19.05.2013 15:52 Merkliste 0

Steuerflucht: Banken als Helfer?

10.08.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Bis April dieses Jahres konnten Österreicher ihr Schwarzgeld ohne Sorgen aus der Schweiz an einen sichereren Ort transferieren. Angeblich sogar mithilfe der Banken.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Rie. Es gibt viele Geschichten über mehr und weniger prominente Österreicher, die nach einem langen Wochenende in der Schweiz einen Koffer voll Bargeld mit nach Hause bringen. Ab 2013 können sie sich die Reise sparen: Dann werden Schwarzgelder, die Österreicher im Nachbarland bunkern, mit einer Einmalzahlung (15 bis 38 Prozent) legalisiert.

Wer sich die Zahlung sparen will und weiterhin lieber Nervenkitzel bei Reisen hat, der hatte genügend Zeit, sein Geld aus der Schweiz an einen diskreteren Ort zu transferieren. Bis zum 13. April dieses Jahres sogar ohne irgendwelche Spuren.

Das ist der Stichtag, bis zu dem die Schweizer Banken über Geldbewegungen ihrer Kunden schweigen dürfen wie ein Grab. Wer jetzt noch Geld aus der Schweiz in eine Steueroase transferiert, muss aber auch nicht viel befürchten: Seine Bank wird den österreichischen Finanzbehörden nur melden, wie viele Österreicher welche Summen ab April in welches Land überwiesen. Nur Schwarzgelder, die am 1. Jänner 2013 noch immer auf einem Konto in der Schweiz liegen, werden mit der Pauschale besteuert und so „weiß“.

Angeblich halfen die Banken dienstfertig mit, wenn Kunden ihr Geld aus der Schweiz wegschaffen wollten. Laut eines Berichts der „Financial Times Deutschland“ (FTD) sind auf den Steuer-CDs, die Nordrhein-Westfalen ankaufte („Die Presse“ berichtete im Freitagsblatt), auch Belege, wie Bankangestellte Anleitungen gaben, um Geld „steueroptimiert“ zu verschieben und anzulegen.

 

„Sieben Wege zum Glück“

Auch der Chef der Steuerfahndung im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz, Klaus Herrmann, erhebt in einem Interview mit dem aktuellen „Spiegel“ ähnliche Anschuldigungen: Die Banken hätten während der Diskussionen über die Schwarzgeldabkommen schnell Modelle entwickelt, um das Geld in ihrem Institut behalten und den Kunden Sicherheit vor der Steuer bieten zu können.

Es gebe zumindest sieben Modelle, um die 25-prozentige Kapitalertragssteuer zu umgehen, sagt Herrmann. Die Banken würden sie intern als „sieben Wege zum Glück“ bezeichnen.

Die Schweizer Banken weisen zwar alle Vorwürfe zurück. Faktum ist aber, dass viele Geldinstitute in den vergangenen Jahren Niederlassungen in Ländern eröffneten, die ein strengeres Bankgeheimnis haben und weniger kooperativ bei Behördenanfragen sind. An erster Stelle Singapur. Der asiatische Stadtstaat habe die Schweiz mittlerweile als wichtigster Standort für Vermögensverwalter abgelöst, erhob PricewaterhouseCoopers in einer Untersuchung.

Fast 1000 Milliarden Dollar sollen in dem Staat liegen, der alles tut, um Vermögende anzulocken. Wer beispielsweise in Singapur sein Geld in einer Familienstiftung einbringt, ist generell steuerbefreit.

Wenn ein Deutscher das mit Schwarzgeld tat, könnte er aber nach dem Ankauf der Steuer-CDs Besuch von der Finanz erhalten. Laut FTD sei es mit dem Material nämlich auch möglich, Personen aufzuspüren, die in der Vergangenheit Geld in eine fernöstliche Steueroase gebracht hätten.

In Österreich reagiert man zurückhaltend auf die Enthüllungen. Man warte ab, ob und welches Datenmaterial man aus Deutschland bekomme, meinte ein Sprecher des Finanzministeriums. Zum Problem des Geldflusses aus der Schweiz etwa nach Singapur erklärte der Sprecher: Sollte man feststellen, dass seit April „bedeutende Mengen“ in ein bestimmtes Land abgeflossen seien, werde man dem im Rahmen des OECD-Steuerabkommens nachgehen.

 

„Will es bewusst legalisieren“

Das Abkommen sieht vor, dass internationale Amtshilfe auch für Gruppen von Steuerpflichtigen gewährt werden muss. Allerdings müssen die Personen durch sehr spezifische Kriterien identifiziert sein, Gesuche ohne konkrete Anhaltspunkte sind verboten.

