Der Baubranche steht heuer ein deutlich gebremstes Wachstum bevor. Der nominelle Produktionswert soll im Jahresdurchschnitt nur noch um zwei bis drei Prozent auf 30 Milliarden Euro steigen. Preisbereinigt bleibe 2012 ein Zuwachs von nur knapp einem Prozent, erwarten die Ökonomen der Bank Austria. Schuld daran sei die wirtschaftliche Eintrübung, heißt es im aktuellen Branchenbericht.
Im ersten Halbjahr war die Baukonjunktur heuer "noch lebhaft" und wuchs stabil. Im ersten Quartal erhöhte sich die Produktionsleistung um acht Prozent und der Beschäftigtenstand um 1,1 Prozent. Ende März waren die Auftragsbücher voll.
Tiefbau weiter schwach
Weiter bergab wird es mit dem Tiefbau gehen, zu dem der Tunnel- und der Straßenbau zählen. Die Produktionsleistung dieser Sparte ist seit 2008 um insgesamt 25 Prozent eingebrochen. 2011 erreichte das Minus drei Prozent, heuer wird ein weiterer Rückgang von ein bis zwei Prozent erwartet.
Öffentliche Aufträge machen mindestens 60 Prozent der Produktionsleistung im Tiefbau aus - die Kassen sind aber leer. So werden die Investitionen in die Bahninfrastruktur in der Periode 2012 bis 2017 um rund sieben Prozent geringer ausfallen als in der vorangegangenen Planungsperiode. Die Straßenbauinvestitionen werden um fast 25 Prozent gekürzt.
Wohnungsbau geht zurück
Die restlichen Bausparten entwickeln sich äußerst unterschiedlich. Der Wohnungsneubau büßt zwar 2012 auch an Dynamik ein, die Produktion soll aber im Jahresabstand immer noch um sechs bis sieben Prozent zulegen - nach einem Zuwachs von noch rund 20 Prozent im ersten Quartal. Bank-Austria-Ökonom Günther Wolf ortet eine weiterhin "lebhafte Nachfrage nach neuen Wohnungen". Die Realeinkommen der privaten Haushalte legten zu und die Finanzierungsbedingungen seien günstig. Die Immobilienpreise steigen zusehends. In einzelnen Marktsegmenten herrscht ein Nachfrageüberhang.
Obwohl die Preise in Wien schon in den vergangenen zwei Jahren um acht Prozent stiegen, kletterten sie allein im ersten Quartal um weitere zehn Prozent. Auch im restlichen Österreich verteuerten sich die Immobilien seit 2010 um fünf Prozent und heuer im ersten Quartal um elf Prozent. "Hintergrund des massiven Anstieges der Immobiliennachfrage ist vor allem die Suche nach alternativen Veranlagungsmöglichkeiten privater Investoren, auch als Folge der Verunsicherung am Finanzmarkt. Vor dem Hintergrund der sehr schwachen Preisentwicklung vor dem Jahr 2005 ist der starke Anstieg der letzten Jahre nicht als Blase zu bezeichnen", so Wolf.
Industrie fährt Gebäudeinvestitionen zurück
Im sogenannten Wirtschaftsbau, der die Errichtung neuer Büro-, Geschäfts- und Industriegebäude sowie öffentlicher Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser umfasst, läuft es wesentlich schlechter. Die Auftragsbestände waren schon im ersten Quartal deutlich rückläufig.
Alleine die Industrie will ihre Gebäudeinvestitionen heuer um 16 Prozent zurückfahren. Auch der Büroneubau wird sich laut Wolf nach den Rekorden der vergangenen zwei Jahre wieder abschwächen. Grund dafür sind die lahmende Wirtschaft und die Budgetrestriktionen der Gebietskörperschaften. Öffentliche Gebäude machen generell knapp ein Drittel des Produktionswerts der Sparte von drei Milliarden Euro aus.
(APA)
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