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Reicher Mann, billiger Laden

03.08.2012 | 18:48 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Lieber ein paar hundert Filialen mehr als zu viele Steuern zahlen. Sparsamkeit trieb den Billa-Gründer Karl Wlaschek zum Erfolg. Heute wird die Legende 95 Jahre alt.

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Wien. Karl Wlaschek, der Milliardär. Karl Wlaschek, der Klavierspieler. Karl Wlaschek, der Billa-Gründer. Karl Wlaschek, der Playboy. Karl Wlaschek, die Legende. Wenn der gebürtige Wiener heute seinen 95. Geburtstag feiert, gibt es kaum etwas, das über das Leben des schillernden Geschäftsmanns noch nicht geschrieben wurde. Wir wollen den Versuch, etwas Neues zu finden, auch gar nicht unternehmen. Seine Geschichte ist so gut, dass man sie immer wieder erzählen kann.

Sie liest sich wie der Prototyp des Märchens vom sozialen Aufstieg in einer kapitalistischen Welt. Denn der milliardenschwere Immobilienzar kam von ganz unten. Der Sohn eines Wiener Gaswerkebeamten musste sich nach dem Krieg acht Jahre lang als Barpianist „Charly Walker“ über Wasser halten. Es sollte dauern, bis der 1,60 Meter kleine Großgreißler in Wien ehrfurchtsvoll als „Herr Billa“ angesprochen werden sollte.

Die Initialzündung für sein Handelsimperium verdankt KW seiner notorischen Sparsamkeit. Warum sollte nur er den Wunsch verspüren, Gutes günstig zu kaufen? Schon in seinem ersten Geschäft, einer kleinen Parfümerie im fünften Wiener Gemeindebezirk, machte er aus seiner Knausrigkeit ein Geschäftsmodell und verkaufte Markenartikel zu billigen Preisen. Sieben Jahre später folgte der erste Billa in der Wiener Singerstraße. Billa – kurz für „Billiger Laden“ –, der Name war Programm für das erste Selbstbedienungsgeschäft in der Stadt.

 

Expansion aus Sparsamkeit

Was ihm an wirtschaftlichem Wissen fehlte, ersetzte Wlaschek mit einem Übermaß an Kontrolle, Hausverstand und einem gewitzten Sinn für Marketing. „Sensationen, Aktionen“, schrieb Wlaschek in den Anfangsjahren eigenhändig auf jene Schilder, die in den Auslagen seiner Geschäfte Kunden anlocken sollte – und erfand damit die Rabattschlacht der heutigen Handelsketten.

Größte Triebfeder blieb aber seine Sparsamkeit. Und er konnte sich keine größere Verschwendung vorstellen, als sein Geld an den Fiskus abzuliefern. Damit zu Jahresende nicht allzu viel Gewinn übrig war, flüchtete sich der Manager in die Expansion. Frei nach dem Motto: lieber ein paar hundert Filialen mehr als ein paar Millionen Schilling Steuern zahlen. Am Ende stand mit 1340 Filialen und 18.000 Mitarbeitern die mit Abstand größte Handelskette des Landes.

Wlaschek wurde von der Staatsspitze geehrt, von den Österreichern ob seines Erfolgs geachtet. Und dann versetzte „Herr Billa“ der Republik einen Schlag. Völlig überraschend trennte sich der Firmenchef vor 16 Jahren von seinem Imperium. Für geschätzte 15Milliarden Schilling (1,1 Mrd. Euro) verkaufte Wlaschek Billa an den deutschen Handelskonzern Rewe. An die Deutschen. Ausgerechnet. Selbst seine engsten Vertrauten waren nicht eingeweiht.

Seitdem liefert der Lebemann seine „Sensationen“ vor allem an den Boulevard. Nur das Sortiment hat sich ein wenig geändert. Statt Semmeln, Wurst und Obst versorgt Wlaschek die Öffentlichkeit nun mit Details aus seinem Liebesleben. Mehrmals suchte der Lebemann per Inserat nach der Richtigen. Vier Ehen, drei Scheidungen lautete die Bilanz – bis der damals 94-Jährige vor wenigen Wochen in Velden ein fünftes Mal vor den Traualtar schritt.

