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Mehr Lehrlinge fallen durch

27.07.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Rund ein Fünftel der Lehrlinge schafft die Abschlussprüfung nicht. Die Gewerkschaft sieht die Schuld bei den Betrieben.

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Wien/Hie/Apa. Die Lehrlinge seien immer schlechter ausgebildet, beherrschten zum Teil nicht einmal die Grundrechnungsarten, kurzum: Es werde immer schwieriger, gute Auszubildende zu finden, klagen Firmenchefs zuhauf. Die Zahlen zu den Lehrabschlussprüfungen in Österreich geben ihnen recht: Demnach fällt fast ein Fünftel derjenigen, die zur Lehrabschlussprüfung antreten, bei der Prüfung durch. 2011 schafften gut 10.000 von 57.500 Prüflingen den Abschluss nicht. Und davon haben auch nur gut 4000 die Prüfung wiederholt, so die Daten der Wirtschaftskammer.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind dabei enorm. In Österreich gibt es mehr als 200 Lehrberufe. In 23 davon ist die Durchfallsquote höher als 30 Prozent (siehe Grafik). Am schlechtesten schnitten im Vorjahr Lehrlinge in der Sparte Gewerbe und Handwerk ab, bei denen 21,3 Prozent der Prüflinge durchgefallen sind. Auch im Tourismus war der Anteil derer, die nicht bestanden, mit 17,8 Prozent relativ hoch.

Die Erfolgsquote hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend verschlechtert: Verpatzten im Jahr 1980 noch 11,7 Prozent der Lehrlinge die Abschlussprüfung, sind es heute bereits 17,5 Prozent. Das liege vor allem an dem Trend, dass junge Leute immer höhere Bildung anstrebten, sagt Alfred Freundlinger, in der Wirtschaftskammer für Bildungspolitik zuständig: „Wer früher eine Lehre gemacht hat, macht jetzt eine HTL oder Handelsakademie. Und Leute, die früher gar nichts gemacht hätten, machen jetzt eine Lehre“, sagt Freundlinger. Gleichzeitig seien aber die Anforderungen an die Berufe gestiegen. „Früher war ein Schlosser jemand, der Metallbearbeitung betreibt. Heute muss man computergesteuerte Maschinen programmieren können.“ In manchen Branchen, wie im Handel oder bei den Banken, herrscht zudem ein großer Andrang von jungen Bewerbern. Andere Sparten, darunter etwa der Tourismus, suchen den Nachwuchs händeringend. „Selektieren ist da schon lange nicht mehr drinnen“, so Freundlinger. Damit sinkt die Qualität des Lehrpersonals und die Ausfallsquoten steigen. Am besten schnitten Lehrlinge bei Banken und Versicherungen ab.

 

Die Deutschen sind etwas besser

Die Gewerkschaft sieht die Schuld in den Betrieben: Eine qualifizierte Minderheit der Lehrbetriebe nutze die Jugendlichen als billige Hilfskräfte aus, statt in ihnen die Fachkräfte von morgen zu sehen, sagte Rudolf Kaske, Arbeitsmarktsprecher des ÖGB und Vorsitzender der Gewerkschaft Vida. So berichteten beispielsweise Friseurlehrlinge immer wieder, dass sie fast ausschließlich zum Haarewaschen eingesetzt würden. Die Arbeitgebervertreter weisen das zurück: „Ich muss immer in den Beruf hineinwachsen. In einem Friseurgeschäft kann ich jemanden in Ausbildung nicht von vornherein auf die Kunden loslassen“, heißt es aus der Wirtschaftskammer.

In Deutschland ist die Durchfallsquote etwas niedriger als in Österreich: So schaffen von den Lehrlingen in Handwerksbetrieben 15 Prozent die Prüfung nicht, in Industrie und Handel sind es zehn Prozent, so die Zahlen der Industrie- und Handelskammer.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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142 Kommentare
 
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Gast: 3.Tenorhorn
02.08.2012 22:11
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Hat seine Berechtigung!

Ein Elektrotechniker Lehrling fällt durch, wenn er die Sicherheitsvorschriften nicht beherrscht. Und das ist richtig so!
Wie geht es Ihnen denn, wenn ein ahnungsloser Elektrotechniker bei der Installation Ihrer Wohnung/Haus einen Murks baut und später ihre Wohnung/Haus in Flammen steht?
Dann kommt unweigerlich der Sager: Wie konnte dieser Mitarbeiter die Lehrabschlussprüfung bestehen? Wollen sie amerikanische Verhältnisse, wo sie vorerst bei ihren Bekanntenkreis fragen müssen, ob der Handwerker zu gebrauchen ist?
Eine Blanco-Berechtigung ohne Prüfung - unvorstellbar = reine Dummheit!

