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"Jackpot-Prozess": Wirbel um Video gegen Casinos

03.07.2012 | 09:46 |   (DiePresse.com)

Am Freitag geht der Prozess um den angeblichen Millionen-Gewinn eines Schweizers im Casino Bregenz weiter. Nun sorgt ein Kurzfilm für Aufregung.

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Der Prozessauftakt um den (vermeintlichen) Millionen-Jackpotgewinn eines Schweizers im Casino Bregenz hat Anfang des Jahres für großen Medienrummel gesorgt. Eigentlich hätte der Schadenersatzprozess gegen die Casinos Austria Ende April fortgesetzt werden sollen, doch die Verhandlung wurde eine Woche davor auf den 6. Juli verschoben. Seit einigen Tagen kursiert nun in der Branche ein Kurzfilm, in dem die Casinos Austria auf breiter Front angegriffen werden. (Archiv: Brisanter Streit um 43-Millionen-Jackpot)

Neben dem Anwalt des Schweizer Klägers - er outet sich gegenüber der Austria Presseagentur als Urheber - kommen darin auch ehemalige Casinos-Mitarbeiter sowie der Salzburger Spielerschützer Roman Neßhold zu Wort, die zahlreiche schwere, großteils jedoch bekannte Vorwürfe gegen die bisherige Glücksspielmonopolistin erheben. Nicht nur angesichts der laufenden Ausschreibung der Spielbanklizenzen sorgt dies für Aufruhr. Die Casinos prüfen bereits rechtliche Schritte.

Die fast 22-minütige Kurzdoku, die der Austria Presseagentur zugespielt wurde, ist professionell produziert, die Kosten dürften sich Schätzungen zufolge auf weit über 10.000 Euro belaufen. Produzenten, Urheber und dergleichen werden nicht genannt.

Scharfe Kritik am Glücksspielmonopol

Sehr ausführlich wird auf den Fall Behar Merlaku eingegangen - jener junge Bodenleger, der im März 2011 im Casino Bregenz den Automatenjackpot geknackt haben will. Das Geld - fast 43 Mio. Euro - hat er aber bis heute nicht gesehen. Die Casinos Austria verweigerten ihm die Auszahlung, weil es sich um einen Softwarefehler handle. Der Höchstgewinn an einem solchen Automaten betrage nämlich nur 4500 Euro, wird argumentiert. Merlakau verklagte daraufhin die Casinos auf 5 Mio. Euro; auf ein Vergleichsangebot der Casinos über 500.000 Euro war er nicht eingegangen. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

Die Casinos Austria hätten nach dem Vorfall den Automaten abgebaut und hielten ihn seitdem unter Verschluss, ebenso die Spielerkarte seines Mandanten, sagt Merlakus Anwalt Thomas Kerle in dem Video. Der Advokat geht in dem Film hart mit dem Glücksspielmonopol in Österreich ins Gericht, spricht zum Beispiel von "gezielter Beeinflussung" in Richtung Finanzministerium. Der Staat verleihe sich die Spielbanklizenzen "über den Umweg" Casinos Austria selbst.

Spielsüchtige zum Weitermachen aufgefordert?

Aufgegriffen werden weiters ein internes Strategiepapier der Casinos Austria zur Abwehr von Konkurrenz, über das das "Format" bereits vor Jahren berichtet hatte, sowie die sogenannten Spielerkredite - Geld also, das die Casinos lange Zeit Stammgästen vorgestreckt haben. Es grenze ans Kriminelle, dass man Spielern Geld zum Weiterzocken gebe, meint Spielerschützer Neßhold in dem Video. Er leitet das "Institut Glücksspiel & Abhängigkeit" in Salzburg, das laut früheren Angaben Neßholds unter anderem vom niederösterreichischen Automatenkonzern Novomatic - dem Erzrivalen der Casinos Austria - finanziert wird.

Massive Kritik übt die Kurzdoku vor allem am Umgang der Casinos Austria mit Spielsüchtigen bzw. deren Sperrpolitik. Zu Wort kommen da auch ehemalige Casinos-Mitarbeiter, jedoch verfremdet. Ein angeblicher Ex-Angestellter behauptet etwa, dass Gäste, die sich aufgrund ihres exzessiven Spielverhaltens selbst sperren lassen wollten, mit "Nachdruck" vom Management aufgefordert worden seien, wieder zu kommen.

Casinos Austria prüfen rechtliche Schritte

Bei den Casinos Austria kennt man das Video bereits, wie Sprecher Martin Himmelbauer der APA bestätigte. Der Konzern weist die Vorwürfe vehement zurück und hat bereits die Rechtsabteilung eingeschaltet. "Wir prüfen, inwieweit wir rechtlich gegen die Falschaussagen mancher Akteure vorgehen können." "Bemerkenswert" findet Himmelbauer, dass Rechtsanwalt Kerle "im Vorfeld einer der Wahrheitsfindung dienenden Gerichtsverhandlung bei solch einem Video mitmacht". Um Wirbel zu machen, scheuten manche offenbar auch vor "unlauteren Methoden" nicht zurück, so der Sprecher.

