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In Österreich tickt eine „Haftungsbombe“

27.07.2012 | 18:26 |   (Die Presse)

Nur in Irland ist der Anteil öffentlicher Garantien und Haftungen am BIP noch höher als in Österreich, sagt eine Eurostat-Studie. Das Bedrohungspotenzial erreicht schon die Hälfte der „offiziellen“ Staatsschuld.

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Wien/Ju. Österreich liegt mit seiner offiziellen Staatsschuld (nach Maastricht-Berechnung) innerhalb der EU zwar komfortabel im Mittelfeld. Im Hintergrund lauert aber ein Bedrohungsszenario, das die Alpenrepublik im Ernstfall sehr schnell in die Spitzengruppe der Schuldenstaaten katapultieren könnte: Die Garantien, die der Staat, aber auch die Länder für alles Mögliche übernommen haben, sind signifikant höher als in praktisch allen anderen EU-Staaten. Mit einer Ausnahme: Irland ist mit großem Abstand „Garantie-Europameister“.

In einer Donnerstagabend vom EU-Statistikamt Eurostat veröffentlichten Analyse der Staatsschulden („Structure of government debt in Europe 2011“, veröffentlicht in „Statistics in Focus“ 34/2012) zeigt sich, dass (siehe Grafik) Österreich und Irland bei der Vergabe von Staatsgarantien allein auf weiter Flur stehen: In Irland garantieren die „öffentlichen Hände“ mit 110,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, ein Schlagendwerden dieser Garantien würde den Staatsschuldenstand dort blitzartig verdoppeln.

In Österreich liegt das Bedrohungspotenzial laut Eurostat bei immerhin 38,1 Prozent des BIPs, was im Katastrophenfall einen schlagartigen Anstieg der offiziellen Staatsschuld (derzeit rund 223 Mrd. Euro) um fast 50 Prozent bedeuten würde.

Allerdings nur der offiziellen, denn ein nicht geringer Teil der Garantien wird ja für Verbindlichkeiten ausgelagerter Staats- und Landesgesellschaften abgegeben, die Schulden sind de facto also schon da.

Die öffentliche Hand garantiert etwa für Schulden der ÖBB, der Asfinag, der Bundesimmobiliengesellschaft und anderer ausgelagerter Unternehmen mit knapp 30 Mrd. Euro, weitere 11 Mrd. Euro entfallen laut Staatsschuldenbericht auf Garantien für „marktbestimmte Betriebe der Gemeinde Wien“. Von den Ländern wurden umfassende Haftungen für die diversen Landeshypos abgegeben, wobei das korruptionsgeschüttelte Kärnten mit immer noch rund 18 Mrd. Euro Haftung für seine gestrauchelte Landeshypo den Vogel abschießt. Diese Haftungen schmelzen aber dank eines EU-Haftungsverbots für Landesbanken sukzessive ab.

Garantien im zweistelligen Milliardenbereich gibt es auch im Rahmen des Bankenrettungspakets der Regierung. Hier ist noch völlig offen, wie viel an Risikopotenzial für den Steuerzahler letztendlich übrig bleiben wird. Nach jüngstem Stand dürften allein 27 Mrd. Euro an Haftungen für die Bad Bank der Kommunalkredit und die geplante Sondergesellschaft für die Auslagerung der faulen Kredite der Hypo Alpe Adria fällig werden.

ESM noch nicht berücksichtigt

Das ist in der Eurostat-Studie, die sich auf Daten aus dem Jahr 2011 beruft, freilich ebenso wenig enthalten wie die jüngst beschlossenen Garantien für den Euro-Rettungsschirm ESM. Die machen (gemeinsam mit den Zusagen für den noch ein Jahr bestehenden Rettungsschirm ESFS) rund 41 Mrd. Euro aus.

