Wien. So unterschiedlich die Charaktere der beiden Immobilienprofis Jamal al-Wazzan und Rakesh Sardana auch sind – der eine liebt schnelle Autos und Wohnungen in der Wiener Innenstadt, der andere fährt Gebrauchtwagen und lebt mit seiner Familie in einem Haus in Schwechat – in ihrem Leben gibt es gewisse Parallelen.
Beide stammen aus bescheidenen Verhältnissen: Der gebürtige Iraker Jamal al-Wazzan und der in Indien geborene Rakesh Sardana kamen als Kinder nach Wien und hatten es nicht leicht. Während Sardana sich zu Beginn als Seidenschalverkäufer mit Bauchladen im Prater herumgeschlagen hat, verdiente al-Wazzan mit 18 als Würstelverkäufer den Lebensunterhalt für sich und seinen jüngeren Brüder.
Jahrzehnte später teilten sich beide – grob gesagt – die Topgeschäftslokale in der Wiener Innenstadt auf. Sardana verfügte außerdem über ein Imperium von Handelsfirmen auf dem Wiener Flughafen. Dieses brach vor wenigen Wochen nach andauerndem Streit mit dem Flughafen zusammen. Über vier von Sardanas Firmen (inklusive der Holding) wurde der Konkurs eröffnet. Nun machen die beiden Konkurrenten – die schon zuvor einen „Nichtangriffspakt“ geschlossen haben sollen – gemeinsame Sache.
Neuordnung auf dem Flughafen
Al-Wazzan steigt über seine „Richard Schöps & Co AG“ zu je 50 Prozent bei sechs Unternehmen von Sardana ein, wie er der „Presse“ sagte. Dazu gehören drei der insolventen Unternehmen: die Sardana Holding, Artifacts und Saveria. Der Vertrag wurde am Mittwochabend unter Beisein der Masseverwalter unterschrieben, über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Kolportiert wird, dass al-Wazzan mit seinem Partner Joachim Knehs zumindest sechs Mio. Euro auf den Tisch legen musste. Die Konkursverfahren laufen jedoch weiter, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) bestätigt.
Darüber hinaus beteiligt sich al-Wazzan an den noch nicht insolventen Gesellschaften Mostly Mozart, Lucky Chinese und Sardana Handels GmbH. Sardana bleibt weiterhin mit der Hälfte der Anteile an Bord.
Damit werden al-Wazzan und Sardana in 13 Läden in der Wiener Innenstadt und auch an sechs Standorten auf dem Wiener Flughafen gemeinsame Sache machen, wie sie versichern. Beim Flughafen bestätigt man dies nicht. „Es sind derzeit drei Geschäfte im alten Teil des Flughafens offen. Die Verträge laufen mit Jahresende aus“, sagt Kommunikationschef Stephan Klasmann. Dann müssten die Lokale wieder an den Airport zurückgegeben werden. Sardanas Standorte im neuen Terminal-Check-in 3 (Skylink) sind schon neu ausgeschrieben.
Rund sechs Standorte in der Wiener Innenstadt stehen laut al-Wazzan leer. Mittelfristig könnten dort Marken wie Hugo Boss, Tom Tailor und das erste Geschäft der Zara-Schwester Massimo Dutti hierzulande einziehen. Unterschrieben ist aber noch nichts.
Tally Weijl und Nespresso statt Schöps
Die meisten Geschäfte in der City, die besiedelt sind, sollen bleiben – so soll schon in der nächsten Woche wieder der Swarovski-Store in der Kärntner Straße aufsperren, der im Moment mangels Ware geschlossen sei. Zur Sardana-Gruppe gehören auch die Reiss-Bar, der Souvenirshop Mostly Mozart und das Restaurant Lucky Chinese.
Der Immobilienentwickler al-Wazzan, der die Textilkette Schöps aus der Insolvenz herausgekauft hat, vermietet die 35 Standorte heute als Handelsflächen. Mieter sind unter anderem Tally Weijl, Nespresso, s.Oliver und Tom Tailor. Außerdem gehört ihm das Kaufhaus „La Stafa“ in der Wiener Mariahilfer Straße. Auf die Standorte seines nunmehrigen Geschäftspartners hat er schon lange ein Auge geworfen. Seinen Anteil an den Sardana-Firmen weiter ausbauen will er jedoch nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)
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