Wien/Eid/jps. Exakt 961,57 Mio. Euro hat die Immofinanz im Jahr 2004 für die Bundeswohnbaugesellschaft (Buwog) gezahlt. Die Vorgänge rund um die Privatisierung sind seit Jahren Gegenstand eines der größten Strafverfahren der Republik. Jetzt, acht Jahre später, könnte die Buwog wieder den Besitzer wechseln. Die Immofinanz, die nach dem Zusammenbruch der Constantia Privatbank und der von ihr gemanagten Immogesellschaften neu aufgestellt worden ist, würde sich von der Buwog wieder trennen. „Wenn der Preis stimmt, verkaufen wir“, sagte Immofinanz-Chef Eduard Zehetner am Montag bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2011/12.
Den Wert der Immobilien bezifferte Zehetner mit 2,5 bis 2,6 Mrd. Euro – und zwar für die nun gemanagten rund 33.000 Wohnungen. Zum Vergleich: Bei der Privatisierung umfasste die Gesellschaft rund 58.000 Wohnungen. Für Teile der Buwog gebe es auch schon Interessenten.
Sachwerte zählen mehr als Rendite
Immobilien als Geldanlage seien nach wie vor sehr gefragt, sagte Zehetner. Von einem Preisrückgang wegen der Krise sei noch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Nachfrage steige. „Es geht weniger um Renditen, vielmehr um Vermögenssicherung.“ So habe die Immofinanz auch eine Reihe von Zinshäusern verkauft. „Wir haben diese vor 15 Monaten angeboten und jetzt den gewünschten Preis erzielt.“ Verkauft wurde etwa im Februar das Palais Batthyány in der Wiener Innenstadt.
Diese Verkäufe passen gut in die Strategie des Unternehmens. Denn „wir wollen den Takt der Immobilienmaschine erhöhen“. Das heißt, dass der Anteil der Objekte, die jährlich abgestoßen werden, von derzeit fünf auf gut zehn Prozent steigen soll. An das angepeilte Verkaufsvolumen von rund einer Mrd. Euro sei man im vergangenen Geschäftsjahr schon knapp herangekommen. „Wir machen unser Geschäft, indem wir Immobilien kaufen, entwickeln und rasch wiederverkaufen“, erklärte Zehetner. Außerdem sei es von Vorteil, sich von Immobilien, „die auch nicht jünger werden“, zu trennen.
Im Gegenzug expandiert die Immofinanz kräftig. Ein Beispiel: Im März wurde das Golden Babylon Rostokino in Moskau, eines der größten Einkaufszentren in Zentraleuropa, komplett übernommen. Die Finanzierung in Höhe von 715 Mio. Dollar (577 Mio. Euro) kam von der russischen Sberbank. Die Immofinanz hat schon mehr als die Hälfte ihrer Investitionen in Gewerbe- und Wohnimmobilien in Osteuropa getätigt. Weshalb Zehetner ein Listing an einer osteuropäischen Börse anstrebt.
Geld für die Expansion hat die Immofinanz jedenfalls genug, die liquiden Mittel liegen bei 560 Mio. Euro. Das Ziel eines operativen Ergebnisses (Ebitda) von 600 Mio. Euro im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 hält Zehetner für realistisch. Im Vorjahr lag der Vergleichswert bei 479 Mio. Euro. Die Mieterlöse stiegen leicht um 1,2 Prozent auf 585,7 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) wuchs um 62,9 Prozent auf 691 Mio. Euro. Grund dafür waren neben dem besseren Geschäft auch höhere Bewertungen der Immobilien. Negative Kurseffekte (gegenüber Ostwährungen) haben das Nettoergebnis jedoch um 13,4 Prozent auf 271,4 Mio. Euro gedrückt.
Wie berichtet, erhöht das Unternehmen auch die Dividende, die steuerfrei ausgezahlt wird: Nach 15 Cent je Aktie für das Vorjahr kündigte Zehetner für 2012/13 eine Dividende von 20 Cent je Aktie an. Da die Ausschüttung steuerlich als Einlagenrückzahlung definiert wird, entfällt für Aktionäre in Österreich, die natürliche Personen sind, die Kapitalertragssteuer.
Unzufrieden ist Zehetner mit der Aktie. Der Kurs, der am Montag nahezu unverändert bei 2,63 Euro im Plus tendierte, liegt bei der Hälfte des Nettovermögenswerts (Net Asset Value/NAV). Dieser hat sich mit 5,33 Euro kaum verändert.
Prozesse auf Eis
Bei den zivilrechtlichen Schadenersatzklagen, die die Immofinanz gegen das ehemalige Management rund um Karl Petrikovics angestrengt hat, gibt es nichts Neues. Laut Zehetner liegen alle Verfahren auf Eis, weil man auf die Strafprozesse warte. Der erste, der noch heuer beginnen soll, habe nicht unmittelbar mit der Immofinanz zu tun. Es gehe um Optionsgeschäfte bei der Constantia Privatbank (diese hat die Immofinanz/Immoeast gemanagt). „Manchmal wäre es hygienischer, ein bisschen mehr zu arbeiten“, konnte sich Zehetner Kritik an der Justiz nicht verkneifen.
Pro Jahr will sich die Immofinanz von älteren Objekten im Wert von einer Mrd. Euro trennen, um so „Spielgeld“ für neue Akquisitionen zu haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)
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