Hypo-Abwicklung würde mindestens fünf Milliarden Euro kosten

20.07.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Die Löcher bei den angeschlagenen Staatsinstituten werden immer größer. Der Bund muss sich auf neue Milliardenhilfen einstellen.

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Wien/Höll. Bei den beiden Staatsbanken Hypo Alpe Adria und KA Finanz tun sich weitere Löcher auf. Es ist wahrscheinlich, dass der Bund noch einmal Geld zuschießen muss. Auf Anordnung der EU-Kommission hat die Hypo Alpe Adria mehrere Szenarien durchgerechnet, wie stark die Belastung für den Staat ausfallen könnte.

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Bislang hat der Steuerzahler 1,5 Mrd. Euro in die Rettung des Klagenfurter Instituts investiert, hinzu kommen noch Haftungen von 18 Mrd. Euro durch das Land Kärnten und den Bund. „Die Presse“ listet die Zukunftsszenarien für die Hypo auf:

• Sofortige Abwicklung: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor Kurzem empfohlen, Teile der österreichischen Staatsbanken abzuwickeln und vom Markt zu nehmen. Denn Österreich sei schon jetzt overbanked. Das Land verfüge über zu viele Bankmitarbeiter und Filialen, so der IWF. Die Berechnungen, wie viel eine sofortige Hypo-Schließung kosten würde, gehen weit auseinander.

In einem internen Hypo-Strategiepapier ist von fünf Mrd. Euro die Rede. Hypo-Chef Gottwald Kranebitter nannte vor einem Monat sechs Mrd. Euro. Nicht ganz so optimistisch ist die Nationalbank, die laut einem „Format“-Bericht auf zehn Mrd. Euro kommt. Ein Sprecher der Nationalbank will sich dazu nicht äußern.

Kranebitter sagte am Donnerstagabend bei einem Gespräch mit Chefredakteuren österreichischer Medien, dass eine sofortige Liquidation für den Staat die teuerste Variante wäre. Er befürworte ein solches Crash-Szenario nicht.

 

Nationalbank prüft wieder

• Optimistische Variante: Selbst in der optimistischen Variante müsste der Steuerzahler heuer noch einmal bis zu 1,5 Mrd. Euro in die Hand nehmen. Denn Nationalbank und Finanzmarktaufsicht ordneten an, dass die Hypo bis Jahresende ihre Eigenmittelquote auf 12,04 Prozent erhöht, um alle Risken abzudecken.

Im Vorjahr hat die Aufsicht festgestellt, dass bis zu 1,5 Mrd. Euro notwendig sind, um die Lücke zu füllen. Im Herbst werden die Prüfer der Nationalbank das Kärntner Institut erneut unter die Lupe nehmen. Dann wird sich zeigen, wie hoch der tatsächliche Geldbedarf ist. Kranebitter will sich gegenwärtig auf keinen Betrag festlegen.

• Mittelfristige Planung: Zusätzlich zu den 1,5 Mrd. Euro könnte die Hypo zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zwei Mrd. Euro für Wertberichtigungen bei den Tochterbanken in Osteuropa brauchen. Denn die Bank ist vor allem in Ländern, denen es wirtschaftlich nicht besonders geht, vertreten. Slowenien, Kroatien und Serbien werden 2012 in die Rezession schlittern. Normalerweise bekommt eine Bank nach Erhalt der Staatshilfe von der EU-Kommission fünf Jahre Zeit, um die Restrukturierung abzuschließen. Demnach müsste bei der Hypo der Verkauf der Osttöchter bis Ende 2014 über die Bühne gehen. Verbessert sich aber bis dahin die Lage nicht, müssten die Tochterbanken unter den Buchwerten veräußert werden. Dies hätte Abschreibungen von mindestens zwei Mrd. Euro zur Folge.

Daher verhandelt Kranebitter mit der EU, um mehr Zeit für den Verkauf zu bekommen.

Auch bei der KA Finanz, der Bad Bank der Kommunalkredit, soll der Bund Finanzkreisen zufolge 500 Mio. Euro zuschießen, um Verluste aus hoch riskanten Geschäften abzufedern. „Kein Kommentar“, heißt es dazu im Finanzministerium. Bislang hat der Staat bei Kommunalkredit, KA Finanz, ÖVAG und Hypo 4,5 Mrd. Euro investiert. Hinzu kommen Haftungen in Milliardenhöhe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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21 Kommentare
Gast: Test Again
24.07.2012 12:58
0 0

Mehr Geld?

