[Wien] Peter Mitterbauer kann heuer seine Sommerferien vergessen. Seit dem plötzlichen Abgang von Markus Beyrer Mitte Juni sucht der Aufsichtsratspräsident der ÖIAG einen neuen Chef. Genau genommen lässt Mitterbauer suchen - vom Headhunter Egon Zehnder. Aber natürlich hat der ÖIAG-Präsident schon bei der Auswahl der Kandidaten ein gewichtiges Wort mitzureden.
Nicht nur die Politik, die bei der Staatsholding traditionell eine nicht unwesentliche Rolle spielt, macht die Sache kompliziert. Mitterbauer pocht auf die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats.
Außerdem stößt er mit seinem Wunsch, den Posten erstmals mit einer Frau zu besetzen, auf Widerstand. Denn die Damen, die er bisher ins Visier genommen hat, haben nicht angebissen. Dazu gehört Brigitte Ederer, die bei Siemens einen Top-Posten bekleidet und auch im ÖIAG-Aufsichtsrat sitzt, so wie die Bankerin Regina Prehofer, die derzeit WU-Vizerektorin ist.
Mitterbauer gab nicht auf - und wurde in der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien fündig. Michaela Steinacker, die dort in der Geschäftsleitung für Immobilien zuständig ist und zuvor Chefin des ÖBB-Immobilienmanagements war, soll in die Staatsholding wechseln. Die Crux: Während die gut in der ÖVP vernetzte Steinacker, die nicht nur von Mitterbauer unterstützt wird, als Favoritin umworben wird, wurde der „Presse" in der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien klar mitgeteilt: „Frau Steinacker hat sich nicht beworben."
Eine offizielle Bewerbung sei jedoch unabdingbar, auch wenn die Rückendeckung von Politik oder Holding-Spitze groß sei, heißt es beim Headhunter, der oft in Diensten der ÖIAG stand. Auch Beyrer hat sich im Vorjahr beworben, nachdem er aufgrund des Widerstands gegen Wolfgang Ruttenstorfer und Boris Nemsic bekniet worden war, den Job zu machen.
Lanthaler ist ein Favorit
Der Personalausschuss des Aufsichtsrats, dem neben Mitterbauer sein Vize Siegfried Wolf und Theresa Jordis sowie die Arbeitnehmervertreter Leopold Abraham (OMV) und Helmut Köstinger (Post) angehören, wird Mitte August eine Shortlist mit bis zu fünf Namen erhalten, auf der möglicherweise keine Frau steht. Außer es kommt jene nicht namentlich genannte „Kapazität", die Zehnder noch im Köcher haben soll.
Einige Kandidaten sind schon gut bekannt: Werner Lanthaler, derzeit Vorstandschef des Hamburger Biotech-Unternehmens Evotec und einst unter Mitterbauer Kommunikationschef der Industriellenvereinigung, Ex-ÖVP-Landesrat Herbert Paierl und Ex-AUA-Chef Peter Malanik. Alle drei haben sich beworben. Ob das auch Wolfgang Mayerhuber getan hat, ist nicht bestätigt. Mit dem gebürtigen Österreicher, der bis 2010 die Lufthansa führte, wird noch gesprochen, heißt es. Neu im Spiel soll Rudolf Kemler sein, der sich kürzlich bei Hewlett-Packard-Österreich verabschiedet hat.
Bis zur Entscheidung am 7. September darf also noch fest taktiert, intrigiert und interveniert werden. Schließlich gilt der Job als Schlüsselposition, auch wenn die ÖIAG nur die Staatsbeteiligungen an Post, Telekom Austria und OMV verwaltet. Eines fällt diesmal auf: Alle bisher genannten Kandidaten (außer Ederer) gehören dem bürgerlichen Lager an. Die SPÖ habe ihr Interesse verloren, heißt es, zumal sie ohnedies für eine Auflösung der Holding eintritt. Sie glaubt die Unternehmen bei den entsprechenden Fachministerien besser aufgehoben.
Anders die ÖVP: Das Finanzministerium, das für die ÖIAG zuständig ist, ist die seit Jahren diskutierte große Lösung für die ÖIAG zwar bisher schuldig geblieben. Klar ist aber, dass die „Schwarzen" in Richtung Aufwertung tendieren. Die ÖIAG könnte mit Teilen der ÖBB oder dem Verbund neue Unternehmen und auch neue Aufgaben erhalten. Der Mangel an Strategie macht die Suche nach einem ÖIAG-Chef nicht gerade leichter. Denn vom Konzept hängt eigentlich der Managertyp ab, der gebraucht wird. Die Frage lautet also: Verwalter(in) oder Visionär(in)?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. August 2012)
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