Gast: oho159
29.07.2012 09:25
0 0

Uns zusätzlich Studium nach Lehre?

Warum kommt Lehre mit Matura nicht zur Sprache? Kümmert sich wer um die Qualität? Ist ja nicht mehr so wichtig falls die Forderung vom Leitl -jeder darf nach der Lehre studieren- umgesetzt ist.

Gast: oho
29.07.2012 09:23
0 0

Uns zusätzlich Studium nach Lehre?

Warum kommt Lehre mit Matura nicht zur Sprache? Kümmert sich wer um die Qualität? Ist ja nicht mehr so wichtig falls die Forderung vom Leitl -jeder darf nach der Lehre studieren- umgesetzt ist.

Kein Wunder!

Wenn die Lehrlinge, statt ihren Beruf zu lernen, eingesetzt werden um

a) zu putzen
b) die Jause zu holen
c) den Kaffee zu kochen
d) die langweiligen Standard-Hilfsarbeiten zu machen, die sonst keiner tun will

dann können die am Ende ja die Prüfung nicht schaffen.

Re: Liebe Senferin


wir kennen Ihre Kommentare, aber ein solches Outing wäre nicht nötig gewesen!

Re: Re: Liebe Senferin

Ihrem Kommentar kann man deutlich entnehmen, dass Sie sich davon angegriffen fühlen. Andernfalls hätten Sie es nämlich nicht nötig, persönlich zu werden. Wahrscheinlich ist in meinen Aussagen ein Körnchen Wahrheit enthalten ;).

Sind Sie zufälligerweise Unternehmer und bilden Lehrlinge aus?

Re: Liebe Senferin

Nein, ich fühle mich nicht angegriffen. Ich verabscheue lediglich billige Polemiken gegen ein hervorragendes und international anerkanntes Ausbildungssystem. Ja, ich bin Unternehmer, ja wir bilden Lehrlinge aus. Unser Unternehmen besteht seit 110 Jahren. Alleine in meiner Zeit wurden bisher über 200 Lehrlinge in mehrerenLehrberufen erfolgreich ausgebildet. Der Gesamtnotendurchschnitt in unserem Lehrbetrieb ist kleiner als 1,2. Notendurchschnitt 1,0 ist bei unseren Lehrlingen die Regel, kleine Ausreisser sind die Ausnahme. Nehmens Sie es nicht persönlich. Aber, wie sagte Paul Waclawik: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Re: Re: Liebe Senferin

Und warum schreiben Sie das nicht gleich so?

Auf dieser Ebene kann man vernünftig und sachlich diskutieren, wenn Sie aber einfach nur persönliche Schüsse unter die Gürtellinie abliefern, dann ist keine Diskussion möglich.

Wie ich schon zu einem anderen Posting geantwortet habe: es gibt glücklicherweise auch sehr gute Lehrbetriebe. In diesen fallen die Lehrlinge aber wahrscheinlich eher selten durch. Sie schreiben ja selbst, Ihre Lehrlinge hatten bis jetzt durchwegs gute Noten.

Aber leider gibt es auch die andere Seite. Und das muss ausgemerzt werden.

Korrektur

....Paul Watzlawick.....

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Re: Kein Wunder!

Zum Jause holen können sie aber nur die schicken welche auch rechnen können sonst sehen sie nie mehr ihr Wechselgeld.
Also indem der Großteil damit Probleme hat scheidet dies Art schon einmal aus.
Ja außerdem Schuld sind immer die anderen ,nichts Neues .

Antworten Gast: Wumpus3
28.07.2012 16:10
5 0

Re: Kein Wunder!

Das was Sie da aufzählen, habe ich als Lehrling auch machen müssen und habe trotzdem den Gesellenbrief mit Bravour geschafft und habe es in meinem erlernten Beruf zu etwas gebracht. Mein Jahrgang konnte aber lesen, schreiben und rechnen, was die heutige Jugend eben großteils nicht mehr kann. Da den Lehrherrn die Schuld geben ist schon ein starkes Stück. Ich möchte nur zu gerne wissen, wie solche Versager zu einem Pflichtschulabschluß kommen. Man müßte die Lehrer dieser Analphabeten einmal darüber befragen und das Ergebnis der Öffentlichkeit ungescminkt mitteilen. Ich hoffe sehr, daß mein Beitrag nicht von der Zensur gelöscht wird.