 

Betongold statt Banken

Aber auch im Geschäftsleben war Wlaschek nicht untätig. Nachdem er bei der Privatisierung der Creditanstalt, damals die zweitgrößte Bank des Landes, leer ausging, steckte er sein Vermögen in Immobilien. Darunter etliche herrschaftliche Palais in der Wiener Innenstadt wie das Palais Kinsky, Ferstel oder Esterházy.

An seinem 95.Geburtstag dürfte der Milliardär glücklich sein, dass er doch kein Banker wurde und stattdessen auf Betongold gesetzt hat. So zählt er in der Finanzkrise wohl zu den Gewinnern. Selbst aus der Schieflage der Banken konnte der Geschäftsmann noch Profit schlagen. Vor einem Jahr kaufte Wlaschek das Schlosshotel Velden – von der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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30 Kommentare
 
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Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte

Hut ab!

Gast: Ein Denkender
04.08.2012 08:23
5 2

Selbstverständlich

lieber mehr Läden, damit nichts an den Staat geht...denn der Staat braucht ja kein Geld (denn für Schulen, für das Heer, für die Infrastruktur, für Krankenhäuser sollen die kleinen Steuerzahler aufkommen..)...und dann verkaufen an die Deutschen..so ist das mit den Kapitalisten...das Vaterland kann ihnen gestohlen bleiben; was zählt ist abkassieren..die Mitarbeiter mit Spottlöhnen abtun und sich dann also guter Geschäftsmann feiern lassen..
eine scheinheilige Gesellschaft...

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Re: Selbstverständlich

Irrtum, die kleinen Steuerzahler gibt es nicht!

Re: Selbstverständlich

Sie haben Recht. Statt hart arbeiten und sparen besser nichts tun und vom Staat leben. Das ist viel sozialer!

Antworten Gast: Vogel Strauss
04.08.2012 15:35
3 0

Re: Selbstverständlich

Mehr Läden = mehr Investitionen = mehr Arbeitsplätze, aber das kapiert man mit ideologischem Querkopf nur schwer! Sie sind einfach nur auf die linke Propaganda reingefallen ...

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Re: Re: Selbstverständlich

Der Unterschiede zwischen den Kapitalisten und den Linken ist nicht sonderlich groß.
Beiden leben auf Kosten der fleißigen.

Antworten Antworten Gast: Emmy Moneypenny
04.08.2012 17:42
0 3

Re: Re: Selbstverständlich

hahah..wirklich entzückend - es gibt nur mehr kapitalistische Propaganda...denn die wissen ja nicht, wohin mit dem Geld..."linke Propaganda" erwächst nur aus der Vernunft der Denkfähigen!

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Re: Re: Re: Selbstverständlich

Aha!

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Re: Selbstverständlich

Genau so einer von der Sorte wie Do&CO.Lauda ect. Spottlöhne und ausnutzen der Abhängigen sichert den Gewinn.
Leider hat das Volk dazu beigetragen dass die Groß geworden sind und den Greißler,Drogeristen;Bastlerladen ect. ausgestorben sind und nun dürfen sie die Waren kaufen welche der Supermarkt anbietet.
Und das wird immer mehr durch Eigenmarken ersetzt.
Der Kunde schaufelt sich selber sein Grab.

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Re: Selbstverständlich

Guter Kommentar, mich wundert auch, warum er (nicht nur) hier so hochstilisiert wird ...

Gast: wickman
04.08.2012 08:03
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steuerrecht

man sollte das steuerrecht tatsächlich mal überdenken, es gibt erfolgreiche leute denen am monatsende die steuer einfach uneinbringbar abgezogen wird ...

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aha

ja ich brauch billige teure kaffeepatronen bitte!

Gast: Einer
03.08.2012 23:22
1 1

Er ist wirklich ein Vorbild

Sein Lebensweg zeigt, dass an mit Idee, Sparsamkeit und Hausverstand weit kommt. Sicher mußte er ein strenges Regiment führen, weil wieviel Bremser, Unfähige und Nichtsnutze hätte er sonst durchfüttern müssen und es ist nicht Aufgabe des Unternehmers solchen ein Einkommen zu verschaffen. Wer nicht arbeiten kann oder will sollte nur das Nötigste vom Staat bekommen (am Besten Essensmarken vom Billa) damit mit der Unterstützung keine Flachbildfernseher gekauft werden sondern ordentliches Essen für die Familie! Ich bin ganz auf seiner Linie das man nur mit Kontrolle und Druck einen solch großen Laden in einer schlanken Struktur auf einem solch umkämpften Markt führen kann.

