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Der Kampf der Bäcker gegen Supermärkte und Diskonter

22.07.2012 | 18:18 |  von Julia Kern (Die Presse)

Laut einer Umfrage haben die Bäcker in vier Jahren 30 Prozent der Kunden verloren. Viele haben den Trend zur Frische verschlafen. Allein die Diskonter Lidl und Penny kommen mit 22 Prozent auf einen höheren Marktanteil.

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Die Dominanz der heimischen Supermärkte bekommen auch die Bäcker zu spüren: Fast jeder zweite Österreicher – 46 Prozent – kauft sein täglich Brot in aller Regel bei Billa, Spar & Co. Der Bäcker ist nur für 27 Prozent der 500 Befragten die Hauptbezugsquelle für Gebäck, wie aus einer Studie des Market-Instituts im Auftrag des Supermarkt-Backshop-Spezialisten Pan&Co hervorgeht.

Ein noch klareres Bild zeichnet eine Studie im Auftrag der Vereinigung der Backbranche, kürzlich durchgeführt von GfK: Demnach halten die Bäcker gemessen am Umsatz nur mehr knapp 21 Prozent des Brotmarktes. In den vergangenen vier Jahren sind die Umsätze um 15 Prozent gesunken. Supermärkte decken dagegen bereits 75 Prozent des Brotbedarfs ab. Der Rest von rund vier Prozent entfällt unter anderem auf Tankstellen und Kantinen.

Allein die Diskonter Lidl und Penny (Hofer hat erst vor Kurzem mit dem Brotbacken begonnen) kommen mit 22 Prozent auf einen höheren Marktanteil als die Bäcker. Wobei als wichtigster Grund für die Mitnahme von Brot im Supermarkt die Zeitersparnis ist – das Argument für den Bäcker hingegen die hohe Produktqualität.

 

Hohe Dichte an Backstationen

Die Bäcker haben seit 2007 rund 30 Prozent ihrer Kundschaft verloren, so die Studie. Und 26 Prozent der 500 Befragten ist es egal, wenn die Bäcker gänzlich von der Bildfläche verschwinden.

Die drastischen Rückgänge in der Branche sind in Österreichs Lebensmittelhandel quasi systemimmanent. „Wir haben die höchste Dichte an Backstationen weltweit“, sagt Wolfgang Hofer, Geschäftsführer von Pan&Co, der nach eigenen Angaben zu den Gebäcklieferanten von Rewe, Spar, Nah & Frisch und OMV-Tankstellen gehört. „Billa hat sehr früh damit begonnen, eigenes Gebäck in den Filialen zu backen. Der Einsatz von Backstationen wurde in Österreich über Jahrzehnte gelernt“, sagt Klaus Bernhard, Obmann der Vereinigung der Backbranche.

Für die erbitterten Konkurrenten im Lebensmittelhandel, Spar und Rewe, ist ein Angebot an frischem Brot und Gebäck – neben Milch der Kundenmagnet im Lebensmittelhandel – eine Möglichkeit, sich am Markt von den anderen zu unterscheiden.

 

Großes Angebot zweitrangig

In Deutschland etwa, fast dem einzigen Land, mit dem man Österreichs Brotkultur hinsichtlich Vielfalt und Angebot vergleichen kann, haben sich statt Brottheken in den Geschäften sogenannte Vorkassenzonen eingebürgert: Bäcker oder Metzger pachten Flächen von Supermärkten oder Einkaufszentren und bieten dort auf eigenes Risiko ihre Ware an.

Für Pan&Co-Geschäftsführer Hofer ist die Sache klar: „Viele Bäcker haben den Trend zur Frische verschlafen.“ So würden laut der Studie, die auch die Meinungen von rund 100 Bäckermeistern einbezog, 88 Prozent der Bäcker Frische als eigene Stärke ansehen, aber lediglich 44 Prozent rund um die Uhr frisches Gebäck anbieten – im Gegensatz zu Supermärkten und Tankstellen, die bedarfsorientiert den Backofen anheizen.

Für Bernhard gibt es „kein Patentrezept“, das die heimischen Backstuben vor dem Untergang retten kann. Ausschlaggebend sei, sich am Markt abzuheben: Ein Bäcker brauche keine 200 Sorten im Sortiment, aber „ein, zwei Highlights“, die die Kundenbindung schaffen. Ähnliches besagt auch die Market-Studie: Eine große Auswahl ist zwar für 43 Prozent der Kunden wichtig. Höher bewertet wurden jedoch die Eigenschaften Frische (82 Prozent) und Preis-Leistungs-Verhältnis (76 Prozent).

Geht es um die eigene Zukunft, gibt sich übrigens fast jeder zweite Bäcker optimistisch: 44 Prozent der Befragten glauben, dass die Bedeutung der Bäcker weiter zunehmen wird. Für Bernhard keine gemähte Wiese: „Wenn es einem Viertel der Bevölkerung egal ist, ob Bäcker weiterhin existieren, muss man wohl die Angst haben, dass sie komplett verschwinden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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15 Kommentare

bei uns hat ein Bäcker aufgemacht, der WIRKLICH selber bäckt

regelmäßig leergekauft, obwohl er teurer ist!

selbst Schuld, wer nur billigzeug zukauft und sich Bäcker nennt

6 0

Es wäre vielleicht ganz einfach ....

