Die Österreichische Ernte ist noch nicht einmal eingefahren. Trotzdem dürften die Mehlpreise schon bald deutlich steigen: "Momentan schnellt unser Einkaufspreis nach oben. Aus jetziger Sicht ist eine drastische Preiserhöhung noch im August oder Anfang September um 15 bis 20 Prozent notwendig", sagte Otto Glanzer, Beitreiber einer gleichnamigen Mühle in Kärnten.
Getreide sei derzeit um 30 Prozent teurer als im langjährigen Schnitt - mit 270 Euro pro Tonne. "Wegen Spekulation", glaubt Glanzer. Aber auch eine Dürre in den USA und Folgen von Frost und Trockenheit im Frühjahr in Europa spielen eine große Rolle bei der Preisentwicklung.
Bäckereien: Rohstoff ein Drittel der Kosten
Bei den Bäckern macht das Personal mit 44 Prozent einen weit höheren Kostenanteil aus, als jener des Rohstoffes Mehls mit 32 Prozent, der Rest sind andere Kosten. Dass der Brot- oder Semmelpreis im selben Ausmaß steigt, wie jener des Mehles, ist nicht zu erwarten: "Die Auswirkung des Getreide- bzw. Mehlpreises auf jenen von Brot oder Semmeln darf nicht nur rohstoffbezogen diskutiert werden", sagte Reinhard Kainz, Innungsgeschäftsführer des Lebensmittelgewerbes (Bäcker).
"Wir beobachten die derzeitige Getreidepreisentwicklung auf den internationalen Märkten mit Sorge", zeigte sich Kainz pessimistisch. Er erwarte den Zwischenbericht zur Ernte der Agrarmarkt Austria Ende kommender Woche bereits mit Spannung. Denn: "Die Österreichische Ernte ist ein wesentlicher Punkt", so Kainz.
Sprunghafte Preise durch Spekulation
Glanzer kritisierte "Spekulationen mit dem Lebensmittelgrundstoff Getreide" massiv: "Ich verstehe, wenn mit Öl spekuliert wird - aber doch nicht mit einem Lebensmittel. Wir leben ja beinahe schon mit Tagespreisen." Die Preise entwickelten sich auch nicht mehr linear, wie es früher gewesen sei - "sondern gleich in riesigen Sprüngen". "Wohl spätestens am 1. September" werde ein Kilo Mehl dem Bäcker im Großeinkauf "Richtung 50 Cent" kosten. Momentan sind es noch 40 Cent. "Ich hoffe auf eine Form der Regulierung", sagte der Müller.
Laut dem ersten Erntebericht 2012 von der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung (VFG) in Wien fielen Proben aus dem Burgenland, dem Wiener Becken, dem östlichen Weinviertel in Sachen Hektarerträgen "unterdurchschnittlich" aus. Ursache dafür war monatelange Trockenheit, Spätfrost und Niederschläge zur falschen Zeit, steht im Bericht. Im westlichen Niederösterreich sowie in Oberösterreich werden dagegen normale Ernteerträge erwartet.
Roggen wurde bisher nur wenig untersucht, so die VFG. Weizen falle beim Hektolitergewicht von im Schnitt mehr als 82 Kilogramm aber - zumindest im Erstbericht - sehr gut aus. Die Kornausbildung sei im Wesentlichen normal, vereinzelt sei Wanzenstich zu beobachten. Der Proteingehalt liege im hohen Bereich.
(APA)
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