2 0

Re: Re: Kein Wunder!

ganz Ihrer Meinung!

Re: Re: Kein Wunder!

Aber vermutlich nicht die ganze Zeit während Ihrer 3 Jahre dauernden Ausbildung, oder? Es ist ja kein Problem, wenn man sowas manchmal macht bzw. wenn man seinen eigenen Dreck wegputzt - das gehört einfach dazu.
Leider missbrauchen aber viele Firmen ihre Lehrlinge als billige Hilfskraft.

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Re: Re: Re: Kein Wunder!

Wo haben sie den dieses Gerücht her ?
Unser Betrieb hat bis vor 8 Jahren jedes Jahr vier Lehrlinge eingestellt ,da gab es sogar für die Zeugnisnoten Prämien.
Auf Grund der immer schlechtern Lehrlings Bewerbung wurde die Lehrlingsaufnahme eingestellt.
Wir schulen lieber Facharbeiter aus anderen Berufen um.
Das kostet im Endeffekt weniger und ist effizienter. Als sich herumzuquälen mit unwilligen Jugendlichen denen zum Teil die Grunderziehung des Elternhauses fehlt.

Re: Re: Re: Re: Kein Wunder!

Das ist löblich und natürlich gibt es auch sehr gute Lehrbetriebe, das will ich gar nicht bestreiten. Aber auch die schwarzen Schafe sterben leider nicht aus.


Gast: E.T.
28.07.2012 14:50
0 1

Veraltetes System

So gut das System Lehrer in früheren Jahren funktionierte, so schlecht halte ich es in der heutigen Zeit und mit den derzeit gegebenen Bedingungen.
Ich glaube, alle jungen Leute sollten die Möglichkeit haben, eine vernünftige Schulausbildung zu erhalten und daher wäre eine Schulpflicht bis 18 durchaus eine erweiterte Chance für alle.
Anstelle der Lehrstellen, wo immer mehr Lehrlinge anstelle zu lernen, nur ausgenützt werden, sollte einfach ein normales Arbeitsverhältnis treten. Fähigkeiten für das Handwerk könnten durchaus in schulischen Lehrwerkstätten nach der allgemeinen Schulpflicht und daneben als Zusatzfächer angeboten werden.

Re: Veraltetes System

Schulpflicht bis 18? Humbug. Viele Jugendliche wollen sich schon mit 15 ihr erstes Geld verdienen (oder müssen sogar). Viele sind nun einmal handwerklich geschickt, aber haben kein Interesse (mehr) an für sie sinnlosen theoretischen Unterricht.

Ditto Matura und Lehre - die Matura wird einem in diversen Schulen (schon seit Jahren) nachgerade nachgeschmissen.

Dann kommen viele Firmen, die in den letzten 20 Jahren ihre Lehrwerkstätten geschlossen haben - ich vermute ausgelöst durch Einwände diverser BWL Anzugträger, da Lehrwerkstätten Geld KOSTEN anstatt etwas einzubringen - jetzt, Jahre später, lamentieren die selben Firmen, sie bekämen keinen ordentlichen Nachwuchs mehr!

Antworten Gast: BSLehrer
28.07.2012 17:42
2 0

Re: Veraltetes System

Das geht an der Wirklichkeit vorbei. Viele Jugendliche wollen einfach nicht mehr in der Schule sitzen!

Das meiste Interesse zeigen - in den praktischen Gegenständen - immer die, die einen Lehrplatz haben und dort auch eingebunden werden.
Bei Schülern die keinen Lehrplatz haben und / oder über eine AMS"Förderung" kommen ist dies meist nicht der Fall.

Das duale System ist grundsätzlich sehr gut. Es wird jedoch unterlaufen von Lehrlingen die eigentlich nicht ausbildungsfähig sind jedoch trotzdem genommen werden:
-weil mein als Firma keinen Anderen bekommt
- weil die Förderung stimmt
- weil die Eltern entsprechende Vitamine haben
- weil die öffentliche Hand vermehrt Migranten aufnimmt (hier spielt Qualifikation NULL Rolle).

