ja schon am beruhigen.

Gast: GEFE
03.07.2012 08:54
2 0

Nehm die Staatsbanken um einen Euro.

Lass mich und meine Familienangehörigen , dann anstellen um sagen wir mal 10.000 Euro / per Monat netto nat. Kaufe sämtlichen faulen Kredite (müsst ich ja gratis bekommen), natürlich gegen Gebühr. Ein paar immobilen der Staatsbanken und das inventar wird versilbert. Bau eine kleine Villa überschreibe alles meiner Frau und geh dann in Konkurs, natürlich erst wenn ich pensionsberechtigt bin. Geht das??? Bei die Politiker funkts ja auch. Die versilbern unser Land haften für andere Länder und waschen ihre Hände in Unschuld.


Verschwendung von Steuergeldern sollte allgemein strafbar sein!

Das wäre für uns alle sehr schön: Einerseits käme es dann nicht zu so unnützen Dingen wie dem sogenannten Rettungsschirm, der uns alle für die Zockerei verantwortungsloser Menschen in Geiselhaft nimmt. Andererseits wäre das Publikum in den Gefängnissen dann ein wenig gemischter ;)
Ich bin schon sehr neugierig, an welchen illegalen Absprachen österreichische Banken wieder einmal beteiligt sind – das kann man daran erkennen, wie schnell der Fall Barclays aus unserer Berichterstattung verschwindet ...

Bislang steckte der Steuerzahler 4,5 Mrd. Euro in die Rettung der Kommunalkredit

Ja unfreiwillig!

Alle wussten, dass dies komplett umsonst ist, nur unsere präpotenten, ferner aller Intelligenz auftretenden Politiker nicht, dafür gehören die Verantwortlichen auf Schadenersatz geklagt!

Bislang steckte der Steuerzahler 4,5 Mrd. Euro in die Rettung der Kommunalkredit

Ja unfreiwillig!

Alle wussten, dass dies komplett umsonst ist, nur unsere präpotenten, ferner aller Intelligenz auftretenden Politiker nicht, dafür gehören die verantwortlich auf Schadenersatz geklagt!

Was erlauben IWF???

Welche Bank in Ö gerettet, saniert oder verkauft wurde und wird, bestimmt immernoch der Christian Konrad und sonst niemand!!

Da braucht sich niemand vom IWF einmischen...

Kominsch ist nur, dass der Konkursbanker Kulterer ins Gefängnis kommt und z.B: die Claudia Schmied ein schönes Amterl (samt ein paar Orden) in der Regierung!

Antworten Gast: Fprester
03.07.2012 07:50
2 0

Re: Was erlauben IWF???

Bin gleicher Ansicht. Das ist nun doch ein internes Problem Österreichs und geht den IWF nichts an. Ob Österreich zu viele oder zu wenige Banken hat, ist doch aus internationaler Sicht völlig belanglos.


1 1

...so ein Blödsinn

und wo bleibt dann der Wettbewerb?
wird unsere Frau Wirtschaftsminister danach die Zinsen wie die Spritpreise fixieren?

Gast: donso
03.07.2012 04:17
0 0

Warum sind die Staatsbanken marode?


Antworten Gast: Mundl
03.07.2012 07:59
3 0

Re: Warum sind die Staatsbanken marode?

Einfach:

Weil Sie von Politikern geführt werden.

Antworten Antworten Gast: donso
03.07.2012 13:02
0 0

Re: Re: Warum sind die Staatsbanken marode?

Sind die Banken dahinter schon immer von Politikern geführt worden?

- oder haben diese die Banken in schlechtem Zustand übernommen/übernehmen dürfen?

- bzw. wenn Politiker diese schlecht geführt haben-
warum haben diese nicht ein paar Bankgeschäftsführer angestellt?
Kann mir nicht vorstellen, dass diese die Banken wirklich geleitet haben.

Gast: Mai
03.07.2012 00:14
0 0

Unverständlich

Ich warte noch immer auf das Ergebnis der Untersuchungen zur Kommunalkredit.

Und die Darstellung der Verantwortlichkeiten von Frau BM Schmied.

