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Hannes Ametsreiter: "Wir sind noch in der Probezeit"

28.07.2012 | 17:16 |  von Matthias Auer und Hedi Schneid (Die Presse)

Der mexikanische Milliardär Carlos Slim ist der neue Großaktionär der Telekom Austria. Konzernboss Hannes Ametsreiter spricht mit der "Presse am Sonntag" über die Zukunft und die Bewältigung der Korruptionsaffäre.

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Mit dem Einstieg des mexikanischen Telekomkonzerns América Móvil bekommt die Nähe des Telekom-Konzernsitzes zum Mexikoplatz eine neue Bedeutung. Lernen Sie schon Spanisch?

Hannes Ametsreiter: Ich habe es vor vielen Jahren gelernt, die Kommunikation läuft bei uns aber ohnedies meist auf Englisch und funktioniert so auch sehr gut mit den Mexikanern.

Die Telekom hat in einer sehr schwierigen Zeit mit Korruptionsaffäre und Gewinneinbruch zwei neue Großaktionäre erhalten. Zuerst Ronny Pecik, jetzt Carlos Slim mit seiner América Móvil. Hat das den Konzern ins Schlingern gebracht?

Nein. Das letzte Jahr war von unglaublichen Veränderungen geprägt – der Aufarbeitung der Vergangenheit und der neuen Aktionärsstruktur. Dazu kam die Fusion von Festnetz und Mobilfunk – die größte Firmenintegration, die je in Österreich stattgefunden hat. Das alles gleichzeitig zu verdauen ist schwierig. Aber wir sind wieder auf Gewinnkurs, haben im ersten Quartal 47 Millionen Euro Gewinn gemacht. Für das Gesamtjahr erwarte ich einen dreistelligen Millionengewinn.

Haben die Mexikaner einen Strategieschwenk angekündigt?

Nein, denn sie verfolgen dieselbe konsequente Konvergenzstrategie (Festnetz, Mobilfunk und Internet aus einer Hand) wie wir. Das lässt uns gleich denken und ticken. Darauf werden wir aufbauen. Ansonsten wollen wir weiterhin die Partnerschaft mit Vodafone pflegen und die zusätzlichen Möglichkeiten über América Móvil nutzen. Es laufen schon erste Projekte, wie man Synergien heben kann.

Wie intensiv werden die Mexikaner denn in das operative Geschäft eingreifen? Es sollen ja zwei zusätzliche Vorstände kommen.

Letzteres kann ich nicht bestätigen. Klar ist, dass América Móvil auch im Aufsichtsrat vertreten sein wird. Ansonsten geht es vor allem darum, was wir gemeinsam besser machen können. Die Kooperation reicht von der Infrastruktur bis zu den Handys. Eine der Chancen ist, mit einem Partner einzukaufen, der über 300 Millionen Kunden hat. Natürlich kriegen die andere Preise als wir.

Carlos Slim bringt den Kunden also billigere Handys und Tarife?

Wir sparen Kosten, was angesichts des enormen Preisdrucks wichtig ist. Hier in Zentraleuropa ist die Telekomindustrie in der Krise. Fast alle Unternehmen verzeichnen Umsatzverluste, die Erwartungen der Aktionäre sind angespannt. In Österreich ist es noch schwieriger, weil wir den umkämpftesten Markt mit den niedrigsten Preisen in Europa haben. Andererseits erfordert die Zukunft enorme Investitionen. Die Frage ist, wie wir diese angesichts der Preise stemmen können. Insofern ist fraglich, ob das niedrige Preisniveau haltbar ist.

Ihr Bis-vor-Kurzem-Großaktionär Ronny Pecik, der jetzt als Aufsichtsratsvizepräsident die Mexikaner vertritt, hat die Telekom oft hart kritisiert, Ihre Position infrage gestellt und eine Vorstandserweiterung gefordert. Keine leichte Situation für Sie, oder?

Ich kann Pecik nur ein Kompliment machen. Er hat diesen Prozess sehr geschickt aufgebaut und extrem intelligent geleitet. Das hat dazu geführt, dass ein sehr guter strategischer Investor eingestiegen ist, der über große Finanzkraft verfügt und unsere Industrie versteht. Was meine Position betrifft: Ich habe einen Vertrag bis Ende 2013, der Job macht mir Spaß. Ich werde den Vertrag erfüllen.

Und danach?

Das ist eine Frage, die man mit dem Aufsichtsrat diskutieren muss.

Hätte die Telekom allein bestehen können?

Wir haben von unserem Partner Vodafone in vielen Bereichen profitiert. Klar ist jedoch, dass die gesamte Industrie konsolidiert. Es gibt einen enormen Druck. Wir haben eine Superposition, weil wir in fast allen unserer Märkte Nummer eins oder zwei sind.

Auch in so schönen Ländern wie Weißrussland. Die Rolle der Telekom war in Europas letzter Diktatur ja nicht immer frei von Kritik. Denken Sie daran, sich aus dem „Schurkenstaat“ zurückzuziehen?

Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Man sollte in solchen Ländern lokale Gegebenheiten verstehen, Kritik üben, aber sich auf das eigene Geschäft konzentrieren. Wir haben uns sehr gut entwickelt. Getroffen hat uns die Währungsabwertung. Wir haben in dem Land Positives geschaffen, Arbeitsplätze und Infrastruktur. Darauf kommt es an.

Slim signalisierte, sich nicht mit 25 Prozent begnügen zu wollen. Wenn er aufstockt, muss er ein Übernahmeangebot legen. Wie stehen Sie zu einer Vollprivatisierung?

Das stimmt so nicht. Die Mexikaner haben gesagt, dass sie mit ihrem Anteil von rund 25 Prozent zufrieden sind.

Wäre es langfristig sinnvoll, die Telekom komplett zu privatisieren, wenn es einen starken strategischen Partner gibt?

Wir haben jetzt eine Probezeit miteinander. Wir werden die Zeit nutzen, einander gut kennenzulernen. Wir müssen in den nächsten Quartalen vor allem Gewinne bringen.

Wann endet die Probezeit? Zu Jahresende?

Es gibt hier keine Eile. Auch Slim sieht sich Europa erst einmal an und sammelt Erfahrungen.

Bei Ihrem größten Aktionär, der ÖIAG, gibt es auch eine Veränderung. Wen wünschen Sie sich als neuen Chef?

Wir brauchen eine stabile Aktionärsstruktur, Berechenbarkeit und eine sehr gute Kommunikation, die es uns ermöglicht, gut durch alle Unwägbarkeiten zu steuern.

Das Jahr 2011 war nicht nur vom Ertragseinbruch, sondern vor allem von der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre geprägt. Wie ist der letzte Stand?

Die BDO (deutscher Wirtschaftsprüfer, der alle Transaktionen und Geldflüsse im Konzern seit 2000 forensisch untersucht hat, Anm.) hat ihre Prüfung abgeschlossen. Seither hat sich nichts Neues ergeben. Wir haben die Unterlagen der Justiz übergeben, jetzt ist sie am Zug.

Sie wird als zu langsam kritisiert. Die Telekom hat sich in etlichen Fällen als Privatkläger angeschlossen. Machen Sie jetzt Druck?

Die Behörden geben das Tempo vor. Wir unterstützen sie. Die Dinge brauchen ihre Zeit. Es ist nicht an uns, das zu beurteilen.

Sie sind in der Korruptionsaffäre ja auch selbst Beschuldigter. Was ist hier der aktuelle Stand?

Es handelt sich um eine anonyme Anzeige. Nichts davon stimmt. Uns wurde von der Justiz signalisiert, dass das Verfahren eingestellt wird.

Der Untersuchungsausschuss hat sich lange mit der Telekom befasst. Was bringt das?

Der U-Ausschuss hat eine politische Dimension und einiges bewegt. Wenn er dazu beiträgt, dass im Land etwas konstruktiv verändert wird, war es gut.

1967
Hannes Ametsreiter wird am 20. Jänner in Salzburg geboren.

1986
Nach dem Publizistik- und Sportstudium in Salzburg absolviert er ein MBA-Studium an der Pepperdine University in den USA. Dann arbeitet er als Brand-Manager beim Markenartikelunternehmen Procter& Gamble.

1996
beginnt seine Laufbahn in der Telekom-Branche bei der Mobilkom Austria im Produktmanagement.

2001
Nach verschiedenen Stationen in Österreich übernimmt er die Verantwortung als Vorstand für Marketing und Vertrieb.

2005–2006
Ametsreiter ist Marketingchef der bulgarischen Mobilkom-Tochter MobilTel.

2009
Nach dem überraschenden Abgang von Boris Nemsic wird Ametsreiter Vorstandsvorsitzender der Telekom Austria. Er ist derzeit auch Präsident des Forums Mobilkommunikation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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6 Kommentare
Gast: Einer aus dem inneren Kreis lässt schreiben:
01.08.2012 08:52
0 0

Siemens und die Telekom

Erfolg durch Korruption?

Ein Schelm wer Böses dabei denkt

Er wünscht sich bei der ÖIAG "... Berechenbarkeit und eine sehr gute Kommunikation, die es uns ermöglicht, gut durch alle Unwägbarkeiten zu steuern..."

Wie auch immer das zu lesen ist... - bis jetzt war ja dort jemand, der auch zur Jagdgesellschaft gehört hat...

Die TA privatisieren die ÖIAG auflösen und den Ametsreiter

vor die Tür setzen.

soll das heißen, dass er weiß was in der Firma vor sich geht?


... normalerweise kommt ja im Nachhinein das übliche " ... das wußte ich nicht ... keine Wahrnehmung ... " etc.

Gast: b754
28.07.2012 18:50
6 0

warum läuft der noch frei herum


Re: warum läuft der noch frei herum

Das ist die Frage.

Wären allesamt einmal zu verwahren und wenn sie in der Lage sind, selber die Unschuld beweisen, einmal auf Bewährung freilassen!

Hobbyökonom