Es sei "mehr als irritierend", dass einige der Protagonisten "ungeniert vor laufender Kamera" interne Unterlagen der Casinos Austria präsentierten, "die mutmaßlich von einer strafbaren Handlung stammen. Auch hier wird die Justiz möglicherweise noch gefordert sein", sagte Himmelbauer.

Anwalt: "Es geht um die Konzessionen"

Der Tiroler Anwalt Kerle machte auf Nachfrage keinen Hehl daraus, dass er hinter dem Kurzfilm steckt. Wenige Tage vor Prozessfortsetzung in Vorarlberg will er offensichtlich die Aufmerksamkeit der Medien für den "Casino-Pechvogel" erneut schüren. "Es gehört breiter berichtet, es geht um die Konzessionen in den nächsten Jahren", sagte er zur APA.

Österreich musste ja nach einem EuGH-Urteil aus dem Jahr 2010 erstmals die bisher stets freihändig an die Casinos vergebenen Spielbanklizenzen europaweit ausschreiben, Konkurrent im Rennen um die Konzessionen ist der niederösterreichische Novomatic-Konzern. Mit diesem habe er aber nichts zu tun, sagte Kerle auf Nachfrage. "Weder mein Mandant noch ich stehen in irgendeinem Kontakt zum Glücksspielkonzern Novomatic oder werden von denen gesponsert."

Öffentlich machen möchte Kerle seine Doku aber nicht. Sein Ziel: Jemanden beim Fernsehen finden, "der eine längere Reportage über die Casinos Austria AG bringt". TV-Stationen im deutschsprachigen Raum hätten bereits "reges Interesse" gezeigt. Kerle schließt auch nicht aus, einen Teil zwei zu produzieren. Der erste sei lediglich "ein Schuss vor den Bug".

(APA)

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15 Kommentare
Gast: Da fählt das Video!
03.07.2012 19:25
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Wo....

...ist das Video??? Hallo, das Video würde fählen...das ist ein Fähler, Hallo, ich hab einen Fähler eindeckt!
Wer A sagt, muss auch B sagen...ich danke im voraus!

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kontrolliertes Glückspiel ?

gibt es denn wirklich noch soetwas wie Zufall und zufällige Gewinner nicht nur aus verstaatlichter Casinos ?!

Bei der Flut an Spielmöglichkeiten angefangen bei Rubbellosen bis hin zum Eurojackpot (bewusst) auch schwer bis gar nicht nachweisbar, muten derartige Nachrichten doch seltsam an !

Ich hege übrigens seit langem schon den Verdacht der Manipul.ation seitens der Betreiber, denn wie sonst könnte es in wenigen Jahren zu einer derart steigenden Anzahl von doppel und dreifach Jackpots im einfachen Lotto (6aus45) kommen ???

Als selbst ehemals betroffener Spieler kann ich jedem nur raten die Finger von ALLEN Angeboten zu lassen, oder das Geld lieber wegzuwerfen.

Antworten Gast: Kibietz
03.07.2012 21:44
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Verdachtsmomente

Da die Tipps beim einfachen Lotto (6aus45) computerunterstützt erfasst werden ist der Computer in der Lagezu errechnen bei welcher Kombinationes wieviele Gewinner gibt.

Wenn man jetzt annimmt das beider Ziehung einige Kugeln einen klein

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Re: kontrolliertes Glückspiel ?

Die gehäuften Jackpots sind mMn ganz logisch zu erklären: da es mittlerweile 4 Ziehungen pro Woche gibt (-eurolotto und 6/45) kann man einfach mit gleich eingesetztem Spielkapital nicht mehr alle Ziehungen mitmachen. Daher gibts einfach weniger Treffer und i.F. mehr Jackpots. Mit Betrug hat das wohl nichts zu tun.

Antworten Gast: Jackpotboy
03.07.2012 16:26
2 1

Re: kontrolliertes Glückspiel ?

Gehen Sie davon aus, dass jede Ziehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit (und nur von einem korrupten Notar beaufsichtigt) ein BETRUG ist.

Gast: Senf_abgeben
03.07.2012 14:40
2 1

Höchstgewinn

Wenn der Höchstgewinn bei 4.500 Euro liegt, und der Automat zeigt dann 45. Millionen an, dann muss ich als Spieler doch wissen dass da was falsch daran ist.

Polis hat das eigentlich gut dargestellt ;)

Gast: Jackpotboy
03.07.2012 13:31
4 2

Bleiben wir beim Thema

Die NICHT-AUSZAHLUNG des angezeigten Gewinnes ist jedenfalls ein Skandal. Der behauptete Softwarefehler geht zu Lasten des Betreibers.