Die Garantiebombe ist in diesem Jahr also noch deutlich bedrohlicher geworden.

in Österreich kann man mit der Eurostat-Studie eher wenig anfangen. Ein Sprecher der Statistik Austria sagte zur „Presse“, man könne dazu nicht Stellung nehmen, weil man nicht wisse, was Eurostat alles in seine Statistik hineingerechnet habe. Zudem seien Länderdaten in Bezug auf Garantien „nicht vergleichbar“. Tatsächlich führt die Studie die Art der berücksichtigten Garantien nicht detailliert an. Studienautorin Julia Stanislav Eminescu scheint dabei aber zurückhaltend vorgegangen zu sein: 38,1 Prozent des BIPs entsprächen in Österreich etwas mehr als 100 Mrd. Euro. Innerösterreichische Schätzungen gehen davon aus, dass die „öffentlichen Hände“ insgesamt mit mehr als 160 Mrd. Euro garantieren. Ein Überblick ist schwierig, weil Ausgliederungen besonders auf Gemeindeebene sehr intransparent laufen.

Auf einen Blick

Österreich und Irland haben (in Relation zu ihrer Wirtschaftsleistung) weit überdurchschnittliche staatliche Garantien abgegeben, geht aus einer Eurostat-Studie hervor. Das birgt beträchtliches Bedrohungspotenzial für die Budgets.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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242 Kommentare
 
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Gast: Kompromisslose
29.08.2012 13:52
0 0

Das hat uns Mizzi verheimlicht

dass wir Österreicher bereits mit 80 Mrd für den ESM haften;da werden sich die nächsten Generationen bedanken, wenn sie mit Pensionskürzungen, Einschränkung der Bildungskarenz,Reduzierung der Kinderbeihilfe, Erschwerung bei Berufsunfähigkeitspensionen usw. herhalten müssen, dass es sich die korrupten und kriminellen Griechen gemütlich machen können

Gast: Mitdenker
30.07.2012 19:54
1 0

Investieren, investieren, investieren, ja aber bei uns in Österreich!!!

Das Ziel des ESM bzw. der hinter der offiziellen Taktik ist es Länder wie Österreich und Deutschland vor Zusammenbruch des EUROS eine Schuld aufzubürden, die wir nie zurückzahlen können, und somit SCHLECHTER dastehen werden, als jene Länder, denen völlig unverbindlich geholfen wurde.

Österreich wird also nie unter dem Rettungsschirm schlüpfen können, weil es ihn dann, wenn wir ihn bräuchten nicht mehr gibt.

Was jetzt stattfindet ist eine völlige Entwertung unserer Ersparnisse. Das beste wäre, wenn auch wir über alle Maßen auf Schuld und Pump leben, dann könnten wir wenigstens mehr vom Kuchen abbekommen, und damit VOR dem entgültigen Zusammenbruch, unsere Infrastruktur auf- und ausbauen.

Aber was ist, WIR sparen, damit es andere ausgeben können, und verlieren dadurch unsere wettbewerbsfähigkeit.

Wir sollten, uns auch alles rausholen was geht, aus dem Euro-Selbstbedienungsladen, um zumindest NACH dem entgültigen Crash mit einer überlebensfähigen und besseren Wirtschaft und Infrastruktur dazustehen. Was wir heute nicht in UNS investieren, wird uns später X-fach zum Nachteil sein.


1 0

Keine Ahnung was die tun?

Aber die wissen nicht einmal für was alles die Republik Österreich garantiert?

Naja, sind doch anscheinend nur peanuts- Beträge.

Man kann sich vorstellen wie viele Euros die EZB noch dricken muss, um all diese uneinbringlichen Schulden aufzukaufen.

Man glaubt doch nicht ernsthaft, dass ein Volk in Europa das alles erarbeiten und als Steuern abführen könnte.

jö super

dann dürfen wir ja bald unter den Rettungsschirm schlupfen und mal Netto-Empfänger sein, statt depperter zahler.

