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Linzer Franken-Affäre: Bawag zeigt Bürgermeister an

26.07.2012 | 16:43 |  von Christian Höller (Die Presse)

Nach Ansicht der Bawag soll Bürgermeister Dobusch durch Untätigkeit den Schaden bei der Zins- und Währungswette auf ein „dramatisches Ausmaß“ vergrößert haben.

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[Wien] Die Stadt Linz ist fest in sozialdemokratischer Hand. Seit 24 Jahren regiert Bürgermeister Franz Dobusch. Bei den Direktwahlen 2009 kam er auf 58,1 Prozent der Stimmen - doch nun kämpft der 61-Jährige um seinen Ruf. Die Bawag hat nämlich der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung übergeben, in der es heißt, Dobusch sei der Hauptverantwortliche für den Schaden, der durch die umstrittene Franken-Spekulation entstand.

Auch der frühere Linzer Ex-Finanzdirektor Werner Penn und Finanzstadtrat Johann Mayr (SPÖ) werden von der Bawag belastet. Die Rechtsvertreter der Bank stellen bei den Justizbehörden angesichts der "neuen Beweisergebnisse" den Antrag, die Beiträge dieser Personen "strafrechtlich entsprechend" einzuordnen.
Mit anderen Worten: Die Bawag zeigte die drei Vertreter der Stadt Linz an, wobei die Sachverhaltsdarstellung in erster Linie auf Dobusch abzielen dürfte. Denn gegen Mayr und Penn laufen längst Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue. Alle Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wer übernimmt Verantwortung?

In der Auseinandersetzung geht es um eine komplizierte Franken-Spekulation (Swap 4175), die 2007 zwischen der Stadt Linz und der Bawag abgeschlossen wurde. Also unter der Führung vom damaligen Bawag-Chef Ewald Nowotny. Im Vorjahr stellten die Oberösterreicher die Zahlungen ein und klagten die Bawag.

Kurz danach forderte die Bank von Linz 417,8 Mio. Euro. Vertreter der Stadt Linz schoben die Verantwortung für das Spekulationsgeschäft auf Penn ab. Dieser soll das Geschäft mit der Bawag im Alleingang abgeschlossen haben. Doch die Bawag möchte mit der Sachverhaltsdarstellung erreichen, dass auch die Verantwortung von Dobusch geklärt wird.

Der Linzer Bürgermeister hatte stets erklärt, erst im März 2010 vom enormen Risiko der Franken-Zinsspekulation erfahren zu haben. Seitdem wollen er und Finanzstadtrat Mayr kämpfen, um den Schaden zu minimieren.
Und genau bei diesem Punkt hakt die Bawag nun ein: Denn im März 2010, als sich Dobusch eingemischt haben soll, hätte der Ausstieg aus der Transaktion nur 90 Mio. Euro gekostet.

Doch Dobusch sei untätig geblieben, daher habe sich der Schaden auf das „heutige, dramatische Ausmaß" vergrößert. Die Rede von bis zu 417,8 Millionen Euro. "Nicht das Geschäft war derart gefährlich, sondern die Art, wie die Stadt Linz damit verfahren ist", heißt es in der Sachverhaltsdarstellung. Die Stadt habe den Schaden sehendes Auges laufend ansteigen lassen. "Diese Untätigkeit beziehungsweise Lähmung der Stadt Linz" würde sich bis ins Jahr 2012 ziehen.

Justiz wartet auf ein Gutachten

Die Bawag will sich zu der Anzeige, die der "Presse" vorliegt, nicht äußern. Bei der Staatsanwaltschaft Linz ist die Sachverhaltsdarstellung eingelangt. Ein Sprecher sagte, man habe zum Franken-Geschäft beim Sachverständigen Christian Imo ein Gutachten in Auftrag gegeben. Erst nach Vorliegen dieser Expertise werde man über den Fortgang der Ermittlungen entscheiden.
Dobusch ist derzeit auf Urlaub. In seinem Büro verweist man auf den Rechtsberater der Stadt, Meinhard Lukas, den Dekan der juridischen Fakultät der Linzer Uni. Für ihn ist die Bawag-Anzeige ein „Ablenkungsmanöver". Die Korruptionsstaatsanwaltschaft habe ähnliche Ermittlungen bereits eingestellt. Laut Lukas habe die Bawag der Stadt beim Abschluss des Swaps wichtige Informationen vorenthalten. Er verweist auf ein Urteil in Deutschland, demzufolge sich die Kommunen durchgesetzt haben.

Gibt es eine Mediation?

Beide Parteien sind sich nicht einmal über die Höhe des Schadens wirklich einig. Die Linzer stellen die Bawag-Forderung von 417,8 Mio. Euro in Frage. Denn vor der Auflösung soll der Marktwert des Swaps bei 345 Mio. Euro gelegen sein. Doch die Bawag betont, dass sie auch die zusätzlichen Kosten für die vorzeitige Beendigung geltend machen müsse.