Re: Bleiben wir beim Thema

Naja, und wenn der Automat jetzt 99 Trilliarden anzeigt, soll das auch ausgezahlt werden, oder?
Die Frage ist, welche Informationen werden dem Gast vor dem Spiel gegeben? Wird der Höchstgewinn irgendwo erwähnt? Dann wäre die Sache ohnehin klar. Mehr als Höchstgewinn wird nicht ausgezahlt, bis zum Höchstgewinn alles.
Sollte nirgends ein Höchstgewinn erwähnt werden, dann muss man sich zuerst einmal fragen, ob bei den Casinos eigentlich auch Juristen angestellt sind oder nur Scharlatane.

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Re: Dann wäre die Sache ohnehin klar. Mehr als Höchstgewinn wird nicht ausgezahlt, bis zum Höchstgewinn alles.

und was bitte, wenn das Gerät öfter als einmal (wie vorgesehen), den Höchstgewinn ausbezahlt ?

Mitte oder Anfang der 90 Jahre war ich mit meiner Ex mal in der Kärnterstrasse, und damals schon gab es Automaten mit weit höheren Gewinnversprechungen als die besagten 4600.-, nämlich bis sogar über eine Mille in Schillingen !!

Guthaben auf dem Display sind ebenso bindend wie Preise im Supermarkt, und müssen demnach ebenso ausbezahlt oder an der Kasse bezahlt werden !

Das sind eben die Gesetze und Risken der Betreiber, welche ja auch nicht danach fragen wieviel man sich leisten kann zu verspielen !
Den genannten Spielerschutz gibt es nämlich auch nur auf dem Papier, da die Einnahmen aus dem Glückspiel seitens der Gemeinden mehr als benötigt werden !

Antworten Antworten Antworten Gast: Casinoangestellter
03.07.2012 16:44
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Re:

"und was bitte, wenn das Gerät öfter als einmal (wie vorgesehen), den Höchstgewinn ausbezahlt ?"

Jedes Spiel ist für sich eine eigene Gewinn/Verlustentscheidung. Wenn zweimal hintereinander der Haupttreffer fällt - an diesem Gerät 4.500 Euro - so wird er auch ausbezahlt.

"und damals schon gab es Automaten mit weit höheren Gewinnversprechungen als die besagten 4600.-, nämlich bis sogar über eine Mille in Schillingen !!"

Das war der Austria Jackpot, der nur an bestimmten, extra gekennzeichneten Geräten zu erspielen war. Diese Geräte waren auch österreichweit vernetzt.

"Guthaben auf dem Display sind ebenso bindend wie Preise im Supermarkt, und müssen demnach ebenso ausbezahlt oder an der Kasse bezahlt werden !"

Das ist so nicht richtig.
Sollte die Supermarkt/Tankstellenkassa bei Ihrem Einkauf durch einen Softwarefehler eine Summe von 43 Millionen anzeigen, werden Sie auch nicht bezahlen und auch nicht erwarten, dass Sie der Betreiber darauf klagt.

P.S.: In keinem österreichischen Casino wird ein Gewinn von 43 Millionen Euro ausgelobt.

Antworten Antworten Gast: Casinoangestellter
03.07.2012 15:32
1 0

"Wird der Höchstgewinn irgendwo erwähnt?"

Ja!

Die Auszahlungsquoten und die jeweiligen Höchstgewinne stehen direkt auf dem Display.

Antworten Antworten Antworten Gast: Jackpotboy
03.07.2012 16:24
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Fehlanzeige

das ist so nicht richtig: Es gab zu bestimmten Zeiten (meist um Weihnachten) auch "vernetzte" Automaten, wo alle Automaten von Velden bis Wien "gekoppelt" wurden um einen höheren Jackpot auszubezahlen als den üblichen.

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Re: Fehlanzeige

der besagte Automatentyp bei dem Hr. Berlaku gespielt hatte ("dolphins pearl´s"), hat die Höchstgewinnsumme sogar AUFGEDRUCKT - mitten vor der Nase. Im besten Fall gewinnen Sie 90000 credits zu 0,05 Euro. Wenn dieser Prozess nicht von der Konkurrenz initiiert ist, weiss ich auch nicht mehr...(ein Film wird produziert mit über 10.000,- Produktionskosten - die hat der Anwalt wohl selbst ausgelegt...)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Casinoangestellter
03.07.2012 16:46
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Re: Fehlanzeige

Nicht nur zu Weihnachten. Immer!
Derzeitiger Name: Mega Million Jackpot

Na schau, die Casinos Austria betreiben Gewinnoptimierung

welch eine Überraschung!


Hobbyökonom