Gast: ocxbn
03.08.2012 23:00
2 0

BILLA

Billiger Laden...dass ich nicht lache!!!

Re: BILLA

Günstig ist der Billa wirklich nicht gerade. Dafür gibt es aber fast in jedem Kaff einen, und zwar auch zu Fuß erreichbar. Bei den Diskontern ist das ja nicht der Fall - die sind meistens nur mit dem Auto erreichbar.

Antworten Gast: UKW
04.08.2012 09:14
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Re: BILLA

Billige Werbesprüche haben sie zumindest. Vor allem das mit dem Hausverstand. Das passt überhaupt nicht. Ist nicht plausibel, der Spruch.

Re: Re: BILLA

Die Werbung nervt mich auch. Aber dafür ist ja Herr Wlaschek nicht mehr verantwortlich. Billa gehört ja REWE.

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Re: Re: BILLA

Der Hausverstand ist schon vor 60 Jahren gestorben.
Der Kunde hat die Wahl !! Heute sicher nicht mehr !!
Wer Z.B. in Wien Schärdinger Milch kaufen möchte soll sich auf eine lange Suche begeben.
Der REWE Konzern bestimmt was sie in den Regalen kaufen dürfen !!!!
HAUSVERSTAND ??????

Gast: b754
03.08.2012 21:16
5 10

einer der größten ausbeuter

und wieviele existenzen hat er ruiniert und sowas wird uns als vorbild dargestellt eine schande

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Re: einer der größten ausbeuter

Klär, der Konsum war ja viel besser. Warum gibt es den wohl nicht mehr!

Antworten Gast: Fritzthecato
04.08.2012 05:58
5 0

Re: einer der größten ausbeuter

Neidhammel, jeder kann sich in OE selbstaendig machen und ausbeuten, wennst 80 Wochenstunden nicht magst, bleib Magistrats- oder Bundesbeamter, dann beutest den Oesi aus....

Antworten Gast: gastfreund
03.08.2012 23:21
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Re: einer der größten ausbeuter

100% !!!

Antworten Gast: keterum kenseo
03.08.2012 23:14
6 0

Re: einer der größten ausbeuter

Ausbeuter, ja, wenn er seinen Angestellten weniger als den KV-Lohn bezahlt und sie sonst um ihre berechtigten Ansprüche betrogen hat, ansonsten, nein!

Re: Re: einer der größten ausbeuter

Genau das ist der Punkt!

Ich finde es auch nicht gut, dass Handelsangestellte so wenig bezahlt bekommen. Das ist aber nicht die Schuld der Handelsunternehmen, wenn die KV-Löhne so niedrig sind. Klar zahlen Unternehmer immer so wenig wie möglich, das macht jeder so.

Man müsste halt einen gesetzlichen Mindestlohn einführen und dieser dürfte eben für Vollzeitarbeit nicht weniger als 1500 EUR brutto sein. Dann hätte sich die Sache erledigt.

Re: Re: einer der größten ausbeuter

ich weiß nicht, wie wlaschek in der anfangszeit zu seinen mitarbeitern stand. damals, als er sie noch persönlich kannte und ihnen gelegentlich ins gesicht sehen musste.
später allerdings, als die zahl der filialen dies nicht mehr ermöglichte, gab es (zumindest im einzelhandel) keinen ärgeren menschenschinder als die firma billa!
und so ist es bis heute (mit dem kleinen unterschied, dass die schinderknechte nicht alte barpianisten sondern bevorzugt frisch gefangene WU-ler sind, deren hauptqualifikation charakterlosigkeit ist)

mfg.
der freund eines insiders, dessen erzählungen das wasser in der karibik gefrieren lassen!

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Re: Re: Re: einer der größten ausbeuter

Schon seit Jahrzehnten diktiert der BILLA/REWE seinen Lieferanten den Einkaufspreis den sie verlangen dürfen.
Und wer nicht mitzieht wird auf die Sperrliste gesetzt.
Das ist auch bei SPAR ect .nicht anders.
Auch beachte man den Qualitätsunterschied von Filialen in der Inneren Stadt und jenen in Bez.wie 10 oder 11.
Was bei den einen unverkäuflich ist findet bei den anderen seinen Platz .
Siehe Gemüse Obst.

 
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Hobbyökonom