...soll doch auch mal das Direktorium der Nationalbank und die hohen Herren der FMA direkt einzahlen, und die ORANGE Clique nicht vergessen...die belügen uns alle!!!

Gast: irgendwaslaeuftschief
21.07.2012 16:23
0 0

seltsame Logik

bei Konkurs wird das, was vorhanden ist, versilbert und die Gläubiger anteilsmässig ausbezahlt - punkt

Warum sollte es bei der HGAA anders sein? die Haftungen müssten überprüft werden, ob diese verbindlich sind, und überdies müssten auch die Verantwortlichen zur Haftung herangezogen werden, dann dürten wohl keine 5 Milliarden an Kosten mehr übrig bleiben

Wo kann man die tolle Berechnung der angeblichen 5 Milliarden nachlesen?


Gast: irgendwaslaeuft
21.07.2012 02:38
2 0

wer denn nun schon wieder

hat diese zahlen "gutachterlich" festgestellt? Wohl wieder das Gespann Altenberger-Siart - die schon birnbacherst Millionenhonorar für angemessen begutachtet haben - auch hier offenbar "auftragsgemäss"


Gast: growing_grass_listener
20.07.2012 23:13
3 0

Sofort abwickeln,

wegen Alternativlosigkeit!
Oder soll der Bürger noch mehr zahlen? Jeder weitere Tag kostet unglaubliche Summen.

Selbst wenn es jetzt nur noch ein "paar" Milliarden sind, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

Bereits seit langer Zeit wussten die Bürger, dass die HAA noch öfter Hilfe brauchen wird - nur unsere Wirtschaftsweisen und Politiker wussten es scheinbar nicht!
Und die Story wird noch lange nicht zu Ende sein - deshalb: ABWICKELN!!

5 3

Danke Pröll Junior für die tolle Rettung!

Na, wer hat nun davon profitiert das die Bayern die Bank losgeworden sind?

Jede Bankenverstaatlichung ist Diebstahl am Steuerzahler!

Antworten Gast: TT1
20.07.2012 21:06
5 0

Re: Danke Pröll Junior für die tolle Rettung!

Und ich dachte, der Haider Jörg und die FPÖ haben dieses Milliardengrab geschaufelt. Der, der uns nie belogen hat.

Re: Re: Danke Pröll Junior für die tolle Rettung!

... das ist schon richtig, dass der Jörgl und seine Kumpanen für die Misswirtschaft verantwortlich sind.

Und Kulterer und Co, sollten für ihre Gier und Managementfehler zur Verantwortung gezogen werden.

Jedoch hat der Haider die Bank (rechtzeitig) wenn auch unter fragwürdigen Aspekten die Hypo an die Bayrischen Landesbank verkauft...

Warum nun der österr. Steuerzahler zum Handkuss kommt, dass kann halt nur der Pröll Jun. erklären...

Oder der Christian Konrad, nur den traut sich ja keiner Fragen...^^

Sind ja nur 5 Mrd.! Pff... kein Problem für den österr. Steuerzahler. Muss mann) halt im Hamsterrad einen Zahn zulegen...

Antworten Antworten Antworten Gast: Österreichischer Steuerzahler
21.07.2012 13:08
1 1

Re: Re: Re: Danke Pröll Junior für die tolle Rettung!

Ohne Verstaatlichung wäre die Hypo Konkursreif gewesen. Laut Bürgschaftsvertrag des Landes Kärnten mit den Gläubigern der Hypo wären die daraus resultierenden Haftungen 2009 über 21 Miliarden EURO bereits bei ERÖFFNUNG eines Insolvenzverfahrens schlagend geworden.

Ohne Pröll wäre heute auch Kärnten insolvent.

Mit Konrad hatte die Hypo absolut nichts zu tun!

Gast: Man könnte ja bei den Behinderten und Armen noch ein paar Euro einsparen.....FRÜHER wurden Banckster eingesperrt, HEUTE werden sie belohnt!....WARUM???
20.07.2012 15:41
1 1

ich frage mich schon länger ganz etwas anderes......

....WO werden die Erdlöcher sein, von denen man die 3löcher rausholen wird.......in Südamerika?(Chile?).....Südafrika?.....Russland?.....Attnang-Puchheim?.....

Gast: wie wahr
20.07.2012 14:46
1 0

Es gebe eine Verantwortung für den Finanzplatz, eine unternehmerische Verantwortung, so Fekter, "und ich trage die Steuerzahler-Verantwortung."


Kärntner Hypo wird wohl weitere Milliarden brauchen


Aber die Verantwortlichen putzen sich ab: das BZÖ, die FPK, die ÖVP und FPÖ.