GEIL, saugeil .... her mit der EU Kohle

Gast: pächter der wahrheit
29.07.2012 21:25
3 0

Es ist doch so:

Unsere politischen Verantwortungsträger kaufen Güter für den "Staat" auf Schulden, z.B. Eurofighter, Koralmtunnel. Diese Investitionen helfen natürlich der (österreichischen) Wirtschaft, z.B. Porr, EADS, Raiffeisen etc. weil damit was zu verdienen ist; die Politiker werden im Anschluss oder schon während Ihrer Amtszeit von den Nutzniessern fürstlich belohnt mit Konsulentenverträgen (s. VIE) oder mit Vorstandpöstchen s. Wüstenrot. Auf jeden Fall ist das ein Bombengeschäft für die Wirtschaft und auch für die Politiker.

Nur nicht immer für die Bevölkerung die schlussendlich für die Schulden aufkommen muss.

1 0

Re: Es ist doch so:

Ich würde meinen, das sit ein typisches Pyramidensystem. Diejenigen, die zuerst ans Geld kommen und die beste Beziehungen haben, sind die großen Profiteure.

Solch ein System ist unmoralisch und dekadent und es wird darum nicht schade sein, wenn es weg ist.

Volksabstimmung Haftungsübernahme!

Für zukünftige Haftungen sollten alle Politiker die dafür stimmen auch mit ihren privaten Vermögen haften.
Ich wette 10:1 daß es keinen ESM geben würde und ÖBB und ASFINAG schuldenfrei wären...

Gast: Weltökonomin aus Attnang-Puchheim
29.07.2012 19:39
3 0

In Österreich tickt eine „Haftungsbombe“

So lange man sie ticken hört, ist es sicher ein gutes Geschäft.

Ob die Finanzjongleure selbst noch durchblicken?

So ist es kein Wunder, daß die Politiker erst recht nicht durchblicken.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/07/28/esm-vertrag-vom-angelsachsischen-anwaltsburo-geschrieben/

Das Verhalten der EZB kommt bereits einem Schuldentilgungsfonds oder den Eurobonds sehr nah. So sieht das in Deutschland zumindest die SPD.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/07/28/esm-vertrag-vom-angelsachsischen-anwaltsburo-geschrieben/


Originaltext des ESM, ist zugleich Entmündigung der Bürger!

http://www.issberlin.info/wp-content/uploads/2012/07/esm-vertrag-stand-2162011.pdf

4 0

Hier tickt nichts

Ganz einfach Österreich ist in Wircklichkeit genauso Pleite wie DE und GR.

Fr. Fekter und der Rest der rot/schwarzen Regierung....


....lest euch einmal den Artikel in der FAZ über die Haftungsverpflichtung Österreichs mittels ESM durch:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-retten-ohne-ende-11832561.html

Und übt einmal Selbstreflexion, dass ihr total überfordert seid, Österreichs Interessen zu vertreten.

Re: Fr. Fekter und der Rest der rot/schwarzen Regierung....

danke für diesen Link - Wahnsinn was unsere Politiker da an Rettung für uns beschlossen haben - Wahnsinn pur

letzt möglicher Ausweg, scheinbar Bundesverfassungsgericht DE

die Politiker müssen wirklich übergeschnappt sein


8 2

Ich fordere die Österreichische Regierung auf

das Gold des Volkes, das unter dem Finanzminister KHG GROB FAHRLÄSSIG, ohne das Volk zu befragen und noch dazu zum niedrigsten Preis in 25 Jahren verscherbelt wurde wieder zurückzukaufen.

Eine neuer Schilling oder sonstige europäische Währung müsste zumindest eine Teildeckung aufweisen, sonst wäre das wieder ein Selbstbetrug.

Das wäre ein sehr wichtiges Projekt! VIEL wichtiger als all die Haftungen zu übernehmen.


2 0

Frage?

Warum können sich die Amis so relativ einfach mit Gelddrucken refinanzieren, aber Europa schafft das nicht?

