Mayr-Melnhof: Schon das Öffnen muss Spaß machen

12.07.2012 | 18:18 |  von Eva Steindorfer (Die Presse)

Wer sagt, dass ein Faltschachtelwerk nicht aufregend sein kann, sollte bei Mayr-Melnhof Packaging in Floridsdorf vorbeischauen. Hier trifft Kreativität auf Effizienz.

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Wien. Die Besichtigung eines Faltschachtelwerkes steht bei vielen Menschen wohl nicht ganz oben auf der Wunschliste. Zu Unrecht: Der Vergleich mit dem Film „Charly and the Chocolate Factory“ ist beim Verpackungswerk von Mayr-Melnhof in Wien Floridsdorf gar nicht so weit hergeholt. Nur leider lässt sich das fotografisch für die Nachwelt nicht festhalten. Denn wegen der strengen Hygienevorschriften darf nur ein kleiner Teil der Fabrik fotografiert werden.

Am unterhaltsamsten ist die Testabteilung. Hier lassen sich eigens ausgebildete Testesser Schokostreusel am Gaumen zergehen, um festzustellen, ob sie nicht vielleicht Kartongeschmack angenommen haben. Das sollte natürlich nicht der Fall sein. Verschiedene Maschinen prüfen die Verpackungen auf Reißfestigkeit, optimale Aufmachbarkeit und Faltbarkeit. Das ist jedoch bereits das Ende der zahlreichen Etappen, die eine Verpackung durchläuft, bis sie im Werk für den Kunden zur Abholung bereitsteht. Schön fürs Auge ist auch die Folienprägung. Hier werden, meist Pralinenherstellern der edleren Sorte, goldene Schriftreliefs auf die Packungen geprägt. In langen Schlangen spuckt die Maschine Goldfolie aus, aus der dann diverse Schriftzüge gestanzt und auf die Verpackung geklebt werden.

Faltschachteln gibt es in allen möglichen Formen und Farbschattierungen. Ob für Frühstücksflocken, Zigaretten, Waschmittel oder Konfiserie: „Die Kunden wünschen sich immer öfter ausgefallene Formen. Zum Beispiel runde oder konische Elemente“, sagt Bereichsleiter Gerhard Novotny.

Das richtige Schokoladenlila

Das Öffnen der Verpackung soll zum ersten freudigen Erlebnis werden, gerade wenn es um Genussartikel geht. Deshalb steht am Anfang jedes Produktionsprozesses die Musterentwicklung: „Viele Kunden kommen schon mit den Entwürfen der Produktdesigner zu uns. Wir machen den Entwurf dann produktionsstauglich“, erklärt Novotny, während auf den Bildschirmen der Grafiker zweidimensionale Faltmodelle erscheinen. Auch bei den Farben haben manche Kunden ganz besondere Ansprüche.

Ein Schokoladeproduzent legt zum Beispiel größten Wert auf einen genau definierten Lilaton, der nicht vom Standard abweichen darf. Viele Produktionsschritte sind voll automatisiert. So kann die Produktion rund um die Uhr laufen und erreicht maximale Effizienz. Und das ist auch nötig, denn die wirtschaftliche Flaute bekommt auch der Kartonhersteller zu spüren.

Im Vorjahr konnte das Unternehmen die gesamtwirtschaftliche Abschwächung im Faltschachtelgeschäft dank des anhaltend hohen Privatkonsums noch einigermaßen abfangen. Diese Stabilität war allerdings zu einem großen Teil Preiserhöhungen geschuldet, mit denen Mayr-Melnhof seinerseits auf die steigenden Rohstoffpreise reagierte. Größere Probleme gab es im Kartongeschäft: In der zweiten Jahreshälfte 2011 waren Aufträge und Ergebnis rückläufig. Auch im ersten Quartal 2012 setzte sich dieser Trend fort.

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Kunden bunkern nicht mehr

„Die Boomjahre, in denen Rohstoffe gebunkert wurden, sind vorbei“, sagt MM-Vorstand Wilhelm Hörmanseder. Dieser Umstand verlange von MM maximale Flexibilität in der Planung. Effizienzsteigerung stehe daher ganz oben auf der Tagesordnung bei Mayr-Melnhof: Und das betrifft nicht nur das Material, sondern auch die Mitarbeiter. Die Kunden agieren vorsichtiger, planen kurzfristiger, wollen eine schlanke Versorgungskette. Wenn ein Werk den gestiegenen Anforderungen an die Effizienz nicht genügt, dann wird zugesperrt. Wie in Liverpool im März dieses Jahres, als 161 Mitarbeiter den Hut nehmen mussten:

„Die Wettbewerbsfähigkeit war nicht mehr gewährleistet“, hieß es dazu bei MM. In Österreich, auch kein günstiger Standort, sei die Produktivität jedoch nach wie vor gegeben. Das habe man vor allem den ausgezeichnet ausgebildeten Facharbeitern zu verdanken.

Der nächste Beitrag von Global Players erscheint am 27.7. 2012.

Auf einen Blick

Kartonbarone: Die Mayr-Melnhof AG ist mit 38 Produktionsstandorten in 17 Ländern vertreten. MM ist Weltmarktführer in gestrichenem Recycling-Karton und europäische Nummer eins in der Faltschachtelproduktion. Den schwierigen Bedingungen auf dem europäischen Markt begegnet man mit Expansion. Der Fokus liegt jetzt auf Lateinamerika und Fernost.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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1 Kommentare
Gast: RedRuger
13.07.2012 09:21
0 0

Dort arbeiten ist nicht ganz so spaßig ...

http://www.kununu.com/at/wien/4-wieden/dp/mayr-melnhof

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