Alle sind herzlich eingeladen:
"Ich lade Sie ein, mit dem BMUKK in Kontakt zu treten und uns Anregungen, Kritik und sonstige Mitteilungen zu übermitteln."

Gast: wer wenn nicht er
03.07.2012 00:14
1 0

"zu viele Bankfilialen"

Na ob da die Schließung von ÖVAG, Kommunalkredit und HAA was bringen würde?

Meines Wissens sind die großen Filialnetze eher bei den kleinen dezentralen Raiffeisen- und Sparkassen-Instituten gegeben (alleine 560 unabhängige Raiffeisenbanken).

ÖVAG als Spitzeninstitut hat wahrscheinlich KEINE Filialen, Kommunalkredit vermutlich ebenso. Die HAA hat ganze 15 Filialen in Kärnten.

Der seit ca. 20 Jahren laufend erfolgende Mitarbeiterabbau der Banken (durch Pensionierungen) wird klarer Weise noch weiter gehen, die Rationalisierungen haben aber ihre Grenzen...

Gast: IWF Bilderberger Group
02.07.2012 23:37
1 1

Und wenn euer Staat keine Banken mehr besitzt

ist eines unsere Ziele auf der Treppe zur Allmacht erreicht.

Gast: Plach2
02.07.2012 21:53
10 2

Nicht nur "Bankenbereinigung"

Auch "Politikerbereinigung"!

Das kleine Österreich braucht keine 94 hochbezahlte Regierungsmitglieder und über 770 Abgeordnete.

Komisch...

...dass man jetzt die Banken einfach vom Markt nehmen kann.

Wer das vor Monaten gefordert hätte wäre sofort als rechter Hetzer verunglimpft worden.

Jetzt ist es kein Problem mehr, der Steuerzahler haftet!

Antworten Gast: 666
02.07.2012 23:45
0 0

Re: Komisch... Kein Lebenslauf

A New Database of Financial Reforms. Prepared by Abdul Abiad, Enrica Detragiache, and Thierry Tressel ....

Antworten Gast: Febobo
02.07.2012 23:21
0 0

Re: Komisch...

Ja klar ist es jetzt kein Problem mehr, denn die maroden Banken wurden vom Steuerzahler übernommen. Sperrt man jetzt zu, hat nur das Volk den Schaden.

Die gesunden, gewinnbringenden Teile werfen dann für die Elite wieder die Renditen ab.

Das Volk muss halt dann bis 70 arbeiten, weil es über seine Verhältnisse gelebt hat.

test

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System gegen sie arbeitet.“ (Gebrüder Rothschild, London, 28. Juni 1863 an US-Geschäftspartner)

Gast: Baur4
02.07.2012 20:31
12 2

Beispiele: Wie immer keine Reaktion

Lt. OECD hat:
•die Republik Österreich eine der höchsten Steuerquoten der Welt (Arbeit ist unterdessen einschließlich Arbeitgeberbeiträgen mit mehr als 60 Prozent durch Steuern und Abgaben belastet); immer wieder kommen Finanzminister mit ihren Steuereinnahmen ganz dramatisch nicht aus. (Anmerkung: Grasser, Molterer, Pröll und Fekter alle ÖVP)
•Österreich eines der teuersten Schulsysteme in der OECD, dabei wird noch immer mittelmäßigeres Mittelmaß produziert;
• Österreich mit acht Millionen Einwohnern neun Herzogtümer namens Bundesländer die mit den vom Bund bereitgestellten Milliarden unverantwortlich herumwerfen können, ohne dafür irgendeine Form von Verantwortung übernehmen zu müssen.

Bis 2015 macht diese Regierung € 35.000.000.000 NEUE noch höhere Schulden und sagt dazu "sparen".

Dem Volk berichtet (wie in Nordkorea & Co) ein eigener Staatsfunk die "unabhängigen Jubelinformationen über die Regierung....


Antworten Gast: holifax
03.07.2012 08:22
3 0

Re: Beispiele: Wie immer keine Reaktion

und noch ergänzend : Österreich hat auch eines der teuersten Gesundheitssysteme !

0 1

Re: Beispiele: Wie immer keine Reaktion

agree

 
12

Hobbyökonom