Neckermann Österreich hat am Donnerstag beim Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Wie die Geschäftsführung mitteilte, beabsichtige man, das Unternehmen zu entschulden und den Fortbestand zu sichern. Auch die Kreditschützer klingen optimistisch, zumal keine Überschuldung vorliege, allerdings durch die hohe Abhängigkeit von der deutschen Mutter Zahlungsunfähigkeit vorliege. Man werde sich aber um einen Partner umsehen müssen. Die rund 300 Mitarbeiter von Neckermann Österreich waren vergangenen Dienstag vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet worden.
Da die deutsche Mutter die Deckung der Liquiditätserfordernisse der Neckermann Österreich nicht sicherstellen konnte, habe man entschieden, einen Antrag zur Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung zu stellen, hieß es in der Aussendung.
1,4 Mio Euro-Kredit notwendig
Voraussetzung für die Fortführung ist der Abschluss eines neuen Factoringvertrages mit einem Finanzierungsinstitut, um über den Verkauf und die Vorfinanzierung kurzfristig zu Liquidität zu kommen, so die Kreditschützer vom AKV. Weiters müsse ein Betriebsmittelkredit über 1,4 Millionen Euro erlangt werden und von der deutschen Mutter ein 60-tägiges Zahlungsziel eingeräumt werden.
70 Prozent des angebotenen Sortiments - 600.000 Artikel aus den Bereichen Mode, Möbel und Technik - werden aus Deutschland übernommen, der Rest werde von rund 600 Lieferanten zugekauft. Im Zuge des Sanierungsverfahrens müsse es auch Bemühungen geben, einen Investor zu finden, der das Risiko übernimmt.
"Ohne Mitarbeiterabbau in die Zukunft"
"Ziel der Geschäftsführung ist es, das Unternehmen ohne Mitarbeiterabbau in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", hieß es. Das bei Gericht eingereichte Sanierungskonzept sehe die Aufrechterhaltung des laufenden Geschäftsbetriebs und die Entschuldung des Unternehmens vor. Mit neuen Partnern und Investoren wolle man weiter das E-Commerce- und Vertriebspartnergeschäfts forcieren.
Betroffen sind auch mehr als 600 Gläubiger. Den Aktiva von rund 48 Millionen Euro stehen Passiva von etwa 40 Millionen gegenüber. Käme es zum Konkurs, ergäbe sich aber eine radikale Entwertung des Umlaufvermögens und eine Quote in Höhe von lediglich rund 16 Prozent. Wie KSV und AKV mitteilten, sei aktuell eine 20-prozentige Quote geplant, zahlbar binnen zwei Jahren.
(APA)
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