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Nahrungsmittel: Online-Pranger für Etikettenschwindel

25.07.2012 | 18:18 |  Von Christine Imlinger (Die Presse)

Eine neue Website gegen Irreführung im Supermarkt ist seit gestern online. Die Lebensmittelhersteller kritisieren eine „Delegation der Verantwortung“. Bisher 130 Artikel werden dort vorgestellt.

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Wien. Wien. Ein Kuhmilchkäse aus Deutschland in Rapsöl im Glas, der vorgibt, er sei ein griechischer Schafkäse in Olivenöl. Ein Bio-Sojadrink, Geschmacksrichtung Erdbeere, der Aromen, aber keine Spur von Beeren enthält. Oder ein vegetarischer Bio-Nudel-Gemüse-Salat, dessen Hersteller mit dem erstaunlich geringen Nährwert von 109 Kilokalorien pro Portion wirbt. Bloß, eine Portion, das wären laut Etikett 50 Gramm, nicht viel mehr als ein gehäufter Esslöffel. Wer tatsächlich eine Portion, die 200 Gramm in der Schale, verspeist, nimmt mehr Energie zu sich, als in einem Stück Sachertorte steckt.

Etikettenschwindel und Irreführung wie in diesen Fällen sollen nun auf der Website www.lebensmittel-check.at des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) aufgedeckt werden. Konsumenten, die sich über die Herkunft von Nahrungsmitteln unsicher sind oder die Irreführung entdeckt haben, können diese per Online-Formular dem Verein für Konsumenteninformation melden. Der VKI wählt einige der Produkte aus, analysiert diese und präsentiert sie, sofern sich der Verdacht bestätigt, inklusive einer Stellungnahme des Herstellers auf der Website. 130 Artikel werden dort nun vorgestellt, wöchentlich sollen neue dazukommen. „Die Lebensmittel in Österreich sind grundsätzlich sehr sicher. Das größte Problem haben wir mit falsch und irreführend gekennzeichneten Produkten“, sagt Gesundheitsminister Alois Stöger (SP) bei der Präsentation der Website. Der Ärger der Konsumenten über irreführende Angaben ist offenbar groß, der Bedarf nach Informationen ebenso.

 

Enormer Erfolg in Deutschland

In Deutschland ist vor einem Jahr eine vergleichbare Seite (www.lebensmittelklarheit.de) online gegangen. Man habe „einen Nerv getroffen“ und sei „überrannt worden“, heißt es von den Betreibern, dem Verbraucherzentrale Bundesverband heute. Zwischenzeitlich brach die Website unter zu vielen Anfragen sogar zusammen. 5000 Produkte wurden binnen eines Jahres gemeldet. Das hat Wirkung gezeigt: 30Prozent der Hersteller sollen die Etiketten daraufhin geändert haben. Dabei war die Aufregung aufseiten der Produzenten zunächst groß: Von einem modernen Pranger war die Rede.

Auch hierzulande freuen sich die Produzenten nicht gerade über das Portal. „Der Begriff Pranger trifft es völlig“, sagt Michael Blass, der Geschäftsführer des Verbandes der Lebensmittelindustrie der Wirtschaftskammer. Das sei seiner Ansicht nach der falsche Weg. „Der Minister selbst ist für die Richtlinien verantwortlich. Es wäre seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie vollzogen werden“, sagt Blass und spricht von einer „Delegation der Verantwortung“ an die Konsumenten. „Es gibt bereits klare Regeln und eine effiziente Behörde.“

 

Anzeigen statt Spott

Er würde Anzeigen bei Verstößen vorziehen, statt Produkte dem „öffentlichen Hohn“ preiszugeben. Zumal es oft um „gefühlte Verstöße“ gehe, schließlich würde das Gesetz etwa jene Etiketten, die frische Früchte zeigen, obwohl die Produkte bloß Aromen beinhalten, erlauben. Ebenso wie sparsam festgelegte Portionsgrößen.

