Die Presse: Innerhalb von vier Jahren ist die Mitarbeiterzahl Ihres Unternehmen von fünf auf 90 gestiegen. Wo liegen hier die Schwierigkeiten im Wachstum?
Robert Breinl: Die größte Schwierigkeit ist, passendes, geeignetes, gut ausgebildetes Personal zu finden. Das ist momentan die Wachstumsbremse, nicht die Aufträge sind es. In Deutschland ist es noch schlimmer. Aber auch in Österreich ist es sehr komplex, passend ausgebildete Leute zu bekommen.
Wo suchen Sie nach Mitarbeitern?
Überall. Mittlerweile sind Mitarbeiter aus 16, 17 Nationen in unserem Unternehmen tätig. Das ist durchaus bereichernd für die Firma. Wir haben jetzt aber auch begonnen, mit Universitäten in Spanien und Griechenland Kontakt aufzunehmen. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die Zahl an gut ausgebildeten potenziellen Mitarbeitern hoch. Zuvor haben wir schon in Kroatien und Slowenien inseriert.
Sie schreiben einen Forschungspreis aus, arbeiten mit Universitäten zusammen – ist das auch eine Variante, Personal zu akquirieren?
Auf jeden Fall. Wir arbeiten ganz eng mit der TU und der FH Joanneum in Graz zusammen. Auch in Deutschland kooperieren wir mit einigen Forschungsinstitutionen. Auf der einen Seite tun wir das, um Forschungsprojekte abzuwickeln, aber natürlich auch, um Personal zu akquirieren. Wir haben laufend fünf bis sechs Diplomarbeiten im Haus. Zusätzlich gibt es immer auch Praktikanten bei uns. Der Großteil bleibt uns auch danach erhalten. Das ist für uns als Unternehmen perfekt: Wir lernen unsere zukünftigen, potenziellen Mitarbeiter kennen, und umgekehrt lernt der Mitarbeiter die Firma kennen. Das sind Angestelltenverhältnisse, die längerfristig halten.
Werden sich E+H-Fahrzeuge im allgemeinen Gebrauch durchsetzen, oder werden diese Fahrzeuge Nischenprodukte bleiben?
Ich glaube, dass es einzig und allein von der Batterietechnik abhängig ist. Weil die Speicherdichte im Moment einfach noch nicht so hoch ist, dass sie die in Verbrennungsmaschinen gespeicherte Energiemenge darstellen kann. Sobald das der Fall ist und die Kosten etwas runtergehen, ist das auf alle Fälle eine interessante Alternative.
Können Sie den Durchbruch der Hybridtechnologie in Jahren beziffern?
Das ist ganz schwer. Wann es wirklich zu einem Ersatz kommt, weiß ich nicht. Wenn es überhaupt zu einem Ersatz kommt. Ich glaube, dass es drei Kategorien geben wird. Das eine, die E-Fahrzeuge, als Zweitfahrzeug für den Stadtbetrieb. Für Familien oder Personen, die nur ein Auto haben, werden sich die Hybridfahrzeuge durchsetzen. Und für Langstreckenfahrer wird noch lange Zeit der Verbrennungsmotor das Maß aller Dinge sein. Auch in diesem Bereich ist noch Potenzial vorhanden, etwa in der Senkung des Verbrauchs. Ich glaube, dieser kann auf ein Drittel des aktuellen Werts gesenkt werden. Das wird passieren. Ich glaube, sogar schneller, als es Batteriesysteme gibt, mit denen man 1000 Kilometer fahren kann.
Robert Breinl hat qpunkt im Frühjahr 2008 gemeinsam mit vier Arbeitskollegen gegründet. Zuvor war er Abteilungsleiter bei Magna Steyr. Das Unternehmen, das Standorte in Hart bei Graz, Ingolstadt, Wolfsberg, Stuttgart und München hat, ist spezialisiert auf Thermomanagement und Aerodynamik im Automotive-Bereich und beschäftigt zurzeit 90 Mitarbeiter. Zu den Kunden zählen unter anderen Audi, Bentley oder Porsche. Für den Unternehmenserfolg ausschlaggebend ist der hypermoderne Klimatechnik-Prüfstand in Hart bei Graz. [Helmut Lunghammer]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)
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