Graz. Nach der Pleite des deutschen Versandhändlers Neckermann wurde am Dienstag über das Schicksal der Österreich-Tochter verhandelt. In einer Aussendung des Managements von Neckermann Österreich (NVÖ) hieß es, man habe die Neckermann-Tochter „bis auf Weiteres auf Insolvenzgestion“ umgestellt. Das bedeutet, dass bestehende Verbindlichkeiten der Gläubiger vorläufig nicht mehr bedient werden. Die 300 Mitarbeiter von Neckermann in Graz habe man beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Das wollte das AMS „aus Datenschutzgründen“ jedoch „weder bestätigen noch dementieren“. Die meisten Mitarbeiter von Neckermann Graz, über zwei Drittel davon Frauen, sind in der Logistik beschäftigt. Trotz der Meldung beim AMS übt sich das österreichische Management in Zweckoptimismus: Es sei nicht vorgesehen, Mitarbeiter abzubauen.
Von deutschem Geld abhängig
Derzeit stünden, so Unternehmenssprecher Harald Schenk, zwei Szenarien zur Diskussion: Wegen der finanziellen Verflechtung mit der insolventen Muttergesellschaft in Deutschland, die Alleinaktionärin der NVÖ ist, bestehe zur Weiterführung der Geschäftstätigkeit eine „Liquiditätserfordernis“. Im Klartext: Neckermann Österreich hängt am Geldtropf der deutschen Mutter. Die Erfordernis sei dem Mutterhaus kommuniziert worden. Wenn dieses zahlen kann, bestehe für NVÖ vorerst keine Gefahr. Wenn nicht, werde auch über Neckermann Österreich ein Insolvenzverfahren eröffnet. Für die zahlungsunfähige Muttergesellschaft mit Sitz in Frankfurt haben sich nach Angaben der Unternehmensführung bereits die ersten Interessenten gemeldet. Die erfolgreiche Suche nach einem Investor sei eines der wichtigsten Ziele für den Erhalt des Unternehmens“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter, Michael Frege. Der Versand von bestellten Produkten soll seit dieser Woche wieder planmäßig erfolgen.
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