Beim jüngsten G20-Gipfel in Mexiko kam es zum Eklat: US-Präsident Barack Obama forderte Europa auf, mehr zur Eindämmung der Krise zu tun. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso reagierte verärgert: „Wir lassen uns hier von niemandem belehren.“ Außerdem sei die Finanzkrise nicht von Europa ausgelöst worden, sondern habe in den USA begonnen.
Auch weisen die USA eine höhere Staatsverschuldung auf als Europa. In den EU-Ländern liegen die Schulden durchschnittlich bei 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in der Eurozone sind es 87 Prozent. In den USA ist der Schuldenberg mittlerweile auf 15,8 Billionen Dollar angestiegen. Das entspricht rund 104 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Vereinigten Staaten liegen damit gleichauf mit Portugal und Irland. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die Amerikaner das Niveau von Italien erreicht haben.
Trotzdem genießen die USA weiterhin das Vertrauen internationaler Investoren. Am Freitag lagen die Renditen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen bei 1,4 Prozent. Wer solche Papiere kauft, akzeptiert negative Realzinsen. Davon ist die Rede, wenn die Teuerung höher als die Rendite für Staatsanleihen ist. Die Investoren kaufen US-Papiere, weil sie eine Pleite der Vereinigten Staaten für ausgeschlossen halten. Im Notfall springt die US-Notenbank Fed ein und öffnet die Geldschleusen.
Erst im Juni beschloss die Fed, die sogenannte „Operation Twist“ bis Ende 2012 zu verlängern und dafür 267 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen. Damit sollen in den USA Investitionen und Konsum angekurbelt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)
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