Wien/Eid/Sat. Das Säbelrasseln rund um die Metaller-Lohnrunde beginnt heuer mitten im Sommer – und der Grund ist nicht allein die deutlich abkühlende Konjunktur. Seit der Fachverband Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) bekannt gab, aus dem seit 40 Jahren bestehenden Verhandlungs-Verbund mit fünf weiteren Verbänden und insgesamt 180.000 Beschäftigten auszuscheren, ist bei der Gewerkschaft Feuer am Dach. Zumal auch die anderen Branchen getrennte Kollektivvertragsrunden anstreben. Am Donnerstag bekräftigte dies der Obmann des Fachverbands Bergbau-Stahl, Franz Friesenbichler.
Für Rainer Wimmer, den Bundesvorsitzenden der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) und Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, kommt die Vorgangsweise einer „Kriegserklärung“ gleich. Er ortet hinter der Aufspaltung eine klare Strategie der Arbeitgeber. „Sie wollen unsere Position schwächen und so einen niedrigen Abschluss durchdrücken“, sagt Wimmer zur „Presse“. Im Vorjahr fiel die KV-Runde mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 4,2Prozent üppig aus. Wimmer fürchtet zudem, dass die Rahmenvereinbarungen bei der Arbeitszeit aufgebrochen werden könnten.
Wimmer setzt jedoch genauso wie Karl Proyer von der GPA darauf, dass die Fachverbände wieder auf eine gemeinsame Linie einschwenken. Sechs einzelne KV-Runden seien nicht durchdacht. Derzeit liefen Gespräche mit den Wirtschaftskammer-Vertretern.
Entscheidung im August
„Wir werden bis zum Umfallen verhandeln“, meint Wimmer. Sollte sich jedoch abzeichnen, dass die Arbeitgeber auf eine Zertrümmerung des gemeinsamen KVs abzielen, „dann werden wir Kampfmaßnahmen ergreifen“. Anfang August soll dazu auf einer Sitzung der Gewerkschaftsführung eine Entscheidung fallen. „Ein Zerfall der Metaller-Lohnrunde ist ein sehr bedenklicher Schritt, der uns 40 Jahre zurückwirft und die Sozialpartnerschaft schwer belastet“, erklärte ÖGB-Präsident Erich Foglar dazu am Donnerstag. Man befinde sich in einer „kritischen Situation“.
Die Arbeitgeber sehen das naturgemäß anders: Sie halten getrennte Verhandlungen für wirtschaftlich notwendig, weil sich die Branchen – neben Maschinen-Metall und Bergbau-Stahl sind das die Gießerei-, Fahrzeug- und Nichteisen-Metallindustrie sowie die Gas- und Wärmeversorger – unterschiedlich entwickelten.
Jede müsse sich auf spezifische Rahmenbedingungen einstellen, meinte FMMI-Obmann Christian Knill im Frühjahr, als der Fachverband seine Pläne ankündigte. Als die Elektro- und Elektronikindustrie 2003 ausscherte, habe es auch keine Probleme gegeben. Die Gewerkschaft wiederum führt ins Treffen, dass schon bisher innerhalb des Metaller-KVs Einzelabschüsse für die Branchen fixiert worden seien.
Abseits der Diskussion um den KV erwartet der Fachverband Bergbau-Stahl heuer für seine 200 Mitgliedsbetriebe einen Ertragsrückgang. Der Umsatz soll bei rund acht Mrd. Euro stagnieren. Die Zahl der Beschäftigten dürfte ebenfalls bei 15.000 bleiben. Von Kurzarbeit sei man „weit entfernt“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)
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