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Immofinanz-Affäre: Erster Prozess startet im Herbst

08.07.2012 | 18:05 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Ex-Konzernchef Karl Petrikovics und vier Angeklagten wird Untreue vorgeworfen. Mittels hochriskanter Transaktionen der CPB mit Immofinanz/Immoeast-Aktien und -Optionen sollen die Kurse nach oben getrieben worden sein.

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Die Buwog-Affäre um den Verkauf der 58.000 Bundeswohnungen, der Telekom-Skandal um Korruption und Parteienfinanzierung und die Malversationen rund um die Constantia Privatbank (CPB) und die von ihr beherrschte Immofinanz/Immoeast – das sind die drei Mega-Strafverfahren, die die Republik seit Jahren beschäftigen. Während bei Buwog und Telekom nicht einmal ein Ende der Ermittlungen in Sicht ist, wird es in der Causa Immofinanz spannend: Vier Jahre nach dem Start der Ermittlungen im November 2008 beginnt im Herbst der erste Prozess.

Mittels hochriskanter Transaktionen der CPB mit Immofinanz/Immoeast-Aktien und -Optionen sollen die Kurse nach oben getrieben worden sein. Als die Immobilienblase 2008 platzte, rasselten die Kurse in den Keller und die Gesellschaften verloren 95 Prozent ihres Werts. Als die Aktienrückkäufe im großen Stil bekannt wurden, war das Vertrauen in die Gesellschaft erschüttert. Die Gruppe war am Rand des Ruins und tausende Anleger wurden schwer geschädigt. Deshalb laufen parallel zum Strafverfahren, bei dem es um Untreue in mehrfacher Hinsicht, um Abgabenhinterziehung, Bilanzfälschung und Betrug zum Nachteil der Anleger geht, auch tausende Schadenersatzverfahren geschädigter Aktionäre.

Bis zu zehn Jahren Haft

Im nunmehr ersten Prozess geht es um Aktienoptionsgeschäfte, die einen Schaden von 32 Mio. Euro verursacht haben sollen. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft dem ehemaligen Chef der Gruppe, Karl Petrikovics, Norbert Gertner (Ex-Vorstand), Christian Thornton (Ex-Vorstand), Helmut Schwager (Ex-Aufsichtsrat) und Ernst Hable (Ex-Steuerberater) Untreue sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Das Strafausmaß beträgt bis zu zehn Jahre Haft.

Den Weg vor Gericht ebnete der Hauptangeklagte Petrikovics selbst: Er hat vor wenigen Tagen seinen Einspruch gegen die Teilanklage beim Oberlandesgericht Wien (OLG) zurückgezogen. „Wir erwarten den Akt in wenigen Tagen und können dann die Hauptverhandlung ausschreiben“, sagt die Sprecherin des Landesgerichts Wien, Christina Salzborn, zur „Presse“. Auf einen genauen Termin will sie sich nicht festlegen, allein wegen des „gewaltigen Umfangs“ des Ermittlungsmaterials, in das sich der noch nicht nominierte Richter einarbeiten müsse. Die ursprünglich bestimmte Richterin Beatrix Hornich ist nämlich inzwischen in Karenz. „Ich halte einen Prozessbeginn noch im Herbst für möglich“, sagt Salzborn.

 

120 Ordner und sechs Container

In der Tat hat das Material, das Staatsanwalt Volker Sackmann unter der Aktenzahl 611 St 25/08x zusammengetragen hat, enorme Ausmaße. Es gab rund 50 Verhöre von Beschuldigten und etliche Zeugenvernehmungen, hunderte Konten wurden geöffnet, mehrere hundert Firmen untersucht und etliche Razzien durchgeführt. „Der Akt besteht aus aus 120 Ordnern samt sechs Containern, an elektronischen Daten wurden 270 Terabyte sichergestellt“, berichtet Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung. Allein für das erste Verfahren hat Sackmann 19 Zeugen nominiert.

Sackmann stützt sich in der Causa auf ein umfangreiches Gutachten von Wirtschaftsprüfer Gerhard Altenberger. Dieser hat alle dubiosen Transaktionen im Dunstkreis der CPB, der Immofinanz/Immoeast und vieler mit diesen verflochtenen Firmen akribisch durchforstet. Den Schaden beziffert Altenberger in Summe mit 160 Mio. Euro. Im konkreten Fall soll es für die von Petrikovics, Gertner und Schwager getätigten Optionsgeschäfte auf Immofinanz/Immoeast-Aktien keinen formalen Beschluss des Aufsichtsrates gegeben haben. Steuerberater Hable soll als Treuhänder fungiert haben. Die Beschuldigten behaupten das Gegenteil.

Petrikovics spielt auch in der Buwog-Affäre eine Schlüsselrolle – deshalb war er auch im parlamentarischen Korruptionsausschuss geladen. Die Immofinanz hat Peter Hochegger und Walter Meischberger rund zehn Mio. Euro Provision für Informationen im Bieterverfahren gezahlt.

Auf einen Blick

Der erste Prozess in der Causa Immofinanz startet im Herbst. Angeklagt ist der einstige Chef der Constantia Privatbank und der von ihr gemanagten Immofinanz/Immoeast, Karl Petrikovics, drei weitere Manager und ein Steuerberater. Sie sollen mittels Aktienoptionsgeschäften einen Schaden von 32 Mio. Euro verursacht haben. Es geht um Untreue und die Bildung einer kriminellen Vereinigung. Den Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahren Haft. Petrikovics hat seinen Einspruch gegen die Anklage zurückgezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)

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12 Kommentare
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Immofinanz-Affäre: Erster Prozess startet im Herbst

und Frau Bildungsministerin, wird da nicht einmal erwähnt ?