Bei Spar, einem der Hersteller der kritisierten Produkte, finde man es „grundsätzlich gut, wenn sich Menschen mit Produkten auseinandersetzen“, so Sprecherin Nicole Berkmann. Man freue sich über Feedback, solange es die Möglichkeit einer Stellungnahme gebe. „Das ist bei Lebensmittelcheck der Fall, somit nehmen wir das Feedback gerne auf.“ Ähnlich sieht man das bei Rewe (Billa, Merkur, Penny): „Wir finden alle Maßnahmen, die zu mehr Transparenz führen, positiv“, heißt es. Solange fair und sachlich berichtet werde.

Auf einen Blick

Unter www.lebensmittel-check.at kann fortan jeder Konsument melden, wenn er irreführende Angaben auf den Verpackungen von Nahrungsmitteln entdeckt. Der VKI prüft diese Beschwerden und kritisiert ausgewählte Produkte online. In Deutschland ist eine ähnliche Plattform seit einem Jahr enorm populär. Lebensmittelproduzenten kritisieren diesen „öffentlichen Pranger“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)

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10 Kommentare

Online-Pranger für Etikettenschwindel

Wenn sich Hr. Blass aufregt und sich auf bestehende, zum ausschließlichem Vorteil der Nahrungsmittelindustrie gemachte Gesetze beruft, werden sofort Assiationen mit der Vorgangsweise eines Hr. Strassers hervorgerufen, eben die Gesetzgebung zu beeinflussen - zum Nachteil der Käufer und zum Nutzen der Industrie. Darum sollte Hr. Blasser ( 'tschuldigung war ein Freud'scher Versprecher oder eine Missglückte Etikettierung?) lieber seinem Klientel eine Portion Ehrlichkeit verpassen, statt sich zu mokieren.

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Betrug ist also gesetzlich erlaubt

Die Gesetze müssen freilich geändert werden, wenn Betrug und Irreführung nicht verboten sind. Was machen diese aus Steuergeldern hochbezahlten Leute eigentlich den ganzen Tag?

Der angebliche "Betrug"

ist meist für einen durchschnittlich intelligenten Menschen unschwer zu erkennen.

Da sich hierzulande allerdings jeder für überdurchschnittlich intelligent hält, fordert er, wenn er es unter Aufbietung aller seiner geistigen Kräfte schafft, die Sache gerade mal eben zu durchschauen Verbote dieses "Betrugs", denn schließlich hält er seine Mitbürger ja für wesentlich dümmer als sich selbst.

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Re: Der angebliche "Betrug"

Sorry, es geht hier nicht um Rätselaufgaben. Wenn der Eindruck erweckt wird, dass irgendwelche Zutaten drinnen sind oder eben nicht drinnen sind, dann ist das zumindest ein Betrugsversuch, der mit dem flüchtig lesenden Konsumenten spekuliert. Es ist es wohl nicht schwierig, das korrekt zu bezeichnen.

Das hat auch mit Intelligenz nichts zu tun, weil ich will mir nicht den kompletten Text durchlesen müssen umd dann zu wissen, dass alles was groß auf der Verpackung steht eigentlich nciht korrekt ist.

diese VKI - Seite

erlaubt STellungnahmen nur, wenn man ein Konsument-Abo hat oder zumindest 5 Euro Tagespreis bezahlt.

Macht 150 euro im Monat, wenn man täglich posten und bewerten möchte, aber kein Abo kaufen will.

Ich will kein Abo kaufen. Sicher geht es anderen auch so.

Dann wirds halt kein Erfolg wie in Deutschland.

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Re: diese VKI - Seite

so viel zum konsumentenschutz..

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Re: diese VKI - Seite

20€ online abo für ein jahr ....

Ich bezahle bereits meinen Beitrag

an die Kammer für Arbeiter und Angestellte. Laufend, monatlich.

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Re: Ich bezahle bereits meinen Beitrag

und weiter ?!!?
befreit dich das davon mehrleistung entsprechend zu honorieren ?!?!

geiz is geil ??

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Re: diese VKI - Seite

Welcome to the Jungle! Sorry, Austria. :-)

Hobbyökonom