Die Sonne lacht über Kärnten - nur, jetzt mit einer völlig anderen Bedeutung!

Re: Kärntner Hypo wird wohl weitere Milliarden brauchen

es ist ein altes Muster: die Gruppe/Partei, die lange zusehen musste wie die anderen sich alles aufteilten, kaum kommt sie dran, macht sie es besonders extrem, um aufzuholen; all die jahr hatte man sich ja geärgert, das man nicht mitnaschen konnte :-)

Um das Muster zu brechen, muss man ehrlich sein und alle entlarven-das System entblößen, nicht immer nur die die jeweils gerade leicht zu erwischen sind.

Kärnten ist

eben das Griechenland Österreichs,aber vermutlich noch korrupter?

Re: Kärnten ist

was ich besser kenne, halte ich schnell für das beste (Land etc) oder das schlechteste

Wenn das wirtschaftliche Umfeld schlechter ist als erwartet dann werden auch die maroden Staaten mehr Geld brauchen

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/politik/petition-vorabpruefung-von-voelkerrechtlichen-vertraegen-d224564.html

6 1

Kommentar vom März 2010


Die Verstaatlichung hat kein einziges Problem gelöst. Lediglich die Hauptgeschädigten wurden ausgetauscht. Nicht die bayerischen Steuerzahler, sondern die österreichischen.

Der Gesamtschaden der Hypo AA wird 10 Milliarden übersteigen. Eventuell sogar noch höher, wenn wesentliche Teile der Haftung Kärntens schlagend werden.
Wenn das gesamte derzeitige Kreditportfolio 42,7 Milliarden ausmacht, dann kann der Gesamtschaden sogar 20 Milliarden erreichen.

Danke Herr Pröll, dass wir das zahlen dürfen. Für Kindergärten, Mindestsicherung und Universitäten ist dann tatsächlich kein Geld mehr da.

Ein Faß

ohne Boden

Dank Jörg Haider und seine Bubalan!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
20.07.2012 12:26
5 0

Re: Ein Faß voller Horror!

Diese Bank, wo Parteibonzen Kapitalisten spielen wollten, hat einen gewaltigen Schaden über Österreich gemacht. Die, sozialdemokratisch geführte, Bundesregierung hat dann diesen Schaden noch erweitert, weil diese Bank plötzlich als "Systemrelevant" betrachtet worden ist. So wurde eine Heilung des Marktes durch unfähige Marktteilnehmer verhindert.

Das Problem von planwirtschaftlichen Parteibonzen beim Kapitalistenspielen kann aber nicht alleine bei den Blau- Orangen Misthaufen festgemacht werden.

Die Bawag war ja das Spielzeug des Roten Misthaufens Österreichs und hat auch einen gewaltigen Schaden verursacht und hat fast den ganzen Streikfonds (gut gefüllt über Dekaden!) verbraucht. Das Verwirtschaften der "staatlichen Privatstiftung" (pervers, oder?) der Stadt Wien steht auch im Zusammenhang mit einer Bank. Richtig krank war dann das Zusammenspiel der Bawag mit den Parteibonzen der Stadt Linz wo ohne Kapitaleinsatz gleich 100erte Millionen in den Sand gesetzt wurden.

Der Schwarze Misthaufen ist aber auch nicht schlecht beim Verwirtschaften. Die Schwarzen Planwirtschafter von Tirol haben" deren Bank" schon 2 x in den Bankrott getrieben und mit Zwangsabgaben retten müssen.

Das Verwirtschaften von Parteibonzen scheint ein Naturgesetz zu sein, welches auch in den Bereichen ÖBB, Bildung, Flughafen, Telekom, Kammern, etc. ersichtlich wird. Das Verwirtschaften von volkswirtschaftlichen Leistungen durch Parteibonzen kann nur durch vollständige Privatisierungen beendet..

Antworten Antworten Gast: TT1
20.07.2012 21:10
3 0

Re: Re: Ein Faß voller Horror!

Sie können mir sicher ebenso wortgewaltig die Landeshaftung von Kärnten auf diese Bank erklären, die dank dem Jörgl um mehr als das Zehnfache des Landesprodukts beträgt. Diese wäre schlagend geworden. Ihre Erklärung bitte!

kein Cent mehr in das Fass ohne Boden !

abwickeln und die (ueberlebenden) Verantwortlichen ENDLICH ALLE vor Gericht bringen und die Verfahren NICHT wieder vorzeitig einstellen !

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