Würde man das duale System von diesen vorwiegend politischen Mühlsteinen befreien, würde die Zahl der Lehrstellen sinken und die Ergebnisse im Schnitt stark steigen.

Gast: kgjk,j
28.07.2012 14:50
0 1

Ich denke nicht, dass Gewerkschaften...

Schuld haben an den schlechten Ergebnissen, denn diese spiegeln sich nicht nur bei Lehren, sondern auch bei Schulen und Universitäten wieder. Bildungstechnisch hat unsere Jugend oftmals nicht mehr viel zu melden. Schuld daran ist unser lasches Bildungssystem, die Bildungsinhalte nicht mehr zu vermitteln vermag. Man sollte Lehrer entlasten und Ihnen mehr Kollegen zur Seite stellen, denn die Bildungsarbeit ist heute kein Zuckerschlecken mehr. Man sollte Nachhilfeangebote an Schulen zu vergünstigten Preisen anbieten - so könnte man Junglehrere und unbeschäftigte Lehramtsabsolventen in den Arbeitsprozess eingliedern, die Schüler würden unterstützt und besser gebildet und der Geldbeutel der Lehrer entlastet werden. Dann sehen die Zukunftsperspektiven für unsere am Arbeitsmarkt unbeliebten Jugendlichen auch wieder besser aus.

Antworten Gast: Wumpus 3
28.07.2012 16:55
2 0

Re: Ich denke nicht, dass Gewerkschaften...

Ich habe in meinem Leben sehr viele Gewerkschaftler kennen gelernt und fast
alle haben sich vor ihrer Funktionärdtätigkeit mit der "Arbeit " schwergetan.

Antworten Gast: Wumpus3
28.07.2012 16:21
2 0

Re: Ich denke nicht, dass Gewerkschaften...

Meine Lehrer vor 60 Jahren müssen reine Übermenschen gewesen sein, daß sie uns damals alles ohne dem Zeug, daß Sie forden, beigebracht haben. Übrigens, an den Grundrechnunsarten hat sich bis heute nichts geändert, die Lehrer sind andere Personen, Österreich hat keine homogene Bevölkerung ( wie z.B. Finnland) mehr, unfähige Politiker doktern am Bildungssystem permanent herum. Aus einem Esel kann man halt keinen Lippizaner machen.

Gast: Tornado
28.07.2012 14:10
3 0

Berufsschuldirektor erzählte gestern:

Maler/Anstreicher ist der klassische Beruf für Zuwanderer aus Osteuropa bis Türkei der ersten Generation. Man braucht nicht viel zu wissen und können ...

In der zweiten Generation lehnt man dann diesen Beruf bereits ab, weil zuviel Gift eingeatmet wird, zuwenig am Pfusch verdient wird ...

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Rund ein Fünftel der Lehrlinge schafft die Abschlussprüfung nicht. Die Gewerkschaft sieht die Schuld bei den Betrieben.

obwohl weiter im Text; Die Lehrlinge seien immer schlechter ausgebildet, beherrschten zum Teil nicht einmal die Grundrechnungsarten,..... wohl der verbildung anzulasten sein kann und muss !

Unglaublich ja auch, dass besonders einfache Berufe wie Maler und AnStreicher die Tabelle anführen, denn das klingt nämlich alles andere als glaubhaft !

Der Lehrling

als Hilfsarbeiter, war und ist leider ein Tatsache. Jene Firmen die gewissenhaft ausbilden werden dadurch in Mißkredit gebracht.
Man muß aber auch festhalten, daß immer mehr Lehrlinge nicht schreiben, nicht lesen und geschweige rechnen können. In unseren Grundchulen lernen Kinder aus funktionierenden Ehen, aber alle verwahrlosten Kinder und diese werden immer mehr, werden mit geschleppt damit man sie los wird!

Antworten Gast: Klaus
28.07.2012 18:35
2 0

Re: Der Lehrling

bah, heute muss man ja froh sein wenn ein Lehrling halbwegs pünktlich zur Arbeit kommt.
und wenn man als Lehrherr sich getraut etwas zu sagen dann kratzt das weder Lehrling noch Eltern, schon eher beschwert man sich bei der AK was man sich erdreistet.

Gast: Fatalist
28.07.2012 06:53
0 1

Wie der Herr so das Gescherr

In den 70iger waren die Durchfallquoten höher als jetzt, obwohl damals alle viel "klüger" waren und jetzt wo alle so viel "dümmer" sind macht man so ein Aufsehen?!

 
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