Ein Steuerexperte meinte zur „Presse“, dass der Abfluss von „wirklich großen Mengen Schwarzgeld“ aus der Schweiz schon vor Jahren begonnen habe. Wer jetzt noch Geld dort habe, „der will es bewusst mit dem Schwarzgeldabkommen legalisieren“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

35 Kommentare
 
12

Sozialdemokrat Gabriel spricht Tacheles

Die Banken betreiben bandenmäßig organisierte Steuerhinterziehung, wettert der Sozialdemokrat Gabriel und fordert massive Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wie - bei uns - gegen die Tierschützer. Das ausgehandelte Abkommen mit der Schweiz legalisiere Steuerhinterziehung und sei folglich zu verwerfen.

Aja, um jetzt keine Verwirrung auszulösen. Gabriel ist ein deutscher (!) Sozialdemokrat - kein österreichischer. Unsere Sozialdemokraten stehen da eher schon auf der Seite superreicher Steuerhinterzieher, deren Besteuerung sie nur in "Sonntagsreden" forderen. Wasser predigen und Wein trinken!

0 1

...

bla bla bla

Gast: Kriminalist
11.08.2012 20:00
1 1

Steuerflucht: Banken als Helfer?

Hätten sie sich von den Tätern etwas anderes erwartet?

Gast: Paul Voltan
11.08.2012 18:56
1 2

Staatliche Beihilfe

Kann man sagen, dass Abkommen mit der Schweiz ist bewusst so gehalten, dass es superreichen Steuerhinterziehern leicht gemacht wurde ihr Geld der Besteuerung zu entziehen? Darf man von staatlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung sprechen?

Und ist es nicht befremdlich, wenn österreichische Sozialdemokraten und "linke" Spitzengewerkschafter dieses fragwürdige Abkommen beklatscht haben?

Darf man sich wundern? Darf man kotzen?

Schweizer Banken sind eben in erster Linie Dienstleister für ihre Kunden und nicht Spitzel für ausländische Finanzer!


Re: Dienstleister und Beitragstäter?

Dienstleister und Beitragstäter?

Wenn ich über die Machenschaften gewisser Banken lese, dann fällt mir immer der § 278 StGB (Strafgesetzbuch) ein, der in Österreich aber nur gegen Tierschützer zur Anwendung gebracht wird.

Gast: oeconimia
11.08.2012 15:57
0 0

finanz

die banken die ganz grossen steurprofiteure werden vom finanzamt aber so gar nicht geprueft. alle reden ueber die sparbuechel irgendwelcher kleinhaeusler die vielleicht ein paar millionen nach singapour schicken. aber was machen denn die banken u investmentfirmen? die verschieben vielleicht zig milliarden. wo bleibt die staatsvernunft der behoerden, schaut euch doch mal diese finanzjongleure genauer an.
oder werden die nicht geprueft da sie ohnehin steuergelder von uns kassieren?

2 0

nix neues. die UBS (damals in der naglergasse) hat uns innerhalb von minuten nach nur 1 anruf (Zürich / Zentrale) alles mögliche angeboten, ohne viel bla bla und ganz unbürokratisch! wer tut sich bitte noch die österreichischen banken an?


Warum wurde der

KHG noch immer nicht in Untersuchungs-Haft genommen?

Hat er immer noch einen Diplomaten-Pass?

Re: Warum wurde der

Den hat er noch nicht zurückgegeben, wurde gerade erst vor wenigen Tagen verlautbart. Aber nicht nur er wartet bis zum letzten Augenblick der Rückgabefrist.

Re: Warum wurde der

Doch!

Mit Diplomaten-Pass kann man leichter im Koffer Geld transferieren

und die roten Strichalan der KHG-Kampfposter bestätigen mich diesbezüglich!

Re: Warum wurde der

1) hat das nix mit dem Thema zu tun.

2) nutzt ihm ein österreichischer Diplomatenpass in Österreich genau gar nix. Der hat nur im Ausland gültigkeit.

3) Aber warum er nicht in U-Haft sitzt frag ich mich auch

Re: Re: Warum wurde der

Na ja, es hat insofern mit dem Thema zu tun, als dass ein Diplomatenpass das grenzüberschreitende Reisen mit Schwarzgeldkoffern außerordentlich erleichtert.

Gast: Gottfried Ganzker
11.08.2012 09:34
10 2

In Österreich reagiert man zurückhaltend ...