Noch bevor der Prozess so richtig begonnen hat, regte das Handelsgericht Wien eine Mediation an. Derzeit verhandeln Bawag und Linz, ob und zu welchen Bedingungen eine Mediation möglich ist. Das Problem von Dobusch ist, dass er für jeden Vergleich im Gemeinderat eine Zwei-Drittel-Mehrheit braucht. Dazu ist die Zustimmung der Grünen und der Freiheitlichen notwendig. Denn die ÖVP legt sich quer.

Je länger der Konflikt dauert, desto teurer wird es. Denn laut Bawag fallen pro Jahr acht Prozent Zinsen an, was die Linzer allerdings bestreiten. Scheitert die Mediation und wird das Verfahren durch alle Instanzen durchgezogen, könnte der Prozess fünf Jahre dauern. Das bedeutet, das zu den von der Bawag geforderten 417,8 Mio. Euro noch Zinsen von bis zu 167 Mio. Euro hinzu kommen könnten. Das würde fast dem gesamten Linzer Jahresbudget 2011 von 622 Mio. Euro entsprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2012)

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149 Kommentare
 
12 3 4
Gast: ehschowurscht
27.07.2012 19:27
9 0

pipifax

Wegen solcher "Kleinigkeiten" braucht sich keiner aufregen.

Beamtin fälschte Dienstzeugnis für FPÖ-Chauffeur!

Sowas erschüttert das österreichische Volk bis ins Mark!

GUTE NACHT ÖSTERREICH!

Gast: Free
27.07.2012 16:35
7 0

SPö wirtschaften halt.

Justiz?
Irgendwer da?
Nein?
Dachte ich mir schon...

12 0

Griechen

Irgendwie erinnert mich der Linzer Bürgermeister an den ehemaligen griechischen Finanzminister Venezielos. Gleiche Figur,gleich schmieriges Auftreten und er geht auch gleich locker mit dem Steuergeld um.

Gast: Linzer
27.07.2012 14:37
1 1


2 0

Und was soll der Antrag

von Waldhäusl aus dem Jahr 2004, ohne Hinweis, worum es eigentlich geht oder um eine behauptete Schadenssumme.... ?

Ganz klar...

....bei den Fähigkeiten von diesem Mann sicher der neue Finanzminsiter oder gar Bundeskanzler!

Im Geld versenken waren die Roten schon immer Weltmeister!

Antworten Gast: Daf
27.07.2012 16:53
4 0

Jein.

Die Volksbank wurde von den Schwarzen versenkt, die BAWAG von den Roten. Die HAAB von den Blauen.

22 0

Wird da jetzt gegen Dobusch ermittelt?

Warum fordert hier keiner einen Rücktritt?

also ich bin bei Gott kein Freund der Kärtner Politik...

... aber vielleicht darf man nicht außer Acht lassen, dass auch in anderen Parteien der Sumpf ziemlich tief liegt.
Vielleicht versucht man mit gezielt bezahlten Medieninseraten von dem einen oder anderen Thema abzulenken, welches auch durchwegs unangenehme Folgen hätte.

Der Trog ist doch immer der gleiche......

Gast: magra
27.07.2012 11:34
11 0

wer im glashaus sitzt

soll nicht mit steinen werfen. Wo bleibt das machtwort des herrn präsidenten? österreich verkommt immer mehr zu einer bananenrepublik mit einer sesselkleber- kaste. linz, kärnten, burgenland, eurofighter - überall verdient eine kleine gemeinschaft viel auf kosten aller ( und noch mehr der nächsten generation ). kein politiker mit rückgrat und courage in sicht- weit und breit.

Gast: Monetarius
27.07.2012 11:08
7 0

Abgekartetes Speil???

Und was wäre, wenn das Geschäft zwichen BAWAG und Linz abgekartet gewesen wäre? Wohin sind denn die 400 Millionen Euro Verlust hingekommen? Einem Verlust der einen Seite steht immer ein GEWINN einer anderen Seite gegenüber - wer ist denn diese andere, die GEWINNER- Seite? Und was hat sie mit dem SpekulationsGEWINN gemacht? Hoffentlich fällt dem Staatsanwalt auch auf, dass hier zwei sozialistische "Geschäftspartner" ein 400-Millionen Geschäft inzeniert haben....

Antworten Gast: Hubertus
29.07.2012 01:20
0 0

Re: Abgekartetes Speil???

Ganz schön dümmlich der Kommentar, der wohl insinuieren möchte, die Bawag habe den gewinn. Tatsächlich wiord sich die Bawag gehegdt haben und der Tatsächliche Gewinn wird viel geringer, also der der Intermediation sein und sich im ein bis max zweistelligen Millionenbereich und zwar über die gesamte laufzeit des Swaps bewegen.