Es sollten sich die Bäcker halt an ihr Handwerk erinnern und nicht den selben Mist an Brot und Gebäck wie die Supermärkte herstellen.
Ein paar gute Schwarzbrote (Sauerteig!) und Semmeln, welche den Namen auch verdienen, wären einmal ein guter Anfang. Dazu noch Wachauerlaberl, vielleicht wirklich gute Kipferl und Striezel ...

Und wenn dann die Kammer noch veröffentlichen würde, wer das Bäckerhandwerk noch traditionell ausübt, dann wäre für manche das Überleben leichter!

Nur Backwaren anzubieten

ist inzwischen einfach zu wenig. Wenn ich selbst beim Diskonter gutes Brot bekomme, warum soll ich da extra zum Bäcker?

Gast: WFP
23.07.2012 07:51
5 0

Selber schuld

Solange der Konsument die im Supermarkt unfertig gebackenen (weißen) Semmeln und in Plastik verpacktes Brot (das bei Verkauf schon feucht ist und muffelt) akzeptiert, kann der Bäckermeister nicht punkten!

Re: Selber schuld

ist doch beim Bäcker gleich!

Gast: dabesserwissa
23.07.2012 06:47
6 0

Wie wäre es mit ...

... echtem Brot liebe Bäcker?
Leider gibts überall nur mehr den selben Einheitsbrei aus den selben Backmischungen.
Bringt zwar Zeit und Lohnersparnis aber auch Kundenverlust. Wozu in die Bäckerei laufen, wenn ich die gleiche Ware aus der gleichen Backmischung auch im Supermarkt bekomme? Wer das Blech einschiebt ist mir eigentlich egal.
Leider gibt es nur sehr wenige Bäcker, die echtes Brot und Gebäck herstellen, dort stehen die Leute aber auch bis auf die Strasse Schlange (Joseph-Brot z.B.). Da spielt der Preis eine untergeordnete Rolle, wenn die Qualität stimmt.
Vielleicht besinnen sich die Bäcker wieder auf ihr ehrliches Handwerk?
Und vielleicht besinnen sich die Kunden darauf daß Qualität eben ihren Preis hat.

Antworten Gast: Montgolfier
23.07.2012 07:51
4 0

Re: Wie wäre es mit ...

Gute Meldung, bin ganz Ihrer Ansicht, was die Backmischungen betrifft. Man muss wirklich schon gezielt nach einem traditionellen Bäcker suchen, der sich in Hinblick auf Qualität abhebt.

Lustig, wenn der Pan&Co-Vertreter die Frische der Supermarktware anpreist: wie frisch ist aufgetautes Zeug aus Fertigbackmischungen?

Gast: semmelnbröseln
23.07.2012 06:35
2 1

frischetrend verschlafen


Frische rund um die Uhr ist auch so ein Auswuchs der hirnlosen Konsumeritis, obendrein ist ofenwarmes Backwerk auch nicht das Gesündeste. Etwas ganz anderes ist es allerdings der Laufkundschaft altbackene Semmeln von unter der Budel unterzujubeln wenn sie um 6 in der Früh ansteht, um Resches für die Frühstückstafel ihrer Gäste zu erwerben.
Nach einer etwa fünfmaligen einschlägigen Erfahrung im weiteren Umkreis macht man einen Respektsbogen um ein Handwerk, das man an sich sogar sehr respektiert für seinen täglichen Einsatz und Meisterschaft.
Ein in Deutschland festgestelltes Verkaufsargument, das hierzulande vermutlich an der unlauteren Konkurrenz scheitern dürfte, die "happy hour" der Bäckereien eine Stunde vor Ladenschluß, in der die Regale ratzekahl geleert werden, da alles nur noch die Hälfte kostet.

3 2

Kannibalisierung

Die Filialbäcker haben überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal mehr. In Wien beliefern Ströck & Anker sämtliche Supermarktketten und die genau gleichen Produkte sind in der gleichen Qualität und Frische im Supermarkt und in der Bäckerei zu bekommen. Warum soll da noch irgendwer zum Bäcker?

gratis wars anschreiben auch nicht,

denn des greißlers preise waren teurer.

3 0

Ja die Dumm und Faulheit

treibt die Menschen immer mehr in die Abhängikeiten der Supermärkte,das war auch bei den Greislern ums Eck schon so.
Damals konnte wer wollte beim Greisler anschreiben lassen ohne dafür Zinsen zu bezahlen.Der Greisler wurde erfolgreich vertrieben und heute kassiert dafür die Bank Zinsen.

Antworten Gast: Pinoy
23.07.2012 06:38
3 0

. . . der Fachmann und Meister bildeten das fortschrittlichste Europa

doch der freie Markt und die Shopping Centers brachten die Wegwerfgesellschaft und das Internet macht nun dem Fachgeschäft den Garaus.
Fragt sich nur wie lange untere Produzenten noch werken, wenn der Fachhandel fehlt?!
Bye, bye social Europe.

Re: . . . der Fachmann und Meister bildeten das fortschrittlichste Europa

Möglicherweise werden sich daraus neue Berufe entwickeln.

0 0

Re: Re: . . . der Fachmann und Meister bildeten das fortschrittlichste Europa

Ja solche z.N wie einen Radbeaufrragten,Müllsherrifs,oder einen Mediator ect.
Alles Posten die keiner wirklich brauchaber ,aber solange genug Steurgeld da ist gehts schon.

2 0

. . . möglicherweise werden sich daraus neue Berufe entwickeln

Pfuscher!
Wie in Amerika, einaml zuschauen, dann gleich selber machen.

Hobbyökonom