Anders ausgedrückt: Man will gar nichts von den Daten der Deutschen wissen. In Österreich gilt die Steuerpflicht nur für Dumme. Superreiche werden begünstigt, das ist hier der politische Konsens. Hinter dem auch die SPÖ eisern steht, die man gut und gern als Interessensvertretung der Superreichen charakterisieren kann.

Gast: Halbwissen
11.08.2012 09:28
0 0

Werden jetzt auch die Steuerberater abgeschafft ?


Re: Werden jetzt auch die Steuerberater abgeschafft ?

Einen großen Teil dieser Herrschaften sollte man einmal sehr genau auf die Finger schauen.

nur eine potente gemeinschaft

kann sich gegen diese steueroasen wehren und den dieben ein bisserl mehr als ein mitleidiges lächeln entlocken.
ö allein hat keine chance. nicht mal gegen den mini-staat liechtenstein, gegen die schweiz sowieso nicht und wo singapur überhaupt ist, wissen die wenigsten.

gegen all diese staaten kann man nur dann erfolgreich vorgehen, wenn man ähnlich wie die usa entsprechenden druck machen und zb die wirtschaftliche zusammenarbeit in frage stellen kann.

das kann ö nicht.
das kann nur die eu.

doch ö blockiert das. korrektur: die övp blockiert das. diesen leuten ist es wichtiger, dass durch unser bankgeheimnis, das dem normalbürger überhaupt nichts materielles bringt, auch ein mini-teil des betrügerkuchens abfällt (nicht für 'uns' - für die banken in erster linie natürlich)

man kann also die sache letztlich so beurteilen:
sind fekter & co so BLÖD, dieses ding nicht zu durchschauen?
oder sind fekter & co so KORRUPT, um dieses ding weiter am laufen zu halten?

0 0

Re: nur eine potente gemeinschaft

Es gäbe genug mœglichkeiten schwarzgeld vom geldverkehr auszuschliessen.
Nur will das ernsthaft keiner, auch nicht der kleine mann.

Nur eine potente Wirtschaft

je höher die Steuern, desto größer der Wunsch sich gegen diesen staatlich organisierten Diebstahl zur Wehr zu setzen.

Die freie Wirtschaft produziert die Waren, die wir alle täglich brauchen und stellt Arbeitsplätze bereit.

Der Staat ist der Parasit, der uns das Blut aus den Adern saugt. Doch bald ist der Wirt so blutleer, dass er in sich zusammenbrechen wird.

Re: Nur eine potente Wirtschaft

genau, "die freie wirtschaft"...

...die diese waren günstiger verkaufen könnte oder mehr gewinn erzielen könnte, wenn sie nicht die steuerlast der diebe mitübernehmen müsste!

wer diesen derart einfachen zusammenhang nicht durchschaut, sondern lieber staats-bashing betreibt, obwohl er selbst unmengen an leistungen des staates bezieht ohne es zu registrieren, ist mit sicherheit niemand, der einen produktiven beitrag für dieses land leistet. es sei denn, dumm herumreden und phrasen dreschen wird seit neuestem als solcher bezeichnet!

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
11.08.2012 12:47
0 0

Re: Re: Nur eine potente Wirtschaft

Dann wäre es doch an der Zeit das die Leistungen registriert werden !

Am besten die Leute bezahlen direkt für den Konsum der Leistungen.
Dann werden sie es auch registrieren.

Antworten Gast: Halbwissen
11.08.2012 09:27
2 1

Re: nur eine potente gemeinschaft

"Dort rennt der Dieb" schreit der Dieb !!!

Das sind genau die Milliarden, die im Budget fehlen.

Die Banken&Politmafia funktioniert hervorragend.

Re: Das sind genau die Milliarden, die im Budget fehlen.

Schön wärs. In Wirklichkeit fehlen, dem Budget immer Milliarden, egal wie hoch die Steuereinnahmen sind. Wenn es ein paar Milliarden mehr sind, werden halt noch ein paar unnötige Beamte eingestellt, Krankenhäuser in 20 km Entfernung voneinander gebaut, parteinahe Trachtenvereine gefördert etc. Keine Regierung geht je sorgsam mit dem Geld der Steuerzahler um.

Strassenraub ist salonfähig geworden.

Es wird immer schwieriger, sein Eigentum zu verteidigen. Der Moloch will alles. Auch diejenigen, die Heute begeistert applaudieren, werden alles abgeben.
DENN:
*Nie ist dem genug, dem Genug nicht genug ist."

3 0

FRAGE:

Womit machen eigentlich kleine Privatbanken in Österreich, die nur ausgewählten Kunden Zutritt und Konten anbieten, ihre Gewinne?

 
12

Hobbyökonom