Antworten Gast: TAV3000
27.07.2012 12:50
1 0

Überraschenderweise ist die Bank der Gewinner eines SWAPs

wenn der Kunde nicht der Gewinner ist. Überrascht Sie das jetzt wirklich?

Antworten Gast: HelleOlga
27.07.2012 12:10
1 0

Re: Abgekartetes Speil???

Nicht wirklich - die Bawag selbst wird das Geschäft weitergegeben haben, um nicht das volle Risiko zu tragen. Ist an sich üblich. So bekommt die Bank eine kleine Provision, trägt aber selbst kein Risiko dabei.

In diesem Fall muss die Bawag selbst schon einen hohen Verlust haben, weil diese das Geschäft schliessen hat müssen (mit Kosten). Diese Kosten sind es. die die Linzer eigentlich derBawag vergüten müsste. So gesehen hat bis dato die Bawag den Schaden zu tragen.

19 0

Gabs da auch schon einen Kommentar vom Präsidenten?


5 0

Re: Gabs da auch schon einen Kommentar vom Nationalbank - Nowotny?

Der war doch damals BAWAG - General!

Dobusch und Seine Kumpane...

Liebe Landsleute! Dieser Aufruf soll Euch endlich wachrütteln!Entzieht ihnen die Milchflasche durch Einkauf in den Stadtrand Gemeinden! Diese Cliqe betrügt Euch HINTEN und VORNE.Einkaufen ist mit Landstrassen Preisen auch nicht gut für die Brieftaschen!

Gast: Gast365
27.07.2012 10:40
14 0

Meine Frage:

Warum steht dieser Artikel über die rote Mafia (die offensichtlich vom Steuerzahler wieder 400 Millionen Euro veruntreut hat) nicht tagelang als Hauptartikel an oberster Stelle?

Antworten Gast: vrh vrh
27.07.2012 12:51
0 11

Weil die blaue und schwarze Mafia

mit mehreren Milliardenschäden uns Bürgern noch viel mehr weh getan hat.

Antworten Antworten Gast: benkawitz
27.07.2012 13:42
7 0

Re: Weil die blaue und schwarze Mafia?

da ham se aber wen fagessn, oda?

http://www.profil.at/articles/0845/560/224976/debakel-kommunalkredit-bank-vorstand
" target="_blank">http://www.profil.at/articles/0845/560/224976/debakel-kommunalkredit-bank-vorstand


der spaß kostet vielfach mehr, als ganz kärnten je verjubeln könnte!

Antworten Antworten Antworten Gast: Ormeol
27.07.2012 16:52
4 0

Jeder Partei das ihre;

Hypo Alpe Adria: blau. Kommunalkredit: rot. ÖVAG: schwarz. Gesamtschaden: unfassbar.

Antworten Antworten Antworten Gast: Greinmeier
27.07.2012 16:49
1 0

Ja, und bekanntlich

war der Vorstand der Kommunalkredit großteils von der VP ... nebst, da haben Sie Recht, einer Feigenblattroten.

Gast: Der Ahnungslose
27.07.2012 10:28
12 0

regts euch nicht so auf... ist eh alles beim alten.

und wer wars?
die Sozialisten... wie immer.

und wer zahlts?
die Steuerzahler... wie immer.

als gelernte österreicher müsstet ihr das doch wissen, oder?! des woa immer schon so.

Gast: Affro
27.07.2012 10:12
6 0

Wer sich an Linz09 erinnert,

weiss dass der Dobusch nie nix tut. Außer ankündigen.

Gast: trader1
27.07.2012 09:52
3 0

das schöne an märkten ist ...

sie sind absolut demokratisch, sie unterscheiden nicht zwischen mininster, bürgermeister, arbeitslosen, pensionisten oder schüler, frau oder mann, alt oder jung.
sie lassen sich weder durch wahlreden, noch durch powerpointfolien beeindrucken.
man kann sie weder schmieren, noch ihnen drohen und auch die gegengeschäfterl funktionieren nicht :-)

jeder hat die gleichen chancen, soferne er gescheit genug ist und hart daran arbeitet sich selbst und die märkte zu verstehen .....

1 0

Ihr vorletzter Satz läßt mich an Ihrem Verstand zweifeln.

man kann die Märkte nicht schmieren?

Glauben Sie das wirklich?

Da ist (oder war) Siemens etwa anderer Meinung.

Und die ganzen Kartellverfahren, bei denen Firmen 100erte Millionen Strafe zahlen. Das ist ja nur die Spitze des Eisberges.

gegengeschäfterl funktionieren nicht....

da haben Sie eine schöne Meinung von der "freien Wirtschaft"!

Wie alt sind Sie? Ihrer Naivität entsprechend, würde ich sagen, 2 Jahre.

 
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Hobbyökonom