Wenn die EZB Geld aus dem Nichts produziert und damit Staatsanleihen kauft, warum garantieren dabei nicht alle EURO Staaten gleich mit ihrem Größenanteil?
Warum gibt es in Europa kein QE?


Re: Frage?

Können schon. Nur löst das das die grundlegenden Probleme genau so wenig wie in den USA.

Gast: Fred vom Jupiter
28.07.2012 19:05
10 0

Eine Chance haben wir vielleicht noch

Nämlich wenn die deutsche Regierung aufgrund fehlender Legitimität (ja, Sie haben richtig gelesen) zurücktreten müßte und alle Beschlüsse ihre Rechtsgültigkeit verlieren würden.

Man sieht: diese Merkel-Regierung hätte uns ohne verfassungsmäßige Grundlage glatt an den ESM verkauft und endgültig ausradiert, ohne daß sich auch nur ein Staatsanwalt dafür interessiert, was für Salven von Verfassungshochverrat von diesen Figuren abgeschossen werden. Jedenfalls waren sämtliche Strafanzeigen bisher zwecklos. Der Phantasie sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt:

Alle Prozesse nach dem neuen Waffenrecht, KWKG (Kriegswaffenkontrollgesetz) dem neuen BGB, Sozialgesetzbuch und vor allem Steuersachen nach der AO 77 sind darauf zu überprüfen, ob die angewandten Gesetze vom verfassungsmäßigen "Gesetzgeber" erlassen wurden, oder immer nur nur von den paar Leuten, die sich weitgehend selbst gewählt haben, um Diäten zu kassieren und Gesetzgeber zu spielen, auch wenn es inzwischen nur noch fast 3% sind?

Es wird zu prüfen sein, ob abgeschlossene Verfahren wieder aufzunehmen sind, und ob Schadensersatz- oder Rückforderungsansprüche gegen den BRD-Staat entstanden sind, die den Beträgen in den Rettungsschirmen gleichkommen. Welche Besoldungs-, Pensions- oder gar Diätengesetze hatten überhaupt Gültigkeit?

http://www.lutzschaefer.com/index.php?id_kategorie=8&id_thema=255

Gast: gladiator18
28.07.2012 18:30
10 0

Gewisse Leute (Politiker, Bankster) werden ein zweites Nürnberg erleben! Denn wehe auf dem Bankkonto geht kein Geld mehr ein - dann wirds verdammt interessant....


Gast: Besucher
28.07.2012 18:09
0 3

Gast

Österreich soll wie alle anderen europäischen Länder mit Würde untergehen!

Sonderstaatsanwälte

wären ein Gebot der Stunde. Bis jetzt wurde nur an der Oberfläche gekratzt.

Auch die Unterzeichner der ESM-Bürgschaft sollten sich warm anziehen.

11 0

Österreich ist genauso pleite wie GR


Nur die Finanzmärkte bewerten AT noch besser wie GR. Aber das kann sich rasch ändern.

Gast: africano
28.07.2012 17:07
7 1

Nichts neues .Österreich ist Pleite .

500 Milliarden Schulden + .200 Milliarden EURO an angesammelten FAULEN Krediten + Haftungen,welch der BP. Fischer unterschrieb ist nicht nur grauslich ,aber auch peinlich ,denn anscheinend haben wir das Rechnen verlernt.
1+ 1 = Drei???

1+ 1 = Drei???

Ja. Bei einem Hebelprodukt;-)

Antworten Antworten Gast: Reflector
30.07.2012 09:49
1 0

Re: 1+ 1 = Drei???

Na gehns, so ein mikriges Heberl!
Unter 20 wird da nichts unterzeichnet, siehe Linz.

Gast: oeconomicus
28.07.2012 17:00
4 0

bankgarantien

und das wirklich allerschlimmste sind die bankgarantien, von staat, vom kunden,....

 
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Hobbyökonom