Man konzentriert sich halt weiterhin auf Hochegger und Meischberger, deren Namen heute völlig egal sind, klammert aber wissentlich und bewusst MittäterInnen welche nun in sehr hohen Ämtern sitzen aus ?!

Gast: Geschädigter
09.07.2012 12:57
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Die Zusammenarbeit der Immofinanz mit dem AWD ist auch interessant...


Antworten Gast: Geschädigter8
11.09.2012 14:23
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Re: Die Zusammenarbeit der Immofinanz mit dem AWD ist auch interessant...

Ja, nur kann man leider AWD Berater nicht klagen, denn die haben selber nur auf "Auftrag" gearbeitet, oder...??
Was tun, wenn in 13 Jahren der Tilgungsträger eben nicht die erforderliche Deckungssumme aufweisen wird...?? Bis dahin auf ein Wunder warten und Tee trinken oder bald umwandeln??

Gast: Osvaldo Ardiles
09.07.2012 11:59
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sehr wirr

Ich muss einem Vorposter Recht geben. Der Artikel ist gelinde gesagt sehr missverständlich.

1. Wie kann man durch Optionen Kurse in die Höhe treiben? Das geht gar nicht.

2. Es geht in der Anklage überhaupt nicht um Anleger bzw. Kursmanipulation, sondern es geht um aufzuklärende Vorgänge im Rahmen der Constantia Bank und die Frage: War das Untreue zum Schaden der Eigentümerin oder nicht? Es geht nicht um die Anleger der Immofinanz. Warum das hier suggeriert wird, verstehe ich nicht. Da tut man den leidgeprüften Anlegern imho nichts Gutes.

Hier ein informativerer Link:

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/unternehmen/wien/immofinanz-teilanklage-umfasst-sechs-kernpunkte-501119/index.do

3. Daneben gibt es Zivilverfahren, wo es tatsächlich um die Immofinanz und dem Vorwurf der Kursmanipulation geht. Der Gerichtsgutachter hat das aber verneint - ist mittlerweile rechtskräftig. Interessant wäre hier ein Blick auf die AWD-Verfahren. Das wäre viel interessanter. Aber genau darüber liest man hier nichts. Schade.

Hier ein informativerer Link:

http://aktien-portal.at/shownews.html?id=27333&s=Immofinanz-Constantia-Privatbank%3A-Anlegerklage-abgewiesen-%96-Keine-Kursmanipulation

Nicht falsch verstehen: Bin an sich begeisterter Presse-Leser und bin nicht gewohnt, dass andere Medien besser berichten. Aber dieser Artikel ist leider wirklich schwach und weckt v.a. falsche Hoffnungen.


Antworten Gast: sassati
09.07.2012 12:59
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Re: sehr wirr

Danke für dieses informative Posting.

Ich weiß schon, warum ich nicht nicht mehr allein auf unkommentierte Print-Ausgaben verlasse...

Bezeichnend, dass so manche Poster sich mehr mit Themen beschäftigen als Journalisten

Auch so ein Gierling.....

......der nicht schnell genug das Maximum zusammenraffen und in die eigenen Taschen stecken konnte. Liebe Journalisten-begreift doch endlich, dass Lug und Betrug sowie unermessliche Raffgier in der österreichischen Wirtschaft längst "part of the game" geworden sind. Füttert die normalssterbliche Bevölkerung bitte nicht mehr mit solchen Meldungen- das führt nur zu weiterer Frustration und Wut !

Gast: Besucher
08.07.2012 21:55
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Gast

Ein Prozess jagt den nächsten und nichts kommt heraus oder ändert sich. Verschont eindlich das Volk mit diesen Schwachsinn.

3 0

Endlich auch der Strafprozess

Das Handelsgericht Wien hat den geschädigten Anlegern bereits in zahlreichen Prozessen Schadenersatz zugesprochen und in den Urteilen das unredliche und gesetzwidrige Verhalten der Vorstände der Constantia Privatbank bestätigt. Es ist an der Zeit, dass sich die Mitglieder des Vorstandes endlich auch strafrechtlich verantworten müssen!

Antworten Gast: Geschädigter8
11.09.2012 14:20
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Re: Endlich auch der Strafprozess

Wohin bitte wenden, um herauszufinden, ob man wirklich Immofinanz bzw Constantia Geschädigter ist?? Vielen Dank!

Gast: b754
08.07.2012 19:53
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lauter unschuldsvermutungen

die nichts mit der fpövp zu tun haben

Gast: onetoni
08.07.2012 19:17
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Petügovics

Ich freu mich diesen feinen Herren ENDLICH auf der Anklagebank sitzen zu sehen; es gibt doch so etwas wie Gerechtigkeit. Auch wenn er bis dahin in seinem Geld schwimmt

Antworten Gast: sassati
08.07.2012 19:53
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Re: Petügovics

Mal sehen, wie es ausgeht. Bin gespannt.

Ein Wort zum Artikel. Der ist leider katastrophal. Es werden Äpfel mit Birnen vermischt. Es werden Dinge aneinander gereiht und völlig verdreht miteinander vermischt. So kennt sich kein Leser aus.

Unabhängig von dem spannenden Sachverhalt: dieser Artikel ist einer “presse“ nicht würdig.

Hobbyökonom